Frida will ein Kind, hat aber keinen Samenspender: Die großartige Katrin Röver spielt die Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs entwaffnend dezent.
Es ist Zeit, Mutter zu werden: Doch das ist für eine sympathisch verpeilte Mittdreißigerin in "Dinky Sinky" gar nicht so einfach.

Dinky Sinky

KINOSTART: 08.02.2018 • Komödie • D (2016) • 95 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Dinky Sinky
Produktionsdatum
2016
Produktionsland
D
Filmstudio
BR, Nordpolaris, Lüthje Schneider Hörl Film, Hochschule für Fernsehen und Film München
Laufzeit
95 Minuten
Regie
Mareille Klein
Kamera
Laura Kansy

Filmkritik

Ein Film mit ziemlich heftigen Nachwirkungen
von Andreas Fischer

In seiner Verzweiflung bringt Tobias (Till Firit) einen Hamster mit. Putzig ist er ja, und Frida (Katrin Röver) mag Hamster auch. Eigentlich. Noch viel lieber mag sie ein eigenes Kind. Das aber will ihr Freund nicht mit ihr zeugen. Nicht mehr. Denn probiert haben es die beiden Mittdreißiger eine ganze Weile. Jetzt ist Tobias verzweifelt, weil Frida immer verzweifelter wird – und verabschiedet sich aus der Beziehung. Ein Kind muss trotzdem her, denkt Frida ... Regisseurin und Drehbuchautorin Mareille Klein schickt sie in der fabelhaften Tragikomödie "Dinky Sinky" in den Irrgarten ihrer Obsession. Einen Ausweg zu finden, ist gar nicht so einfach.

Alle ihre Freunde haben Kinder, überall sind glückliche Familien. Und Frida? Wird einfach nicht schwanger. Dabei ist ein eigenes Kind Priorität Nummer eins im Leben der Münchner Sportlehrerin. Alles, was sie denkt, fühlt, tut – alles dreht sich um ein Baby. Also plant sie den Geschlechtsverkehr strikt nach Ovulationskalender, lässt sich kistenweise Schwangerschaftstest schicken, kennt sich mit Kinderwägen besser aus als deren Hersteller. Sie hetzt ihrem Traum hinterher, ohne nach rechts zu schauen oder links zu gucken.

Spröde ist diese Frida, wirkt immer ein wenig unbeholfen und schroff: Sie stößt ihre Mitmenschen häufig vor den Kopf, ohne sich dessen bewusst zu sein. Dass Tobias geht, kann man verstehen. Dass ihr die Schülerinnen einen üblen Streich spielen, ist nicht überraschend. Man möchte ihr ein ums andere Mal zurufen: "Mädchen, bleib mal locker!" Aber genau das kann sie nicht. Gelassenheit kommt in ihrem Leben nicht vor, kommt im ganzen Film nicht vor.

Allein, anstatt Mutter zu sein

Jeder ist hier ein bisschen gefangen in seinen Wünschen und Träumen. Tobias, der kein Zuchthengst mehr sein will. Fridas Mutter (Ulrike Willenbacher), die nicht mehr allein sein will und sich deshalb im Internet einen Mann für den gemeinsamen Lebensabend organisiert. Herbert (Michael Wittenborn) heißt er und hört nicht auf, von seiner ruhmreichen Vergangenheit mit großer Karriere und vier Frauen zu erzählen.

Sie alle müssen sich neu sortieren in ihrem Leben. Allen voran Frida, die stellvertretend für eine ganze Generation Großstädterinnen leiden muss, weil ihr Lebensplan nicht funktioniert. Mit ihren 36 Jahren ist sie, anstatt Mutter zu sein und ein glückliches Leben zu führen, plötzlich ganz allein. Der Filmtitel bezieht sich darauf: Dinky steht für Double Income No Kids Yet (Doppeltes Einkommen noch keine Kinder), Sinky für die Single-Version. Und in der tickt die biologische Uhr besonders laut. Da helfen auch keine Kinderwunschkliniken oder schmierige One-Night-Stand-Versuche.

Zur Sympathieträgerin taugt Frida nicht, aber verteufeln kann man sie natürlich auch nicht. Das liegt zum einen an der umwerfenden Katrin Röver. Mit kleinen Gesten und großer Präsenz schenkt sie der so störrischen wie sensiblen Frida die Würde, die sie verdient. Zum anderen liegt es an dem mitfühlenden Drehbuch. Man merkt, dass Filmemacherin Mareille Klein im gleichen Alter wie ihre Protagonistin ist.

Das Publikum wird zum teilnehmenden Beobachter

Man merkt auch, dass sie aus dem Dokumentarfilmbereich kommt: "Dinky Sinky" ist eine Sammlung szenischer Vignetten, die so präzise beobachtet sind, dass es weh tut. Die gebürtige Kölnerin erzählt ihren ersten abendfüllenden Spielfilm in schlichten Bildern, die aus dem Leben gegriffen sind und das Publikum zum teilnehmenden Beobachter von Fridas Alltag machen. Klein ist sehr direkt, sie überhöht nichts, sie dramatisiert nichts. Diese Ehrlichkeit macht "Dinky Sinky" zu einem Film mit ziemlich heftigen Nachwirkungen – und das ist ganz großes Kino.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Weitere Darsteller
Katrin Röver Till Firit Ulrike Willenbacher Michael Wittenborn Katharina Hauter Nora Buzalka Daniel Flieger Jirka Zett Zora Thiessen Marc Benjamin Siegfried Terpoorten Janina Schauer Silke Franz Lukas Turtur Anne Haug Susanne von Medvey Katharina Pichler Jona Lüthje Art Lüthje

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