René Goscinny

"Asterix"-Erfinder René Goscinny bei der Arbeit Vergrößern
"Asterix"-Erfinder René Goscinny bei der Arbeit
René Goscinny
Geboren: 14.08.1926 in Paris, Frankreich
Gestorben: 05.11.1977 in Paris, Frankreich

Sobald er sich an seine Schreibmaschine setzte, war er im Paradies! Bevor er das erste Wort tippte, hob er die Hände in Schulterhöhe und ließ seine Finger genüßlich tanzen, als wollte er sich gleich über eine Leckerei hermachen. In diesen Momenten konnte ihn nichts mehr von seiner Arbeit ablenken! René Goscinny ist der meistgelesene französische Autor der Welt.

Von ihm angeregte Comic-Reihen wie "Asterix", "Lucky Luke", "Isnogod" und "Le Petit Nicolas" sind ein echtes Phänomen im Verlagswesen. Als Chefredakteur der Comiczeitschrift "Pilote" gab Goscinny vielen Zeichnern, die mittlerweile zu den größten zählen, eine erste Chance.

Zwar war der Comic sein Hauptausdrucksmittel, doch auch mit allen anderen Medien seines Jahrhunderts setzte er sich intensiv auseinander: Radio, Literatur, Presse, Fernsehen, Kino, Trickfilm. Mit großer Feinfühligkeit, die in allen seinen Werken deutlich wird, teilte dieser geniale Künstler mit seinen Lesern einen liebevollen und zugleich scharfsinnigen Blick auf unsere Welt.

Bei René Goscinny wird über alles gelacht, doch hinter diesem Lachen verbirgt sich eine ganze Welt: Um diese Welt zu erschließen, darf man sich nicht von der Perfektion seiner Werke leiten lassen, sondern muß nach den verborgenen Seiten dieses Mannes suchen, die wegen seiner Zurückhaltung und Schüchternheit oft im Schatten blieben.

Der Cowboy Lucky Luke wurde 1946 von dem Belgier Maurice de Bevère ("Morris") für ein belgisches Wochenmagazin geschaffen. Der Held des Wilden Westens wurde aber erst1955 so richtig populär, als René Goscinny die Stories und die Texte in den Sprechblasen produzierte.

In Deutschland erschienen die Comics 1958. Dem sympathischen Revolverhelden stehen stets sein Pferd Jolly Jumper und Rantanplan, der dümmste Hund der Welt, zur Seite. In über 60 Comics (weltweite Auflage 280 Millionen), in drei Zeichentrickfilmen, 52 TV-Folgen und mehreren mißlungenen Realverfilmungen mit Terence Hill erlebt der Mann, der schneller als sein Schatten schießt, jede Menge spannende Abenteuer. Seine Kontrahenten sind fast immer die Brüder Dalton. Seine Aufträge erledigt der schmächtige Held, der 1996 50 Jahre alt wurde, immer mit der nötigen Cleverness und mit viel Humor. Lucky Luke hat weltweit auch dank René Goscinny schon längst den Status einer Comic-Legende erreicht.

Eigentlich führt Kalif Harun al Pussah ein angenehmes Leben. Seine Untertanen in Bagdad fürchten ihn nicht, denn er ist gütig und verständnisvoll. Doch sein hinterlistiger Großwesir Isnogud bemüht sich um die Chefposition im Palast. "Ich will Kalif werden, anstelle des Kalifen!" brüllt er und macht sich gleich an sein Werk.

Seit 1962 erzählen Asterix-Schöpfer René Goscinny und der Zeichner Jean Tabary die ulkigsten Geschichten von Isnogud, dem kleinen Giftzwerg, Tunichgud und Harun al Pussah. Insgesamt 24 Werke mit den irrwitzigsten Abenteuern aus dem Morgenland sind bisher erschienen.

Doch die bekannteste Figur, die Goscinny mit entwarf, ist wohl der kleine Gallier Asterix. In mehr als 20 Comic-Abenteuern wird hier den Römern mächtig eingeheizt.

Was den Stil Goscinnys ausmacht, ist der pfiffige Witz, die dezenten Gegenwartsbezüge, Anspielungen auf Filmszenen und Personen des öffentlichen Lebens und geschickte Verflechtungen von historischen Fakten mit Fiktion. Wie sehr die Funktionalität der Geschichten von Goscinny als Texter abhing, zeigte sich, als Goscinny starb: fast alle danach erschienen Comic-Alben verloren stark an Qualität.

Sämtliche "Asterix"- und "Lucky Luke"-Filme basieren auf Ideen von Goscinny. Er schrieb das Drehbuch zu "Asterix, der Gallier" (1967). Außerdem schrieb er die Bücher zu der Realverfilmung des "Tim und Struppi"-Comics "Tintin et les oranges bleues" (1964) und zu den Pierre Tchernia-Filmen "Le Viager" (1972, mit Claude Brasseur, Michel Serrault und Gérard Depardieu) und "Les Gaspards" (1973, mit Michel Serrault, Philippe Noiret, Michel Galabru und Gérard Depardieu).

Bei den Filmen "Asterix und Kleopatra" (1968), "Lucky Luke" (1971), "Asterix erobert Rom" (1976) und "Lucky Luke: Die Ballade der Daltons" war Goscinny sowohl als Autor als auch als Regisseur tätig.


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