Ken Miles (Christian Bale) ist auf der Gewinnerstraße. Aber für die ganz großen Rennen empfiehlt er sich nicht, weil er kein bequemer Teamspieler ist.
In "Le Mans 66 - Gegen jede Chance" haben Matt Damon und Christian Bale nur ein Ziel: Sie wollen den Ford-Konkurrenten Ferrari bei einem Autorennen besiegen.

Le Mans 66 - Gegen jede Chance

KINOSTART: 14.11.2019 • Drama • USA (2019) • 153 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Ford v Ferrari
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
USA
Laufzeit
153 Minuten

Filmkritik

Mann gegen Maschine
Von Peter Osteried

Christian Bale und Matt Damon nehmen es in James Mangolds "Le Mans 66 – Gegen jede Chance" mit einem Giganten des Rennsports auf: Mit einem Ford wollen sie Ferrari beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans vom Thron stoßen.

"Le Mans 66: Gegen jede Chance" erzählt vordergründig eine Geschichte aus dem Rennsport. Eigentlich geht es in dem Film von James Mangold aber um Männlichkeit und verletzten Stolz. Anfang der 60er-Jahre will Henry Ford II., Enkel des legendären Firmengründers der Ford Motor Company, den Konkurrenten Ferrari kaufen. Enzo Ferrari aber beantwortet das Kaufangebot mit einer Reihe wüster Beleidigungen. Fortan hat Henry Ford ein neues Ziel: In seiner Ehre angegriffen, will er Ferrari im Rennsport schlagen, koste es, was es wolle. Und er pokert hoch: Ausgerechnet das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans will er für seine Firma entscheiden. Ein kühnes Unterfangen, hätte doch sicherlich niemand auch nur einen Pfifferling darauf verwettet, dass Ford, das Aushängeschild für solide Nutzfahrzeuge, den Hauch einer Chance gehabt hätte gegen die Italiener.

Ford heuert also den ehemaligen Rennfahrer und Entwickler Carroll Shelby (Matt Damon) an, der das Unmögliche möglich machen und innerhalb weniger Monate einen konkurrenzfähigen Rennwagen präsentieren soll. Das ist der eine Teil der Gleichung. Der andere ist der richtige Mann hinterm Steuer. Shelby ist klar, dass sie einen Fahrer wie Ken Miles (Christian Bale) brauchen. Aber bei Ford ist der unangepasste Mann nicht gut gelitten, und Marketing-Chef Leo Beebe (Josh Lucas) lässt nichts unversucht, um ihn loszuwerden. So muss Shelby nicht nur ein Rennen gegen die Zeit gewinnen, sondern sich auch in konzerninternen Grabenkämpfen beweisen.

Christian Bale trägt den Film

Aus dieser Prämisse braut Regisseur James Mangold ("Logan: The Wolverine") ein explosives Gemisch, das er mit Elementen der Buddy-Komödie anreichert. Hier müssen sich zwei ungleiche Gestalten wie Shelby und Miles zusammenraufen, und das vor dem Hintergrund von Miles' problematischer Familiengeschichte. Denn der hatte seiner Frau versprochen, mit den riskanten Rennen aufzuhören. Weitere gewinnbringende Elemente sind die Konkurrenz zwischen Ford und Ferrari, der Konflikt zwischen Shelby und Beebe und die persönliche Animosität, die die Figuren im Lauf des Films offenbaren. Das alles vermengt Mangold zu einem rasanten Film, der meist darüber hinwegtäuschen kann, dass seine Geschichte eigentlich in jeder Sekunde auf Nummer sicher geht.

Denn "Le Mans 66" ist im Grunde ein Sportdrama, wie man es schon dutzendfach gesehen hat. Der Film hakt streng nach Liste alle Handlungspunkte ab, indem er Shelby und Co. regelmäßig neue Hindernisse in den Weg stellt, die es auf dem Weg nach Le Mans zu überwinden gilt. Das ist alles andere als originell; die elegante Inszenierung und Bales fast schon übermenschliche Energie bringen den Film jedoch über die Ziellinie. Am lebendigsten ist er, wenn Bale hinter dem Steuer sitzt, mit dem Höhepunkt des 24-Stunden-Rennens von Le Mans. In der Rolle des britischen Rennfahrers, der sich selbst der größte Feind ist, bringt er eine unheimliche Energie in den Film ein.

Von der wird auch sein Ko-Star Matt Damon schlichtweg überrollt. Denn die Rolle des Rennfahrers ist die deutlich saftigere, während Damon als Autoentwickler Carroll Shelby eher schon Züge einer Karikatur hat. Die Ecken und Kanten, die Bales Figur auszeichnen, wurden bei der von Damon radikal abgeschliffen. Der eine steht sich mit seiner Kompromisslosigkeit ständig selbst im Weg, der andere ist das typische Beispiel eines Teamplayers.

Dabei erscheint Mangolds Films immer auch ein wenig märchenhaft, weil er mit seiner Machart das Hollywood der 60er-Jahre zitiert. Ein Werk wie der 1971 produzierte "Le Mans" mit Steve McQueen als Rennfahrer mag authentischer sein, was die Darstellung des Rennsports betrifft, Mangolds Film ist aber auf jeden Fall einschmeichelnder. Aller Vorhersehbarkeit zum Trotz fühlt man sich gut unterhalten. Weil Mangolds Werk eben auch von großen Träumen erzählt und versichert, dass man alles schaffen kann, wenn man es nur genug will.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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