Indonesien, 30. September 1965: Ein Teil des Militärs, der sich "Bewegung 30. September", startet einen Putschversuch gegen die Regierung in Jakarta. Der Versuch scheitert und führt zu einem der schlimmsten Massenmorde des 20. Jahrhunderts. Denn der General und spätere Diktator Suharto und ihm treu ergebene Truppen machten die Schuldigen schnell aus: die Kommunistische Partei Indonesiens habe hinter dem Putschversuch gestanden. Fortan wurden deren Anhänger quasi zu Freiwild erklärt, Soldaten und paramilitärische Hilfstruppen metzelten in der von ihnen genannten "Saison der Hackmesser" zwischen 500000 und drei Millionen Menschen dahin. Und die Schuldigen sind bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen worden ...

In seinem vielfach preisgekrönten Dokumentarfilm beschäftigt sich der US-Filmemacher Julian Oppenheimer weniger mit den Opfern, vielmehr legt er den Fokus auf die Täter, die Mörder, die bis heute ungestraft in ihrer Heimat leben und als Helden und Beschützer des Vaterlandes verehrt werden. Als der aus einer jüdischen Familie stammende Regisseur, der viele Verwandte durch den Holocaust verlor, 2001 für seinen Film "The Globalization Tapes" erstmals den Inselstaat bereiste, stieß er auf eben diese Mörder, die sich in aller Öffentlichkeit für ihre Taten noch heute feiern lassen. Einer dieser Täter ist Anwar Congo aus Medan in Nordsumatra, der einst vom Kleinkriminellen zu einem Führer der berüchtigten Todesschadronen wurde. Heute wird Anwar als Gründungsvater einer rechten Paramiliz verehrt, die aus den Todesschwadronen entstanden ist. Diese Organisation ist so mächtig, dass Minister der Regierung zu ihren Führungsgremien gehören, und sie sind rühmen sich ungeniert ihrer Taten, von Korruption über Wahlmanipulation bis hin zu ihrer Beteiligung am Genozid. Oppenheimer gewann schnell das Vertrauen von Angwar, der sich schließlich bereit erklärte, mit seinen Mörderfreunden das Erlebte als Theaterstück aufzuführen. So tänzelt er also durch Musicalnummern, tritt als Gangster in Film-Noir-Szenen auf und galoppiert als Cowboy durch die Prärie. Und kaum zu glauben: Ihr Ausflug ins Filmgeschäft wird in den Medien gefeiert und im Fernsehen diskutiert, während die Opfer bis in die Gegenwart in Angst und Schande leben müssen. So ist "The Act of Killing" ein Theater des Grauens, das den Zuschauer verstört, erschüttert und sprachlos zurücklässt.

Foto: Wolf (Neue Visionen)