Schreibweisen


Prisma-Chefredakteur Detlef Hartlap
¿T?
Es herrscht Ruhe im Land, Frieden ist eingekehrt an der Rechtschreibfront. Ein paar Mäkler maulen noch, weil das Reformkonstrukt, das vor Jahren im Elfenbeinturm der Semantiker ersonnen wurde, nicht gänzlich eingestürzt ist, sondern Spuren hinterlässt. Überschwänglich schreibt man nun mit ä – na und? Das Doppel-S ersetzt an geeigneter Stelle das ß. Daran hat man sich spielend gewöhnt.

Das Beste freilich, die häufige Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Schreibweisen, wird vielerseits als irritierend empfunden. Da sträubt sich der deutsche Ordnungsgeist, der nach Regelung lechzt, und verkennt den Zugewinn.

Zwischen wiederfinden und wieder finden, zwischen haltmachen und Halt machen liegen Bedeutungsebenen. Eine gute Rechtschreibung sollte flexibel genug sein, solche Abstufungen deutlich zu machen.

Das schönste Deutsch wurde geschrieben, als an Duden oder Kultusministerkonferenzen nicht zu denken war. Goethe, Heine und Nietzsche schrieben nach Sinn und Verstand, nicht nach Obrigkeit.

Die nächste Reform erwächst aus der Basis, aus Internet und Handy. Sie ist längst in vollem Gange. Sprache und Schreibweisen verändern sich schneller denn je. Von Ruhe kann keine Rede sein.


Werbung