Gong Li

Die junge Gong Li in ihrer Erfolgsrolle als Jiuer Vergrößern
Die junge Gong Li in ihrer Erfolgsrolle als Jiuer
Gong Li
Geboren: 31.12.1965 in Shenyang, China

"Rotes Kornfeld" des Chinesen Zhang Yimou war auf der Berlinale 1988 der ganz große Erfolg und erhielt den Goldenen Bären als bester Film: Ein Sänftenträger raubt die Braut, die er dem reichen Schnapsbrenner zuführen soll. Durch mysteriöse Umstände wird die schöne Fremde selbst Herrin der Brennerei. Aber sie muss sich immer wieder mit Banditen anlegen. Der Regiedebütant hatte die weibliche Hauptrolle Gong Li, der hochbegabten Schülerin an der Pekinger Schauspielschule, angeboten. Gong Li wird zum Star und wurde bis 1995 die Lebenspartnerin des Regisseurs.

Die schöne Chinesin erhält viele Angebote - auch aus europäischen Ländern und aus Hollywood. Ihr Aussehen, ihr Spieltalent, ihre Wandlungsfähigkeit machen sie so begehrt. Bei der sorgfältigen Rollenauswahl legt die Schauspielerin besonderen Wert darauf, nicht auf einen Typ festgelegt zu werden. Sie spielt die Bäuerin ebenso überzeugend wie die Kurtisane, sie ist die unterwürfige Ehefrau und die laszive Nachtclubsängerin. In Zhang Yimous "Judou" (1990) etwa ist sie die gekaufte Frau eines alten Mannes, der sich ein Kind wünscht. Sie aber verliebt sich in den Neffen des Alten, von dem sie dann ein Kind erwartet.

Ein Jahr später steht Gong Li wieder bei Yimou in "Die rote Laterne" als Ehefrau einesfeudalistischen Pascha vor der Kamera: Sie ist die 19-jährige Songlian, die vierte Frau des Herrschers. Nach dem Tod des Vaters bricht sie das Studium ab und nimmt den Antrag von Chen an. Als jüngste Frau winkt ihr alle Gunst des Herren, doch in ihrer seltsamen Mischung aus emanzipatorischem Gebahren, Hochfahrenheit und Stolz bringt sie sich nach und nach um die ihr zuerkannten Privilegien: Sie verdirbt es mit ihrer stolzen Dienerin, erzürnt den Herrn selbst und findet keinen Weg aus dem Dilemma: Als Irre endet sie kläglich.

Bei den Filmfestspielen in Cannes 1994 konnte Zhang Yimou für seinen fünften Spielfilm "Leben!" den großen Preis der Jury entgegennehmen, in China wird er im Kino nicht gezeigt. Die Chinesen hätten ihn gar nicht erst zum Wettbewerb angemeldet, das verdankt Yimou dem Co-Produzenten aus Hongkong. Das Familienepos nach einem Roman von Yu Hua, die Geschichte einer Familie, einzelner Familienmitglieder von den Vierzigerjahren bis hinein in die Siebziger repräsentiert verschiedene Lebensmöglichkeiten in den unterschiedlichen politischen Epochen. Das könnte melodramtisch, heroisch oder tragisch sein. Es ist nichts davon, faszinierend, wie Zhang Yimou das Filmhandwerk inzwischen beherrscht und wie seine Hauptdarstellerin Gong Li sich weiterentwickelt hat.

Hatte "Das rote Kornfeld" noch etwas von Pathos, dominieren in "Rote Laterne" äußere Pracht und Schönheit, so ist die Tragik und Düsternis des chinesischen Alltags in der "Geschichte der Qiuju" und in "Leben!" nicht von Optimismus, sondern von einer gesunden Hoffnung für eine bessere Zukunft erhellt. Diese unterschiedlichen Stimmungen verdanken die Filme nicht zuletzt der Präsenz ihrer Hauptdarstellerin. Aber Gong Li arbeitete nicht nur mit ihrem Lebenspartner, von dem sie sich inzwischen getrennt hat. Eine ihrer aufregenden Rollen spielt sie in Li Han Hsiangs "The Empress Dowager" (1989). Wieder bei Zhang Yimou wird sie 1992 für ihre Rolle der Titelfigur in "Die Geschichte der Qiuju" in Venedig mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet, ein Jahr später spielt sie in Chen Kaiges "Lebewohl, meine Konkubine" die Hauptrolle, ebenso wie in Zhang Yimous "Shanghai Serenade" (1995) und in Chen Kaiges "Verführerischer Mond" (1995).

1998 konnten deutsche Kinobesucher sie an der Seite von Jeremy Irons als Vivian in Wayne Wangs "Chinese Box" und zwei Jahre später in Chen Kaiges "Der Kaiser und sein Attentäter" sehen. Gong Li, die in Hongkong, Singapur und Peking lebt, ist Mitglied des Volkskongresses der Volksrepublik China und setzt sich gegen staatliche Filmzensur ein. Im Februar 2000 wurde sie zur UNESCO-Botschafterin ernannt und eröffnete in dieser Funktion das Kinderfilmfestival der Berlinale 2000. Darüber hinaus war Gong Li Präsidentin der Internationalen Jury der 50. Berlinale, die vom 9. - 20. Februar stattfand.

Weitere Filme mit Gong Li: "Der Krieger des Kaisers", "Daihao meizhoubao" (beide 1989), "Haomen yeyan" (Gastrolle als Kellnerin), "Du xia II zhi Shang Hai tan du sheng" (beide 1991), "Mungsing Sifan" (1992), "Tang Bohu dian Qiuxiang", "Hua hun" (beide 1993), "Xin tian long ba bu zhi tian shan tong lao", "The Great Conqueror's Concubine I & II" (alle 1994), "Breaking the Silence" (1999), "2046" (2004), "Miami Vice", "Hannibal Rising - Wie alles begann", "Der Fluch der goldenen Blume" (alle 2006).


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