Guillaume Canet

Ein Typ, der seinen Charme einzusetzen weiß: Guillaume Canet Vergrößern
Ein Typ, der seinen Charme einzusetzen weiß: Guillaume Canet
Fotoquelle: Jaguar PS/shutterstock.com
Guillaume Canet
Geboren: 10.04.1973 in Boulogne Billancourt, Frankreich

Seiner charmanten Ausstrahlung und seinem bubihaften Lockenkopf erliegen nicht nur die weiblichen Fans: Fünf Jahre lang war Guillaume Canet der (Ehe-)Mann an der Seite der deutschen Schauspielerin Diane Kruger, neben der er 2005 auch gemeinsam für das Oscar-nominierte Kriegsdrama "Merry Christmas" vor der Kamera stand. Das Paar trennte sich 2006. Ein Jahr später wurde bekannt, dass er der neue Partner der Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard sei. Inzwischen hat das Traumpaar des französischen Kinos einen gemeinsamen Sohn, der im Mai 2011 - knapp zwei Monate vor der Deutschland-Premiere des gemeinsamen Filmprojektes "Kleine wahre Lügen" - zur Welt kam.

Dass der 1,80 Meter große französische Darsteller ursprünglich Jockey werden wollte, wagt man bei seiner Körperlänge gar nicht zu glauben. Doch erst eine Verletzung beendete die Karriereträume, die er diesbezüglich hatte. Dass er sich anschließend für die Schauspielerei entschied, wirkt zunächst ein wenig willkürlich. Doch wer den Schauspieler in Aktion gesehen hat, der weiß, dass es die richtige Entscheidung war. Gerade einmal 18 Jahre alt begann er eine Ausbildung an der Pariser Schauspielschule Cours Florent. Erste Schritte als Darsteller machte er - wie für die meisten Schauspielschüler üblich - auf der Theaterbühne. 1994 folgte dann seine Premiere vor der Kamera in Jean-Louis Lorenzis Fernsehfilm "La Colline aux mille enfants". Anschließend erhielt er weitere TV-Engagements, unter anderem in Robert Mazoyers "Jeanne" und in Charlotte Brandstroms Tierfilm "Ein Herz für Angel" (beide 1994). Außerdem übernahm er eine Episoden-Gastrolle in der französischen Serie "Le juge est une femme" (1995). Sein Kinodebüt gab er 1998 neben einem der ganz großen französischen Darsteller - Jean Rochefort - in Philippe Haïms Thriller "Barracuda - Vorsicht Nachbar". Ein Jahr später hatte er einen kleinen Part als Anhalter in Patrice Chéreaus Tragikomödie "Wer mich liebt, nimmt den Zug".

Den Kritikern fiel der smarte Schauspieler erstmals auf, als er an der Seite von Gérard Lanvin, Carole Bouquet und Virginie Ledoyen für Pierre Jolivets Krimidrama "Verhängnisvolles Alibi" vor der Kamera stand. Ein Auftritt, der entsprechend gewürdigt wurde: Das Remake der unvergessenen 1958er-Verfilmung des raffinierten Georges Simenon-Romans "Mit den Waffen einer Frau" brachte Guillaume Canet 1999 eine Nominierung für den César als bester Nachwuchsdarsteller ein. Die Darstellung des nach seinem Vater suchenden Saveur in der witzigen Komödie "In den Fußstapfen meines Vaters", das Spielfilm-Debüt von Rémi Waterhouse, der auch als Schriftsteller und Drehbuchautor arbeitet, brachte Guillaume eine weitere Ehrung ein. Beim Romantic Film Festival in Cabourg erhielt er den Preis als Bester Nachwuchsdarsteller. Und noch eine Auszeichnung konnte er sich in sein Regal stellen: 2000 verlieh man ihm den Jean Gabin-Preis als bester Nachwuchsschauspieler in der französischen Filmindustrie.

Mit Danny Boyles bildgewaltigem Thriller "The Beach" gelang Guillaum Canet zu Beginn des Jahrtausends der Sprung nach Hollywood. Erneut agierte er an der Seite von Virginie Ledoyen. Es folgten "Die Treue der Frauen" zusammen mit Sophie Marceau und "The Day the Ponies Come Back" (beide 2000). In Jean-Christophe Comars grandiosem Mysterythriller "Vidocq" (2001), in dem Gerard Depardieu sein Filmpartner war, konnte Guillaume Canet ebenso überzeugen, wie auch in Pierre Jolivets "Le frère du guerrier" (2002) zusammen mit Vincent Lindon. Außerdem stand er ein weiteres Mal für eine Komödie von Rémi Waterhouse vor der Kamera: "Mille millièmes, fantaisie immobilière" (2002). Es folgte seine erste Zusammenarbeit mit Marion Cotillard. In Yann Samuells Drama "Liebe mich, wenn du dich traust" übernahmen sie die Hauptrollen als Sophie und Julien. Eine wunderbare Leistung lieferte er auch in "Die wunderbare Welt des Gustave Klopp" (2004) (Originaltitel "Narco") gemeinsam mit Jean-Pierre Cassel ab.

