Gefesselt, aber alles andere als wehrlos: Adelaide (Lupita Nyong'o) will ihre Familie um jeden Preis vor den mörderischen Doppelgängern beschützen.
Mehr als nur ein Horrorfilm: "Wir" spielt auf sehr intelligente Weise mit den Urängsten des Menschen.

Wir

KINOSTART: 21.03.2019 • Thriller, Horror • USA (2019) • 120 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Us
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
USA
Laufzeit
120 Minuten
Regie

Filmkritik

Doppelt hält schlechter
Von Christopher Diekhaus

Nach seinem Überraschungserfolg "Get Out" legt US-Filmemacher Jordan Peele einen weiteren Horrorthriller mit sozialkritischem Unterbau vor. "Wir" ist reich an Anspielungen und lädt zum Diskutieren ein.

Bereits mit seinem ersten Spielfilm, der Horrorsatire "Get Out", (2017) landete der als Komiker bekanntgewordene Jordan Peele einen Volltreffer. Die Kritiker überschütteten den unheimlichen Streifen mit Lobeshymnen, und bei Produktionskosten von rund 4,5 Millionen Dollar spielte der Film sagenhafte 255 Millionen Dollar ein. Noch dazu durfte Regiedebütant Peele einen Oscar für sein clever arrangiertes Drehbuch entgegennehmen, das bissig und gewitzt den Rassismus in der US-Gesellschaft beleuchtet.

Angesichts dieser Superlative stiegen die Erwartungen an Peeles zweite Arbeit rasch in die Höhe. Mit "Wir" wildert der Afroamerikaner nun erneut in düsteren Gefilden und lässt es sich abermals nicht nehmen, eine scheinbar konventionelle Prämisse um sozialkritische Töne und diverse symbolische Verweise anzureichern. Seine vielen Ideen kriegt der Regisseur dabei vielleicht nicht komplett unter einen Hut. Spannend und reizvoll ist sein schräger Horrorthriller aber trotzdem.

Am Anfang steht – wie in so vielen Gänsehautfilmen – der Aufbruch einer Familie in ein Landhaus. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Gabe (Winston Duke) und ihren Kindern Zora (Shahadi Wright Joseph) und Jason (Evan Alex) will Adelaide Wilson (Lupita Nyong'o) die Ferien in der Nähe der kalifornischen Küstenstadt Santa Cruz verbringen. Schon kurz nach ihrer Ankunft beschleicht die junge Frau allerdings ein ungutes Gefühl. Die grauenhafte Erfahrung, die Adelaide als kleines Mädchen an eben diesem Ort in einem Spiegelkabinett auf einem Jahrmarkt gemacht hat, verfolgt sie bis heute. Ihre Befürchtungen verdichten sich zu handfester Panik, als in der Nacht plötzlich vier in Rot gekleidete Gestalten vor dem Anwesen der Wilsons stehen. Zum Entsetzen der Bewohner sind die ungebetenen Gäste ihnen wie aus dem Gesicht geschnitten.

Der Angriff auf das Eigenheim, in dem man sich eigentlich sicher fühlen sollte, ist eine Standardsituation des Horrorkinos. Peele verpasst ihr jedoch einen interessanten Dreh, indem er die sympathisch gezeichneten Protagonisten auf furchteinflößende Doppelgänger treffen lässt. Ein simpler, aber kluger Schachzug, der schon allein deshalb Unbehagen erzeugt, weil die Überzeugung, ein einmaliges Individuum zu sein, von einer Sekunde auf die andere ins Wanken gerät. Die Eindringlinge stellen die Identität der Wilsons infrage und wollen die Familie offenbar um jeden Preis auslöschen.

Das knisternde Gruselklima, das schon der im Jahr 1986 spielende Prolog heraufbeschwört, entlädt sich beim Einbruch in das Haus auf fulminante Weise. Die Begegnung mit den aggressiven Ebenbildern und die Fluchtversuche treiben den Puls ein ums andere Mal nach oben, ohne dass Peele dafür ständig krachende Geisterbahneffekte bemühen müsste. Besonders wirkungsvoll sind die mitunter gespenstischen Bewegungen der Kamera (verantwortlich: Mike Gioulakis), die den Nervenkitzel immer wieder befeuern. Förderlich ist freilich auch das mitreißende Spiel der in Doppelrollen agierenden Hauptdarsteller, denen das Drehbuch vollkommen gegensätzliche Darbietungen abverlangt.

