Von links: Richie (Bill Hader), Beverly (Jessica Chastain), Bill (James McAvoy), Eddie (James Ransone), Mike (Isaiah Mustafa) und Ben (Jay Ryan), der fast vollständige "Klub der Verlierer", trifft sich nach vielen Jahren in seiner Heimatstadt wieder.
27 Jahre nach den Ereignissen des ersten Films sucht der mörderische Clown Pennywise die Kleinstadt Derry erneut heim.

ES: Kapitel 2

KINOSTART: 05.09.2019 • Horror • USA (2019) • 170 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
It Chapter Two
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
USA
Filmstudio
New Line Cinema, Vertigo Entertainment, Double Dream, Rideback
Budget
79.000.000 USD
Einspielergebnis
473.122.525 USD
Laufzeit
170 Minuten
Regie
Andy Muschietti
Music
Benjamin Wallfisch
Kamera
Checco Varese, Brooke Palmer

Filmkritik

Gemeinsam gegen das Böse
von Christopher Diekhaus

Das Grauen ist noch nicht vorbei: 27 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils müssen die Protagonisten der Stephen-King-Verfilmung "Es" erneut gegen den mörderischen Clown antreten, den sie eigentlich bezwungen glaubten.

Damit hatten vor zwei Jahren wohl nur die wenigsten gerechnet: "Es", mit einem eher bescheidenen Budget von 35 Millionen US-Dollar gedreht, spielte weltweit rund das Zwanzigfache seiner Produktionskosten ein. Die Adaption der ersten Hälfe des Bestsellers von Stephen King wurde zum erfolgreichsten Horrorfilm aller Zeiten. Der durchschlagende Kassenerfolg von Andy Muschiettis Romanverfilmung trat, wenig überraschend, eine regelrechte Stephen-King-Manie los. Beinahe wöchentlich, so hatte es den Anschein, wurden filmische oder serielle Bearbeitungen der Werke des Horros-Großmeisters angekündigt. Erst vor wenigen Monaten lief hierzulande etwa eine neue Leinwandinterpretation seines Kultromans "Friedhof der Kuscheltiere", die jedoch die reizvollen Grundgedanken des Buches nur unzureichend einfing.

Für einige Ernüchterung dürfte auch der Nachfolger zum Überraschungshit "Es" sorgen, der dem ersten Teil leider nicht das Wasser reichen kann. Hatte Muschietti 2017 noch das Kunststück vollbracht, Coming-of-Age-Befindlichkeiten und Gruselelemente überwiegend stimmig zu verbinden, dominiert dieses Mal lärmender, sich mit der Zeit massiv abnutzender Budenzauber.

Am Ende des Vorgängers schworen sich Bill Denbrough und seine Freunde, dass sie wieder zusammenkommen würden, wenn das von ihnen besiegte Monster namens "Es" je zurückkehren sollte. 27 Jahre nach den grauenhaften Geschehnissen ist genau dies der Fall. Das meistens in der Gestalt des Clowns Pennywise (Bill Skarsgård) auftretende bösartige Wesen terrorisiert erneut die Kleinstadt Derry und tötet abermals arglose Kinder. Auf Drängen Mikes (Isaiah Mustafa), der den Ort als Einziger nicht verlassen hat, finden sich Bill (James McAvoy), Beverly (Jessica Chastain), Eddie (James Ransone), Richie (Bill Hader) und Ben (Jay Ryan) in ihrer alten Heimat ein und beschließen nach anfänglichem Zögern, Pennywise endgültig zu vernichten. Lediglich Stanley (Andy Bean) ignoriert Mikes eindringliche Bitte – und schneidet sich die Pulsadern auf.

Das in den Jahren 1988 und 1989 spielende Kapitel eins lebte vor allem von seinem ehrlichen Interesse für die Qualen und Sorgen der damals noch jungen Protagonisten, die eine verschworene Außenseiterclique bildeten. Dank starker Darstellerleistungen fesselte die Gruppendynamik, was auch über schwächere Passagen hinwegtröstete. In der Fortsetzung standen Regisseur Muschietti und Drehbuchautor Gary Dauberman nun vor der undankbaren Aufgabe, mit den erwachsenen Charakteren einen Schwung neuer Figuren einzuführen. Anders als in der Romanvorlage, wo sich King viel Zeit für deren Beschreibung nimmt, reißt der Film ihre Hintergrundgeschichten allenfalls an – trotz einer Länge von fast 170 Minuten. Das wiederum erschwert es dem Zuschauer, sofort einen Bezug zu den älter gewordenen Mitgliedern des sogenannten "Klubs der Verlierer" zu finden.

Das Gefühl von echter freundschaftlicher Verbundenheit, das dem ersten Teil ein emotionales Herz gab, regt sich in der Fortsetzung erst, als nach der Rückkehr der Gruppe nach Derry langsam Erinnerungen und Rückblenden hervorbrechen. Das Auftauchen der Heranwachsenden verleiht dem Geschehen eine ergreifende Note, steht allerdings auch sehr schnell im Dienste einer auf plakative Schocks abzielenden Nummernrevue. Die individuellen Traumata der Figuren werden noch einmal an die Oberfläche gezerrt.

Stärker als im ersten Film schaltet Muschietti dabei aber in den Geisterbahnmodus. Der Reihe nach begegnen Ben und seine Mitstreiter ihren Ängsten und den grausigen Ausprägungen des titelgebenden Monsters. Eine echte, in die Eingeweide kriechende Gruselstimmung will sich jedoch nicht einstellen, weil gefühlt alle fünf Minuten irgendeine neue verzerrte Fratze aus dem Dunkeln springt. Abwechslung sieht definitiv anders aus.

So sehr man sich über das schmucke Produktionsdesign, die hochwertigen Bilder und die weitgehend überzeugenden Spezialeffekte freuen möchte, so wenig lässt sich nach dem bombastischen, in Fantasy-Gefilde vordringenden Showdown eines leugnen: Die Bindung an die Freunde und ihr Schicksal war im ersten Teil von "Es" um einiges größer.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Macht von sich reden: James McAvoy
James McAvoy
Wurde als CIA-Agentin Maya in dem Doku-Drama "Zero Dark Thirty" bekannt: Jessica Chastain
Jessica Chastain
Autor und Regisseur Peter Bogdanovich
Peter Bogdanovich
Erfolgsautor Stephen King 2013 zu Gast bei Markus Lanz.
Stephen King
Weitere Darsteller
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