Autor und Regisseur Peter Bogdanovich
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Peter Bogdanovich

Lesermeinung
Geboren
30.07.1939 in Kingston, New York, USA
Gestorben
06.01.2022 in 
Sternzeichen
Biografie

Ein Film macht ihn über Nacht berühmt, den Mann, den nur Cineasten als Kritiker und Buchautoren kannten. Der Film heißt "Die letzte Vorstellung, der Regisseur Peter Bogdanovich. Was er 1971 schildert, entspricht der Stimmung in den USA anno 1951: In der kleinen Texasstadt Anarene gibt es keine Zukunft. Im einzigen Kino mit dem prahlerischen Namen Royal flimmert zum letzten Mal ein Film über die Leinwand: Howard Hawks' "Red River", der Kinobesitzer hat sich das Leben genommen, ein kleiner Junge wird vom Lastwagen überfahren. In Korea tobt ein Krieg, in Hollywood vertreibt ein gewisser Senator McCarthy mit Hilfe von Eisenhowers Vize Richard Millhouse Nixon die besten Leute, Künstler, die man der "unamerikanischen Umtriebe" bezichtigt. Das Nachrichtenmagazin Newsweek nennt den Film schlichtweg "das bedeutendste Werk eines jungen Amerikaners seit Orson Welles' "Citizen Kane".

Der kleine Schwarzweiß-Film zählt 1971 zu den erfolgreichsten des amerikanischen Kinos, ein Jahr später wird Bogdanovichs nächster Film "Is' was, Doc?" wieder ein Publikumserfolg. Die turbulente, gut gespielte Komödie ist eine Hommage an Howard Hawks und seinen Film "Leoparden küsst man nicht". Doch so rasch der Aufstieg des Regiewunderkinds war, so schnell ist der Fall: den beiden Kinohits folgten Flops und Desaster. Die Studiotüren waren verschlossen, die Kassen nicht minder. Doch so tot dieser Bogdanovich war, so unverwüstlich blieb er.

Er drehte weiter Filme, sporadisch, unterschiedlich gut. Doch immer knüpfte er an seine alten Geschichten an. Obwohl die "Directors Company", die er 1972 mit seinen Freunden Francis Ford Coppola und William Friedkin gründete, nicht erfolgreich war, produzierte sie zwei wichtige Filme: "Paper Moon" mit Tatum O'Neal, die hier als wundervolles Kind zum Star wird, in Europa, vor allem in Deutschland ein großer Kinoerfolg und "Daisy Miller", ein wunderschöner Flop, der vor allem auf Cybill Shepherd und ihr Talent aufmerksam macht. Obwohl sie in vielen Filmen - vor allem in Martin Scorseses "Taxi Driver" spielt und erfolgreich ist, wird sie nie ein Star.

Als Sohn jugoslawischer Einwanderer lebt Bogdanovich in Kingston und absolviert neben dem College eine Schauspielausbildung bei Stella Adler. An mehreren Off-Broadway-Bühnen spielt und inszeniert er bereits mit 19 Jahren. Er wird dann bekannt als Filmkritiker, schreibt Monographien, führt das berühmte Interview mit Howard Hawks für Radio BBC und dreht die TV-Biografie "The Great Professional: Howard Hawks" (1967), der 1971 der Dokumentarfilm "Directed by John Ford" folgt. Das Schicksal dieser wunderbar komponierten Dokumentarfilms: Er darf (zunächst) öffentlich weder im Kino noch im Fernsehen aufgeführt werden, zu teuer wären die zahlreichen Filmausschnitte mit denen das Live-Gespräch unterlegt ist. 1966 wird Roger Corman auf Bogdanovich aufmerksam. Corman gibt ihm die Chance als Kameramann, Drehbuchautor, Cutter und Schauspieler (etwa in "Die wilden Engel" (1966) und - 1966) für ihn zu arbeiten. 1968 inszeniert Bogdanovich seinen ersten Film "Bewegliche Ziele" mit dem großartigen Charakterdarsteller Boris Karloff.

Bogdanovichs Abstieg bedeutet die Wiederkehr des bedeutenden Biographen. Seine Bücher über John Ford, Alfred Hitchcock, Fritz Lang und viele andere gehören zu den Standardwerken der Filmgeschichte. 1994 erscheint bei uns sein Buch "Hier spricht Orson Welles", danach schreibt er ein Buch über Schauspieler mit dem Titel "Who the hell's in it?" und er dreht weiter fürs Kino und Fernsehen. Und mit seiner wunderbaren Rückkehr nach Anarene in dem Film "Texasville" setzt er 20 Jahre später seinen Protagonisten aus "Die letzte Vorstellung" noch einmal ein Denkmal. Ein Film, in dem ein grelles Technicolor und schrille Töne die Melancholie von einst ersetzen.

Weitere Filme von Peter Bogdanovich: "Voyage To The Planet Of Prehistoric Women" (1968, unter dem Pseudonym Derek Thomas), "At Long Last Love" (1975), "Nickelodeon" (1976), "Saint Jack" (1979), "Sie haben alle gelacht" (1981), "Die Maske" (1985), "Die Unschuld der Molly" (1988), "Der Spaß beginnt" (1992), "Gefallene Engel" (1993, eine Episode der TV-Reihe), "The Thing Called Love - Die Entscheidung fürs Leben" (1993), "Der falsche Weg zum Glück" (1995), "Rescuers - Die Geschichte der Helden" (1997), "Naked City - Ein Fest für einen Killer" (1998), "Ich bin du und du bist ich" (1999) und "Cat's Meow" (2001).

Außerdem übernimmt Bogdanovich immer wieder kleine Rolle nicht nur in seinen Filmen. So ist er etwa in Filmen wie "Der Trip" (Regie: Roger Corman), "Lion's Love" (1969), "Die erste Vorstellung" (1977) von John Cassavetes, "Mr. Jealously" (1997), "Bella Mafia" (1997, TV), "Studio 54" (1998), "Coming Soon" (1999), "Rated X" (2000), als Dr. Elliot Kupferberg in der Serie "Die Sopranos" (2000/01), in "Kaltes Blut - Auf den Spuren von Truman Capote" (2005) sowie in "Marilyn Monroe - Ich möchte geliebt werden" (2010) zu sehen.

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