Wer kann genauso gut backen wie Sarah? Mimi (Celia Imrie, links) und Clarissa (Shannon Tarbet, Mitte) sind begeistert von Matthews Backkünsten. Isabella (Shelley Conn) gibt sich zunächst skeptisch.
Die romantische Tragikomödie "Love Sarah" der deutschen Regisseurin Eliza Schroeder widmet sich den Lebensgeschichten dreier Frauen, die sich durch einen tragischen Unfall finden - und gemeinsam eine Bäckerei eröffnen.

Love Sarah - Liebe ist die wichtigste Zutat

KINOSTART: 10.09.2020 • Komödie • GB (2020) • 102 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Love Sarah
Produktionsdatum
2020
Produktionsland
GB
Laufzeit
102 Minuten

Filmkritik

Mit Backwaren gegen die Trauer
Von Sarah Kohlberger

Eine Bäckerei zu eröffnen, das war Sarahs größter Traum. Nach ihrem Tod wollen drei Frauen ihren Wunsch wahr werden lassen – doch wie können sie Kunden anlocken? "Love Sarah" ist eine rührende Geschichte voller Liebe und Charme – und vor allem leckeren Köstlichkeiten.

"Love Sarah – Liebe ist die wichtigste Zutat": Bei diesem Titel denkt der ein oder andere bestimmt an typische Rosamunde-Pilcher-Kost, an ein Romantik-Drama mit viel Herzschmerz, tragischen Familienereignissen, Querelen zwischen Mann und Frau und (möglicherweise) einem Happy End. Tatsächlich verspricht der britische Film von Eliza Schroeder auch genau das. Allerdings versprüht er auch einen ganz besonderen Charme, der trotz aller Schwere ein rundum gutes Gefühl verleiht. Das liegt einerseits an der mit Leichtigkeit und ohne Kitsch erzählten Geschichte, und andererseits: an süßen Backwaren.

Denn Sarahs (Candice Brown) größter Wunsch ist es, eine Bäckerei in London zu eröffnen. Eine geeignete Immobilie haben sie und ihre beste Freundin Isabella (Shelley Conn) schon gefunden. Mit dem Schlüssel im Gepäck tritt Sarah kräftig in die Pedale, um so schnell wie möglich die Pforten der zukünftigen Bäckerei zu öffnen. Doch dann kommt alles anders: Sarah stirbt – und mit ihr scheinbar auch der Traum von der Bäckerei.

Isabella sieht keine Möglichkeit, die Bäckerei ohne Sarah zum Laufen zu bringen. Doch Sarahs jugendliche Tochter Clarissa (Shannon Tarbet) will nicht aufgeben und bittet ihre Großmutter Mimi ("Better Things"-Darstellerin Celia Imrie), die sich im Streit von ihrer Tochter getrennt hat und daher bei Isabella keinen Stein im Brett hat, um finanzielle Hilfe. Nach langer Überredungskunst seitens der Teenagerin beschließen die drei Frauen, die Bäckerei trotz allem zu eröffnen – so hätte es Sarah gewollt. Neben Clarissas Ehrgeiz, Mimis Geld und Isabellas Organisationstalent fehlt nur noch jemand, der Sarahs Backbegeisterung und -talent teilt. In Matthew (Rupert Penry-Jones), einem alten Bekannten von Isabella, scheinen sie diesen Jemand gefunden zu haben – nicht ahnend, dass er ein Geheimnis verbirgt.

Als das Geschäft anläuft, folgt aber schnell der Verdruss: Die Bäckerei ist nichts Besonderes in der Nachbarschaft, die Kundschaft kommt nicht. Eine Idee muss her, wie die Menschen angelockt werden können – und Mimi weiß auch schon, wie: Sie wollen Spezialitäten aus der ganzen Welt kreieren, die nicht nur die Leute aus der Umgebung begeistern sollen, sondern auch Menschen aus anderen Ländern.

Mit dieser Idee startet eine bewegende Geschichte voller Höhen und Tiefen – und vor allem süßer Speisen: Die detaillierten Aufnahmen der Köstlichkeiten, die eigens von Spitzenkoch Yotam Ottolenghi für den Film kreiert wurden und in die man am liebsten reinbeißen möchte, lockern die Geschichte ordentlich auf. "In 80 Backwaren um die Welt" nennen die drei Frauen ihre Idee, die nicht nur die ganze Nachbarschaft aufwühlt, sondern auch sie selbst: Durch die Erlebnisse bauen sie ganz neue Beziehungen untereinander auf, aber auch zu Männern – natürlich nicht ohne die ein oder andere typische Frau-Mann-Diskussion.

Für ihre romantische Tragikomödie setzt die deutsche Regisseurin Eliza Schroeder auf hierzulande teils unbekannte Schauspieler und auf viel Gefühl. Vor allem Sarahs Tod und die Trauer um sie zieht sich durch den ganzen Film, ebenso wie die Frage nach der Verwirklichung von Lebensträumen. Aber trotz der schweren Themen schaffte es Schroeder, mit einem leichten Mix aus Reisen, Backen und Liebesgeschichten sowohl kulinarisch als auch seelisch eine wohltuende Auszeit aus dem Alltag zu kreieren. Und am Ende hinterlässt "Love Sarah – Liebe ist die wichtigste Zutat" einfach nur ein gutes Gefühl – und Lust auf ein süßes Stück Gebäck.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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