Ein 60 Kilometer großer Meteorit rast auf die Erde zu. In acht Tagen ist zumindest in Europa alles vorbei. Längst sind die Grenzen dicht. Wenige Privilegierte hoffen noch auf eine Ausreise nach Amerika oder versuchen, einen der wenigen Bunkerplätze zu ergattern.

Die Mini-Serie "8 Tage" (ab Freitag, 1. März, 20.15 Uhr, Sky 1 oder zeitunabhängig bei Sky Go und Sky Ticket) schickt seinen deutschen Star-Cast nicht nur in ein beklemmendes Gedanken-Experiment, sondern überzeugt auch mit starken Bildern. Von den etwas holprigen Action-Sequenzen in Folge eins, die eine aus Christiane PaulMark Waschke und zwei Kindern bestehende Familie auf der Flucht gen Osten zeigt, sollte man sich nicht abschrecken lassen. Was anfangs wie Roland Emmerichs Hollywood für Arme wirkt, entwickelt über acht Folgen einen durchaus veritablen Endzeit-Sog.

Als im Juni 2017 die Dreharbeiten zur deutschen Sky-Serie "8 Tage" begannen, wusste man aufgrund des umrissenen Plots noch nicht so recht, auf was man einstellen können würde: europäisch-philosophische Arthouse-Endzeit à la Lars von Triers "Melancholia" oder doch eher Hollywood-Action im Pantoffelkino-Format. Die Antwort lautet: eine gelungene Mischung, irgend etwas dazwischen.

Das von Christiane Paul und Mark Waschke gespielte Akademiker-Ehepaar will sich mit seinen beiden Kindern gen Osten durchschlagen. Schaffen sie es mithilfe von Schleppern über die streng bewachten Grenzen? Ein Mitarbeiter des kollabierenden Berliner Regierungsapparats (Fabian Hinrichs) und seine hochschwangere Freundin (Nora von Waldstätten) hoffen auf einen der letzten Flieger gen USA. Ein Baustoffunternehmer (Devid Striesow) glaubt, dass sein akribisch geplanter Bunker das eigene Leben und jenes seiner halbwüchsigen Tochter retten wird. Während ein Polizist (Murathan Murslu) versucht, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, will ein alter Mann (Henry Hübchen) vor dem Untergang noch den verpassten Lebenstraum nachholen.

Das Leben aller "8 Tage"-Protagonisten ist durch verwandtschaftliche oder andere Beziehungen miteinander verknüpft. Mit jeder Folge der Serie steigert sich die Spannung. Nicht nur, weil der Komet am Himmel immernäher kommt. Auch das Beziehungsgeflecht der Protagonisten wird zunehmend komplex, während Handlungen und Motive der Todgeweihten keineswegs vorhersehbar abgespult werden, so wie es das Lehrbuch des klassischen Katastrophenfilms gerne einmal vorsieht. "8 Tage" ist durchaus eine moderne Serie zwischen Endzeit-Psychologie, dunklen Untergangsbildern und erfreulicher Anpack-Action.

"Das Konzept der Serie ist klar und unverkopft", sagt Showrunner Rafael Parente von der jungen Münchener Produktionsfirma Neue Super ("Hindafing"). "Es bietet gleichzeitig viel Raum für emotionale Konflikte, packende Handlung sowie einen gesellschaftspolitischen Diskurs. Es geht um das Ausbrechen des Individuums aus einer gesellschaftlichen Struktur, um die Neuordnung der Gemeinschaft und der Familie als ihr kleinstes Fragment, und wurde so noch nie als TV-Serie realisiert."

Nach drei neuen deutschen Serien, die Sky seinem Publikum in Nachfolge des Mega-Projektes "Babylon Berlin" vorsetzte, darf man ein erstes Fazit ziehen: Die Erweiterung des Portfolios hat sich gelohnt. "Das Boot" ist solide, wenn auch etwas konventionell geratene Weltkriegskost, die jedoch als Marke erfolgreich im Ausland "performt". Das deutsch-österreichische Produkt "Der Pass" ist exzellent geschriebenes und gespieltes Thriller-TV mit großen Schauwert. Und "8 Tage"? Fügt dem momentan populären Genre düsterer Zukunftsstoffe eine stimmungsvoll existenzialistische, aber auch optisch überzeugende Variante hinzu.

Gerade der Umstand, dass "8 Tage" aus Deutschland kommt und in und um Berlin herum spielt, verleiht der Serie eine besonders beklemmende Atmosphäre: Der Weltuntergang findet auch hier statt, nicht nur in Amerika! Früher trauten sich nur RTL-Eventfilme an Plots wie diesen heran. Sie waren qualitativ aber so albern, dass sich wohl nur jene Zuschauer vor dem Ende gefürchtet hätten, die ohnehin um 20.15 Uhr im Bett sein mussten. Sky 1 zeigt die ersten beiden Episoden "8 Tage" in Doppelfolgen. Die Folgen drei bis acht gibt es dann im Wochenrhythmus, immer freitags um 21 Uhr. Wer stattdessen dem Binge-Watching zusprechen möchte, was sich bei diesem Plot empfiehlt, kann den Weltuntergang zuvor schon in geballter Form bei Sky Go und Sky Ticket abrufen, wo es alle acht Folgen bereits ab 1. März zu sehen gibt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst