Am Ende das Lagerfeuer: Danny (Jannik Schümann) weiß, dass er mit Jessica (Luna Wedler) keine Zukunft hat, weil sein Leben früh enden wird.
Ach du armes Aschenputtel: Da findet in "Dem Horizont so nah" eine bodenständige 18-Jährige ihren Traumprinzen in der NRW-Provinz, aber der hat eine schmerzhafte Vergangenheit, die der jungen Liebe die Zukunft verbaut.

Dem Horizont so nah

KINOSTART: 10.10.2019 • Drama • D (2019) • 117 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Dem Horizont so nah
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
D
Filmstudio
StudioCanal, Pantaleon Films, SevenPictures Film
Laufzeit
117 Minuten
Regie
Tim Trachte
Music
Michael Kamm

Filmkritik

Liebe in Zeiten von HIV
von Andreas Fischer

Ein Mädchen, ein Prinz, die Liebe und HIV: Die Romanverfilmung "Dem Horizont so nah" erinnert von Weitem an "Das Schicksal ist ein mieser Verräter", versinkt aber hoffnungslos im Kitsch.

Wenn man "Dem Horizont so nah" Glauben schenken darf, dann war das Euskirchen des Jahres 1999 mindestens so glamourös wie New York City. Was da in der tiefsten NRW-Provinz für Hochglanz-Plakate mit Unterwäsche-Werbung rumhängen – am Times Square würden aus Neid die Lichter ausgehen. Das Beste daran ist jedoch: Das unfassbar gut aussehende Model Danny (Jannik Schümann) wohnt und arbeitet gleich um die Ecke und ist – noch unfassbarer – der netteste Kerl zwischen Euskirchen und Schleiden. Ein Typ zum Verlieben halt. Genau das macht Jessica (Luna Wedler) dann auch. Wie es sich gehört, entspringt die erste Begegnung einem Zufall, auch sonst bringt "Dem Horizont so nah" so ziemlich alles mit, was man sich von einer Hollywoodschnulze für Teenager erwartet. Nur, dass sie eben kurz vor der Eifel spielt und irgendwann einen Ausflug ins Tragische wagt.

Allein die Bildgestaltung: Regisseur Tim Trachte ("Benjamin Blümchen") hat seinen Kameramann Fabian Rösler offenbar angewiesen, alle verfügbaren Nicholas-Sparks-Filme zu studieren. Der Film ist entsprechend in breite Panoramen von güldener Pastelligkeit getaucht, ein bisschen weichgezeichnet dazu. Darauf lässt sich aufbauen, um in dem aus der Zeit gefallenen Kölner Hinterland eine allumfassende Liebesgeschichte zu erzählen.

Also wird aus der 18-jährigen Jessica und dem zwei Jahre ältere Danny ein traumhaftes Paar, das zunächst schlechter nicht zueinander passen könnte. Sie bodenständig und aus einfachen Verhältnissen, er extravagant und sehr offensichtlich bar jeder Geldsorgen. Aber weil der Dandy nett ist, findet die Liebe ihren Weg. Mehr Kitsch als in "Dem Horizont so nah" passt wirklich nicht ins Cinemascope-Format. Dabei basiert der Film auf einer wahren Geschichte, die Autorin Jessica Koch selbst erlebt und zum gleichnamigen Roman – 2016 die Nummer eins auf der "Bild"-Bestsellerliste – verarbeitet hat. Mittlerweile gibt es eine ganze Danny-Trilogie.

Eine ganze Weile plätschert "Dem Horizont so nah" belanglos vor sich hin, brav den Konventionen romantischer Aschenputteleien folgend. Das ist nicht nur ziemlich langweilig, sondern wird mit derart absurden Dialogen erzählt, dass man schreiend davonlaufen möchte. Und überhaupt: Was soll man von einem Film halten, in dem das erste Date in ein exklusives Sterne-Restaurant führt und dort schnöde Nudeln auf dem Teller landen?

Doch immer deutlicher bauen sich dunkle Wolken am Horizont auf, dem Jessica und Danny immer so nah sein möchten. Danny schleppt eine Vergangenheit voller Qualen mit sich herum, die sich in seiner Mitbewohnerin Tina (Luise Befort) personifiziert. Und seine Zukunft ist quasi nicht existent: Angesteckt durch väterlichen Missbrauch, trägt er das HI-Virus in sich. Kann eine junge Liebe das aushalten? Was sagen die Eltern dazu? Wie reagiert die Dorfclique?

Die Spannung steigt quasi mit jeder Szene: Als sich das Gewitter schließlich entlädt und die richtigen Fragen nach Verlust, Toleranz und Egoismus gestellt werden, da ist das Kind schon längst in den Brunnen gefallen. Zwar ändert der Film seinen Ton und sein Tempo, aber der Versuch, die ernsthaften Hintergründe der tragischen Love Story glaubhaft zu erzählen, misslingt gründlich. Man nimmt Jessica und Danny und auch der Handvoll grob skizzierter Randfiguren die Antworten schlicht nicht mehr ab. Die deutsche Antwort auf "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" ist "Dem Horizont so nah" wahrlich nicht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Dennis Moschitto in Fatih Akins "Der Name Murat
Kurnaz"
Denis Moschitto
Schauspieler Frederick Lau.
Frederick Lau
Stephan Kampwirth
Luna Wedler in einem blauen Kleid bei der Premiere von "22 Bahnen".
Luna Wedler
Weitere Darsteller
Jannik Schümann Luise Befort Victoria Mayer Henry Horn Kristin Hunold Marta Martin Jamie Bick Judith Paus Axel Röhrle Emil Schwarz Julia Eiber Lena Vogt Vanessa Fuchs Julia Wulf

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