Ein geteiltes Ende bringt doppelte Freude – zumindest bei den Studiobossen, die sich auf mehr Einnahmen freuen können. Man kennt das Prozedere von anderen Fantasy-Reihen. Deshalb wurde auch der letzte Roman von Suzanne Collins' "Die Tribute von Panem"-Reihe im Kino in zwei Tranchen serviert.

Der 2014 erschienene erste Teil, "Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1", wirkt dadurch in die Länge gezogen. Statt präziser Dramaturgie und perfekt gestalteten Spannungsbögen gibt es ausführliche Nahaufnahmen, große Emotionen und ausgedehnte Kamerafahrten. Man merkt, dass Regisseur Francis Lawrence den Boden für ein explosives Finale bereitete. Trotz mancher Längen ist "Mockingjay Teil 1" ein ansehnliches Werk geworden, dessen größte Stärke einmal mehr die stimmige Atmosphäre von Angst, Hilflosigkeit und Wut ist. ProSieben wiederholt den Film nun zur Primetime.

Nachdem Katniss (Jennifer Lawrence) im Vorgängerfilm "Die Tribute von Panem - Catching Fire" von den Rebellen aus der Arena befreit wurde, erwacht sie in einem Albtraum: Sie sieht, dass das Kapitol ihren Heimatdistrikt dem Erdboden gleichgemacht hat, erfährt aber auch, dass der als zerstört geltende Distrikt 13 noch existiert. Deswegen wird sie von allen Seiten bedrängt, in den Kampf zu ziehen. In der schweren Zeit soll sie den Menschen ein leuchtendes Symbol der Hoffnung sein. Wohl wissend, dass es im Bürgerkrieg keine Hoffnung geben kann.

Katniss' Freund Gale (Liam Hemsworth) spielt im Schlussdoppel eine größere Rolle und geht mutig voran im Kampf gegen die Unterdrücker. Ein bisschen Rambo-Feeling ist dabei erlaubt: Zusammen mit Katniss holt er Kampfflugzeuge mit Pfeil und Bogen vom Himmel. Derweil wird Peeta (Josh Hutcherson) vom Kapitol gefangen gehalten und von Präsident Snow (Donald Sutherland) als PR-Gesicht einer Anti-Rebellen-Kampagne ausgenutzt.

In "Mockingjay" arbeiten das Kapitol und die Rebellen gleichermaßen mit schmutzigen Tricks. Beide Seiten, und das ist das Spannende an dieser Inszenierung, manipulieren die Medien. Nur wer die Deutungshoheit über die Wahrheit hat, kann den Krieg gewinnen. Manipulation der öffentlichen Meinung und psychologische Kriegsführung gehören zum dreckigen Geschäft: Auch Katniss dreht Propagandafilme.

Neben bekannten Gesichtern wie Effie Trinket (Elizabeth Banks), Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman in einer seiner letzten Rollen) und Haymitch Abernathy (Woody Harrelson) kommen in "Mockingjay Teil 1" auch neue Figuren ins Spiel. Allen voran die Präsidentin von Distrikt 13, Alma Coin (Julianne Moore), die sich an die Spitze der Rebellion gestellt hat – aber deswegen nicht unbedingt vertrauenswürdig ist. Ganz im Gegenteil: Die Frau ist eine kalt berechnende, charismatische Führerin. Sie kontrolliert die Massen, ohne zu fragen, ob der Zweck wirklich die Mittel heiligt. Stattdessen ist sie bereit, alles und jeden zu opfern.


Quelle: teleschau – der Mediendienst