Doch nicht nur als Akteur weiß Guillaume Canet zu überzeugen. Er arbeitet als Theaterregisseuer und lieferte mit dem kurzen Werk "Sans regrets" 1996 seine erste filmische Regiearbeit ab. Es folgte 1998 die Elf-Minuten-Story "Je taim", wofür er auch das Drehbuch schrieb. Nach der Inszenierung einer Episode der Serie "Drogenszenen" (1999) und dem Kurzfilm "J'peux pas dormir..." (2000) folgte sein erstes größeres Projekt für das er nicht nur als Regisseur, sondern auch als Drehbuchautor verantwortlich zeichnet: "Bad, Bad Things" (Originaltitel "Mon idole"), mit François Berléand und Canet-Ehefrau Diane Kruger. Direkt mit seinem ersten Spielfilm gelang ihm der Durchbruch als Langfilm-Regisseur. Außerdem brachte ihm die Geschichte um einen ehrgeizigen TV-Produzenten 2003 Nominierungen für den César und den Europäischen Filmpreis ein. 2006 folgte seine zweite großartige Spielfilm-Regiearbeit. Auch für den exzellenten Thriller "Kein Sterbenswort" schrieb er das Drehbuch und agierte nicht nur hinter der Kamera. Im Mittelpunkt der Geschichte, Canet verlegte die Handlung des 2001 erschienenen Bestsellers "Tell No One" des US-Thriller-Autoren Harlan Coben nach Frankreich und drehte ein komplex und packend inszeniertes Werk mit vielen gelungenen Plots, hervorragenden Kamerafahrten und einem prominenten Darsteller-Ensemble, steht François Cluzet als unschuldig Verfolgter.

Neben Audrey Tautou sah man Guillaume Canet 2007 in Claude Berris wortwitziger Komödie "Zusammen ist man weniger allein". Drei Jahre nach der Scheidung von Diane Kruger stand das ehemalige Ehepaar für "L'affaire Farewell" gemeinsam vor der Kamera - doch während Guillaume die Hauptrolle in Christian Carions spannendem Spionagethriller übernahm, ist die hübsche Blondine aus Algermissen lediglich als Joggerin unterwegs. Weitaus sehenswerter waren seine Schauspielkollegen Willem Dafoe, Fred Ward und Alexandra Maria Lara. In "Last Night" (2010) stellte man dem Filmbeau einmal mehr eine bildhübsche Partnerin an die Seite: die britische Schönheit Keira Knightley übernahm in Massy Tadjedins Drama die Aufgabe des weiblichen Gegenstücks.

Im gleichen Jahr folgte mit "Kleine wahre Lügen" Canets dritte Regiearbeit. Die Tragikomödie, die am 7. Juli 2011 Kinopremiere in Deutschland feierte, ist - ähnlich wie seine zwei vorrangegangen Spielfilminszenierungen - ebenfalls ein brillantes und vor allem gefühlvolles Meisterwerk. Anders als bei "Bad, Bad Things" und "Kein Sterbenswort" übernahm er diesmal aber keine Rolle vor der Kamera und konzentrierte sich voll und ganz auf die Umsetzung der sensiblen Thematik. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Guillaume Canet ist mit "Kleine wahre Lügen" (2010) ein Meisterwerk gelungen. Bei der Umsetzung der Geschichte wird deutlich, dass er ein unglaubliches Gespür für die einzelnen Figuren besitzt. Während er das bunte Panoptikum eines Universums eines Freundeskreises schildert, achtet er sorgsam auf Gruppendynamik, Vertiefung der einzelnen Charaktere und die Labilität von Freundschaft. Er wechselt gekonnt zwischen den verschiedenen Gefühlsebenen und lässt den Zuschauer mitlachen und mitleiden. Er leitet seine Darsteller gekonnt an, auch wenn Filmgrößen wie François Cluzet, Marion Cotillard oder Benoît Magimel eine solch intensive Betreuung eigentlich gar nicht nötig haben.

Weitere Filme und Serien mit Guillaume Canet: "Fils unique" (Kurzfilm, 1995), "17 ans et des poussières", "Le voyage de Pénélope", "Je m'appelle Régine", "Le cheval de coeur" (alle 1996), "Mit Herz und Degen", "La vocation d'Adrienne" (TV-Serie), "Le porteur des destins" (alle 1997), "Sentimental Education" (1998), "Trait d'union" (Kurzfilm, 1999), "J'peux pas dormir" (Kurzfilm, 2000), "Les morsures de l'aube" (2001), "Electrochoc" (2004), "Wie in der Hölle" (2005), "Un ticket pour l'espace", "La clef" (beide 2006), "Darling" (2007), "La clé du problème" (Kurzfilm), "Voyage d'affaires", "Ungleiche Brüder" (alle 2008), "Espion(s)", "Le dernier vol" (beide 2009), "Krieg der Knöpfe" (2011), "Jappeloup - Eine Legende" (2013).


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