Ähnlich wie in "Get Out" baut der Regisseur ständig Gags und ironische Spitzen in die Dialoge und die Handlung ein. Viele Witze funktionieren gut. Auf manche Spaßeinlagen hätte Peele allerdings verzichten können, da sie die unheimliche Stimmung vielleicht einen Tick zu sehr aufbrechen. Ungewöhnlich und ambitioniert ist zweifellos die Fülle an popkulturellen Anspielungen und gesellschaftlichen Beobachtungen, die permanent in die Geschichte einfließen. Der kreative Kopf hinter "Wir" will sein Publikum nicht nur erschrecken und zum Lachen bringen, sondern auch zum Mitdenken animieren.

Hinter der Doppelgänger-Bedrohung kommt eine rätselhafte Erzählung zum Vorschein, in der es um die tiefe Spaltung der USA, die Wut der Abgehängten und Unterdrückten und die Angst vor dem Fremden geht. Am Ende fallen zwar nicht alle Puzzleteile sauber an ihren Platz, und ein wenig bleibt die Wucht der abschließenden Wendung auf der Strecke. Jordan Peeles selbstbewusster Umgang mit den Regeln des Horrorgenres ist dennoch absolut bemerkenswert.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller
Oscar-Gewinnerin Lupita Nyong'o.
Lupita Nyong'o
Lesermeinung
Weitere Darsteller
News zu Us

