Bibliothekar Stuart Goodson (Emilio Estevez, links) und der Obdachlose Big George (Che "Rhymefest" Smith) haben keine Lust mehr, dass die sozial Schwachen von der Gesellschaft ins Abseits gedrängt werden.
Emilio Estevez ist "Ein ganz gewöhnlicher Held" und glaubt, dass die Macht der Bücher die Welt verbessern kann.

Ein ganz gewöhnlicher Held

KINOSTART: 25.07.2019 • Drama • USA (2018) • 119 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Public
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
USA
Filmstudio
Hammerstone Studios, E2 Films, Cedarvale Pictures, Living the Dream Films
Laufzeit
119 Minuten
Music
Tyler Bates, Joanne Higginbottom
Kamera
Juan Miguel Azpiroz

Filmkritik

Männer, die aus der Kälte kommen
von Andreas Fischer

Die Bibliothek als letzte Bastion: Weil sie in der Winterkälte erfrieren würden, besetzen Hunderte Obdachlose eine Bücherei und legt sich in Emilio Estevez' pathetischen Sozialdrama "Ein ganz gewöhnlicher Held" mit Polizei, Politik und Medien an.

Es hat durchaus etwas Bezeichnendes, wenn ausgerechnet eine öffentliche Bibliothek zum Zentrum einer Occupy-Bewegung für mehr soziale Gerechtigkeit wird. Hier ist das Wissen der Menschheit frei zugänglich, und auch ihr Gewissen liegt hier. Das ist ja zuletzt arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Nicht nur wegen alternativer Fakten und Fake News, die im Stundentakt in die Welt getwittert werden. Wenn also aus Generalunternehmer Emilio Estevez (Drehbuch, Regie, Produktion, Hauptrolle) in einer Bücherei "Ein ganz gewöhnlicher Held" wird, dann ist das verbunden mit der Hoffnung, dass mehr Bildung den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt und soziale Gräben zuschüttet.

Den Obdachlosen in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio ist Estevez' pathetisch formuliertes Anliegen ziemlich egal. Sie wollen im Winter einfach nicht erfrieren. Jeden Tag lässt sie Stuart Goodson (Estevez) in die Bücherei, die zum sozialen Treffpunkt wird. Hier können sich die Vergessenen und Vernachlässigten aufwärmen, waschen und Kraft für die Nacht tanken. Denn abends müssen sie wieder raus in die Kälte. Bis sie eines Tages beschließen, die Bibliothek zu besetzen. Goodson ist unvermittelt mittendrin in einer Revolte, die Polizei, Politik und Medien auf den Plan ruft.

Unbestritten ist Estevez' Anliegen ein wichtiges in einer Zeit, in der nicht nur in Amerika eine soziale Verwahrlosung grassiert. Jeder ist sich selbst der Nächste, und für Solidarität mit den Schwachen sind immer die anderen zuständig. Allerdings trägt Estevez die Botschaft in seiner am Ende doch ziemlich kuschelig geratenen Generalanklage allzu offensichtlich zur Schau. John Steinbecks "Früchte des Zorns", der großartige sozialkritische Roman über die "Große Depression", muss immer wieder als Zitatgeber herhalten, jeder Konflikt ist vorhersehbar, und die handelnden Figuren sind weitestgehend profillos und erschreckend eindimensional.

Da sind die guten Bibliothekare – neben Goodson, der Sätze sagt wie "Bücher haben mir das Leben gerettet", auch seine pfiffige Kollegin Myra (Jena Malone). Da ist ein zynischer Verhandlungsführer der Polizei (Alec Baldwin), dessen Sohn in der Opioid-Krise verschollen gegangen ist. Ein unbelehrbar böswilliger Politiker (Christian Slater) steht für die Härte der Trump-Administration, eine karrieregeile TV-Reporterin (Gabrielle Union) für die mediale Unart, die Wahrheit solange zu überdehnen, bis aus nüchternen Fakten vermeintliche Sensationen werden. Lediglich Taylor Schilling ("Orange Is The New Black") als Goodsons Freundin Angela bewahrt sich eine angenehme Bodenständigkeit.

"Ein ganz gewöhnlicher Held" ist purer Sozialkitsch, zu allem Überfluss auch noch mit einem einfältigen Ende. Immerhin aber sorgt Estevez ("Dein Weg") mit seiner Kinopredigt dafür, das Obdachlose ein Gesicht bekommen und nicht mehr nur als Zahlen in der Statistik der Kältetoten auftauchen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Schon sehr früh ein vielbeschäftigter Mann: Alec Baldwin.
Alec Baldwin
Sorgte im Privatleben für einige Skandale: Christian Slater.
Christian Slater
Ebenfalls Mitglied des "Sheen-Clans": Emilio Estevez
Emilio Estevez
Erobert Hollywood: Gabrielle Union.
Gabrielle Union
Mag schwierige Rollen: Jeffrey Wright.
Jeffrey Wright
Schauspielerin Jena Malone.
Jena Malone
Weitere Darsteller
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