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Die aktuelle TV-Kritik | Freitag, 23. September 2011 |
| Der Hans-Hoff-Blog |
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Das wird indes zunehmend zum Problem, weil sich mit den massenkompatiblen Quizshows vornehmlich Menschen locken lassen, die sich im sonstigen Leben hauptsächlich mit Fragen wie Prostatavorsorge und Rentenbescheid befassen. Junge Menschen, und das sind beim Fernsehen bekanntlich alle unter 50 Jahren, sind damit nicht zu begeistern. Die surfen lieber im Netz und schauen sich über Facebook angesagte Videoclips bei You Tube an. Also hat WDR-Intendantin Monika Piel so etwas wie eine Jugendinitiative ausgerufen. Junge Programme müssen her, ordnete sie an. "Haben wir doch", konterten ihre so genannten Chef-Unterhalter, weil sich in der Vergangenheit in der Masse der Quizshow-Zuschauer immer auch der eine oder andere ohne Altersweitsichtigkeit ausfindig machen ließ. Die Tatsache, dass es sich dabei bisher in der Regel um Zivildienstleistende handelte, die während der Pflege mal kurz die Fernbedienung in der Hand hatten, wurde dabei weitgehend ignoriert.
Trotzdem wollte man natürlich der Chefin gehorchen, und so sind denn nun auf dem nur wenigen Menschen vertrauten Digitalablegersender Einsfestival ab und an Programme zu sehen, die das Etikett "neu" aufgedrückt bekommen.
Zum einen ist das dienstags "1Live Talk". Dort sitzt eine Frau und tut das, was sie bei der jungen WDR-Radiowelle 1Live auch immer tut. Sie redet. Sabine Heinrich heißt die Dame, und man kann sie von den Vorausscheidungen zum Eurovision Song Contest kennen, wo sie als Schatten von Matthias Opdenhövel in Erscheinung trat. Offiziell war sie Ko-Moderatorin, aber nach all dem, was sie dort absonderte, wäre es ungerecht sie so zu titulieren, weil man dann auch jeder Hotline-Warteschleife einen ähnlichen Titel zuerkennen müsste. Weil es aber wegen jahrelanger Vernachlässigung der Jugendförderung in den öffentlich-rechtlichen Sendern kaum sprachbegabte Talente am Mikrofon gibt und noch weniger weibliche, gilt Frau Heinrich als große Hoffnung. Das resultiert indes aus dem Missverständnis, dass eine gute und flexible Radiostimme auch im Fernsehen funktioniert. Also sitzt da nun die Neue und muss eine Talkshow moderieren. Das verwirrt ein bisschen, weil man doch bereit war anzunehmen, dass die ARD durch die Schwemme im Ersten bereits gesättigt sei mit Stuhlkreisen von Verbalexhibitionisten. Aber nein, auch die Jugend muss ihren Talk haben, und so räkelt sich nun auch Frau Heinrich auf unbequemen Stühlen und befragt Menschen, die sie sonst für ihre 1Live-Sendungen befragt. Sie wirkt dabei so unbedarft, so schluffig und so wenig ambitioniert, dass man sich nicht selten fragt, ob sie unter ihrem Jackett möglicherweise einen jener Behinderungsanzüge trägt, mit denen in Seminaren gelegentlich Jugendliche die Beschwernisse des Alters nachempfinden lernen. In guten Momenten kann man auf die Idee kommen, da sitze die Tochter von Christine Westermann, aber dann will man es nicht glauben: So jung und schon so tantig? Nein, das geht nicht.
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Wie der Wettbewerb der Probesendungen ausgehen wird, ist indes schon abzusehen. Im Frauensender WDR dürfte Frau Heinrich das Rennen machen und Herr Pufpaff leer ausgehen. Dabei ist sie nur keck und er frech. Aber frech darf man im WDR nicht mehr sein. Zumindest nicht, wenn man von den unfähigen Chefs, die letztlich immer noch das Sagen haben, weiter geliebt werden möchte.
Fotos: WDR/Thomas Kierok; WDR/Fotoatelier Süd
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