Der Papagei Polynesia ist Dolittle (Robert Downey Jr.) ein treuer Begleiter.
In "Die fantastische Reise des Dr. Dolittle" schlüpft Robert Downey Jr. in die Rolle des exzentrischen Arztes.

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

KINOSTART: 30.01.2020 • Komödie • Vereinigte Staaten von Amerika (2019)
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Dolittle
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
Vereinigte Staaten von Amerika

Filmkritik

Der Doktor und das schräge Vieh
von Diemuth Schmidt

"Die fantastische Reise des Dr. Dolittle" lässt Hollywoodstar Robert Downey Jr. mit Tieren sprechen und bunte Abenteuer in exotischer Kulisse erleben. Leider ist die Neuverfilmung des britischen Kinderbuchs kaum besser als einst die Filme mit Eddie Murphy.

Rund 20 Jahre sind vergangen, seit Quasselstrippe Eddie Murphy in den zwei "Dr. Dolittle"-Filmen den Arzt, der mit Tieren sprechen kann, gespielt hat. Und, ehrlich gesagt: Vermisst hat man die Figur kaum. Für "Die fantastische Reise des Dr. Dolittle" wurde sie dennoch zu neuem Leben erweckt. Robert Downey Jr. lehnt sich mit seiner Verkörperung des schrägen Mediziners nun mehr am literarischen Original an, das der Autor Hugh Lofting einst in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges erfand. Das erste "Dr. Dolittle"-Buch erschien 1920, zwei Jahre später folgte der Band "The Voyages of Doctor Dolittle", der dem neuen Film nun einige Inspirationen sowie einen kindlichen Sidekick für die Hauptfigur liefert. Ansonsten setzt das Werk seine Segel in Richtung aufwendiger Abenteuerfilm mit vielen Gags, nicht jedoch ohne teilweise Schiffbruch zu erleiden.

Ein hübsch animierter Prolog führt in Dolittles Geschichte ein und erzählt, warum sich der Arzt seit sieben Jahren aus der viktorianischen Welt Englands zurückgezogen hat. Er lebt mit seinen Tieren verschanzt hinter den hohen Mauern seines Anwesens und lässt keinen Menschen an sich heran. Zwei Vertretern der menschlichen Spezies gelingt dies aber doch.

Der eine ist der junge, tierliebende Stubbins (Harry Collett), der aus einer Jägerfamilie stammt, was allerdings keineswegs bedeutet, dass er gut zielen kann: Bei einer Entenjagd, zu der er genötigt wird, erwischt er versehentlich ein Eichhörnchen und hofft nun, dass Dolittle es retten kann. Die Hilfe des begnadeten Arztes benötigt auch Rose (Carmel Laniado), die vom Hofe der jungen Königin Victoria (Jessie Buckley) zu Dolittle kommt und berichtet, dass die Monarchin im Sterben liege. Mit einem schlagenden Argument kann sie den verlotterten und zynischen Doktor – und vor allem seine Tiere – aufrütteln: Stirbt Victoria, verliert Dolittle sein Anwesen.

Der Zausel begibt sich also mit tierischem Gefolge an den Hof und stellt fest, dass Viktoria vergiftet wurde und nur die sagenumwobene Frucht des Edenbaums, der sich auf einer geheimnisvollen Insel in den Tropen befindet, sie retten kann. Mit Stubbins als seinem Lehrling und den Tieren als Helfern macht sich Dolittle auf eine Reise, die ihn auch mit dem Verlust seiner geliebten Frau konfrontieren wird.

Kaum verlässt Dolittle sein Anwesen, setzen die Macher um Regisseur Stephen Gaghan ("Syriana") auf eine Story mit reichlich Tempo. Das beginnt schon mit dem wilden Ritt des Arztes auf einem Vogel Strauß. Dann wird das Segelschiff bestiegen, und die Mensch-Tier-Crew gerät von einem Abenteuer ins nächste. Hier fährt "Die fantastische Reise des Dr. Dolittle" alles auf, was das Genre zu bieten hat: einen Angriff auf See mit Kanonen, eine gefährliche Szene unter Wasser, eine Insel voller Schätze. Viel zu schauen gibt es dabei auf jeden Fall, auch wenn nicht jede Szene so gelungen Spannung aufbauen kann wie das Anschirren eines Wals als Außenbordmotor von Dolittles Schiff.

Das passiert alles so schnell, dass wenig Zeit ist für Tiefgang und Nähe zu den Figuren. Die Interaktion der Tiere untereinander spielt sich auf einem oberflächlichen, zum Teil aber durchaus witzigen Sprücheklopf-Niveau ab. Lediglich die Szenen, in den Robert Downey Jr. alias Dolittle an seine verstorbene Frau denkt, rühren für kurze Momente. Auch Antonio Banderas als Herrscher über die Verbrecherinsel ist ein seltenes Highlight in diesem Film. Denn Banderas schafft es, dieser kleinen Rolle immerhin etwas Größe zu verleihen. Hauptdarsteller Downey Jr. kehrt dagegen immer wieder schnell zu einer sehr clownesken Darstellung des Exzentrikers Dr. Dolittle zurück.

"Die fantastische Reise des Dr. Dolittle" ist vor allem ein Film für sehr junge Zuschauer. Der Papagei Polynesia etwa hat mit seiner Klugheit und seiner Eigensinnigkeit das Zeug, zum Liebling der Kleinen zu werden; auch, weil er im Gegensatz zu manch anderem Tier real wirkt. Angesichts von angeblich 175 Millionen US-Dollar Produktionskosten fragt man sich nämlich, warum so mancher der großen Vierbeiner, wie etwa der ängstliche Gorilla oder der frierende Eisbär, ganz deutlich wie eingefügte Computerprodukte wirken.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Darsteller

Verkörperte häufig den "Latin lover": Antonio Banderas
Antonio Banderas
Der US-amerikanische Schauspieler und Sänger Robert Downey Jr. wurde am 4. April 1965 in New York City als Sohn des Filmemachers Robert Downey sr. geboren.
Robert Downey Jr.

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