Michael Mann

Einer der wenigen Autorenfilmer des Hollywood-Kinos: Michael Mann Vergrößern
Einer der wenigen Autorenfilmer des Hollywood-Kinos: Michael Mann
Fotoquelle: magicinfoto/shutterstock.com
Michael Mann
Geboren: 05.02.1943 in Chicago, Illinois, USA
Sternzeichen: Wassermann

Eine Art Mafia-System beherrscht die Hierarchie im Knast - hier die Schwarzen, da die Weißen. Es wird gedealt, unterdrückt und kaputt gemacht. Ein Lebenslänglicher hat seinen Weg für sich gefunden: um zu überleben, läuft er. Er trainiert, wird von Tag zu Tag schneller, die Gefängnisleitung schlägt ihn zur Olympiade vor, ein Schwarzer trainiert ihn. Doch eines Tages findet man den Trainer tot auf. Und jetzt rächt Rain Murphy alias Peter Strauss seinen schwarzen Freund.

Von Michael Mann wurde dieser Streifen fürs Fernsehen inszeniert, dann aber wird "Ein Mann kämpft allein" (1979) wegen des explosiven Zuschnitts ein Kino-Knüller. Das Porträt des Einzelgängers, der am Ende gerade wegen seiner moralischen Haltung disqualifiziert wird, hat eine nahe formale und ethische Verwandtschaft mit Tony Richardsons "Die Einsamkeit des Langstreckenläufers" (1962): Der Disqualifizierte läuft zum Spaß weiter, nur für die Sache selbst, nicht für Geld und Ruhm. Das Lauftraining wird zur Überlebensdisziplin.

Ausgebildet an der Universität Wisconsin und der London Film School, beginnt Michael Mann seine Karriere als Autor beim Fernsehen. Vor allem die Drehbücher zu Serien wie "Starsky & Hutch" und "Police Story" bedeuten einen solchen Erfolg, dass er bald auch als Regisseur seine Chance bekommt. Nach dem Erfolg des Fernsehfilms, der sogar noch ins Kino kommt, realisiert er 1980 als Produzent, Autor und Regisseur sein eigentliches Kinodebüt: "Der Einzelgänger". Der Film mit James Caan, Tuesday Weld und James Belushi basiert auf dem Roman "Home Invadors" von Frank Hoimer.

Der Protagonist ist ein vergleichsweise kleiner Gauner, der seine Coups als Gebrauchtwarenhändler tarnt. Doch eines Tages möchte er sich nach einem letzten großen Coup zurückziehen, sein Mädchen heiraten, ein Kind adoptieren und ein bisschen Leben genießen. Doch sein Auftraggeber, ein mächtiger Syndikatsangehöriger, macht all die Träume zunichte.

Michael Manns Filme zeigen meist Einzelgänger auf dem Weg zum kleinen Glück. Sie wollen ihr Recht, ihre Anerkennung, ein klein wenig Erfolg - mehr nicht. Das gilt auch für den Polizisten Graham in der Thomas-Harris-Verfilmung "Blutmond" (1986), der nach einem Serienkiller jagt (ein interessanter Vorläufer von Jonathan Demmes "Das Schweigen der Lämmer") und für den Fährtensucher Falkenauge in "Der letzte Mohikaner" (1992), aber auch für den Erfolgsfilm "Heat" von 1995, in dem sich Gangster und Cop, Robert De Niro und Al Pacino, beide einsame Kämpfer, gegenüberstehen.

In den USA ist Michael Mann aber vor allem durch die Fernsehserien "Miami Vice" und "Crime Story", die stilisierte Krimiserie , die im Chicago und Las Vegas der frühen 60er Jahre spielt, berühmt geworden. Während "Miami Vice" auch bei uns ein Erfolg ist, gab es verschiedene Folgen von "Crime Story" bei uns im Video-Verleih, etwa "Las Vegas Bulle" und "Spezialeinheit M.C.U.".

Weitere Filme von Michael Mann: "Die unheimliche Macht" (1983) und "Showdown in L.A." (1989). 1998 wollte Mann das ambitionierte Projekt "The Zen Differential" nach dem Roman "Count Zero" von Cyberspace-Autor William Gibson verfilmen. Doch daraus wurde nichts. 1999 folgte dann mit "The Insider" eine spannende Aufarbeitung des amerikanischen Tabak-Industrie-Skandals, 2001 die Biographie "Ali" mit Will Smith und 2004 der spannende Thriller "Collateral" mit Tom Cruise als Auftragskiller. Ebenfalls 2004 produzierte Mann das Biopic "Aviator" und 2006 drehte er den Kinofilm zur Serie "Miami Vice". Ein großer Wurf hätte der Gangsterfilm "Public Enemies" (2009) werden können, doch die eigenartige Digitalästhetik hinterlässt eine eigentümliche Leere beim Zuschauer.


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