Neu im kino

"Dune" ist bereits die zweite Verfilmung des legendären Science-Fiction-Romans.
Dune
Science-Fiction • 2021
prisma-Redaktion
Mit Shang-Chi steht erstmals ein asiatischer Superheld im Zentrum eines Marvel-Abenteuers.
Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings
Action • 2021
prisma-Redaktion
In vier Episoden erzählt "Doch das Böse gibt es nicht" von der Todesstrafe im Iran.
Doch das Böse gibt es nicht
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Drama trifft Thriller trifft Groteske: "Promising Young Woman" mischt verschiedene Genres zu einem grandiosen Film.
Promising Young Woman
Thriller • 2020
prisma-Redaktion
Für die Fußball-Dokumentation "Nachspiel" begleiteten die Filmemacher Christoph Hübner und Gabriele Voss ihre Protagonisten mehr als 20 Jahre lang.
Nachspiel
Dokumentarfilm • 2019
prisma-Redaktion
"Kaiserschmarrndrama" ist die siebte Verfilmung eines Rita-Falk-Krimis rund um den Niederkaltenkirchener Ermittler Eberhofer.
Kaiserschmarrndrama
Komödie • 2020
prisma-Redaktion
Vom flanierenden Werbetexter zum Verliebten und in den Abgrund: Tom Schilling spielt Erich Kästners Romanfigur Fabian aus dem Jahre 1931. Der ungewöhnliche Historienfilm lief im Wettbewerb der Berlinale und wurde von der Kritik gefeiert.
Fabian oder der Gang vor die Hunde
Drama • 2021
prisma-Redaktion
Auf ein Neues! Die Antiheldentruppe Suicide Squad bekommt nach dem verunglückten ersten Leinwandauftritt von 2016 eine Frischzellenkur verpasst.
The Suicide Squad
Action • 2021
prisma-Redaktion
"Jungle Cruise" ist ein Film für viele Geschmäcker: Neben Action und Spannung bietet der Streifen von Jaume Collet-Serra auch jede Menge Witz und eine wohldosierte Portion Romantik.
Jungle Cruise
Komödie • 2021
prisma-Redaktion
Irgendwo steht immer ein Auto rum, das gefahren werden will: "Fast & Furious 9" macht einen Trip rund um die Welt und wagt sich sogar ins All.
Fast & Furious 9
Action • 2021
prisma-Redaktion
"Minari - Wo wir Wurzeln schlagen" wurde für sechs Oscars nominiert und gewann den Preis für die beste Nebendarstellerin.
Minari
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Wie ein ehrgeiziger Unternehmer auf der Suche nach größeren beruflichen Erfolgen den Zusammenhalt seiner Familie riskiert, beleuchtet Sean Durkins Drama "The Nest - Alles zu haben ist nie genug".
The Nest - Alles zu haben ist nie genug
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Erst im Kino, einen Tag später schon bei Disney+: "Black Widow" ist zurück.
Black Widow
Action • 2020
prisma-Redaktion
"Nomadland" gewann im Frühjahr drei Oscars - als bester Film, für die beste Regie sowie für die beste Hauptdarstellerin.
Nomadland
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Godzilla und King Kong haben sich im vierten Teil der MonsterVerse-Reihe keine Nettigkeiten zu sagen.
Godzilla vs. Kong
Action • 2021
prisma-Redaktion
"Stowaway - Blinder Passagier" erzählt von einer möglicherweise bahnbrechenden Marsmission, auf der es kurz nach dem Start zu einem dramatischen Zwischenfall kommt.
Stowaway - Blinder Passagier
Science-Fiction • 2021
prisma-Redaktion
"Cats & Dogs 3 - Pfoten vereint!" setzt die Reihe, die vor 20 Jahren ihren Anfang nahm, fort.
Cats & Dogs 3 - Pfoten vereint!
Komödie • 2020
prisma-Redaktion
Trotz hochkarätiger Besetzung erreicht "A Quiet Place 2" nie die Intensität des viel gelobten Vorgängers von 2018.
A Quiet Place 2
Thriller • 2019
prisma-Redaktion
"Wonder Woman 1984" war zunächst nur bei Sky zu sehen und kommt nun auch in die Kinos.
Wonder Woman 1984
Action • 2020
prisma-Redaktion
In "Mortal Kombat" geht es äußerst brutal zur Sache.
Mortal Kombat
Action • 2021
prisma-Redaktion
In der Neuverfilmung von "Hexen hexen" verbreitet Anne Hathaway als Oberhexe Angst und Schrecken.
Hexen hexen
Komödie • 2020
prisma-Redaktion
"Und morgen die ganze Welt" erzählt von einer jungen Studentin, die sich der Antifa anschließt.
Und morgen die ganze Welt
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Nina Hoss kümmert sich als "Schwesterlein" um ihren todkranken Filmbruder Lars Eidinger - kann aber weder den Krebs noch die Klischees besiegen.
Schwesterlein
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Der Held der Kinderzimmer erobert die große Leinwand: "Yakari - Der Kinofilm".
Yakari - Der Kinofilm
Animationsfilm • 2020
prisma-Redaktion
Was einst im Wald rund um das Provinznest Stainbach geschah, raubt einer Mutter und ihrer Tochter noch Jahrzehnte später den Schlaf.
Schlaf
Drama • 2020
prisma-Redaktion
"Blumhouse's Der Hexenclub" ist die Fortsetzung von "Der Hexenclub" aus dem Jahr 1996.
Blumhouse's Der Hexenclub
Horror • 2020
"Greenland" ist ein spannender Katastrophenfilm, in dem nicht nur ein Komet, sondern auch die Menschen zur Gefahr werden.
Greenland
Thriller • 2020
prisma-Redaktion
"Kajillionaire" ist der dritte Spielfilm der US-Künstlerin Miranda July.
Kajillionaire
Drama • 2020
Moritz Bleibtreus Regiedebüt "Cortex" kommt ambitioniert daher. Der bewusst verwirrende, anspruchsvolle Psychothriller lässt die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit und das Leben zweier Männer verschmelzen.
Cortex
Thriller • 2020
prisma-Redaktion
"Ema" ist ein bildgewaltiger Film mit Tiefgang.
Ema
Drama • 2019
prisma-Redaktion

BELIEBTE STARS