Nicht selten zwingen sich Comic-Superhelden mit großer Freude in eng anliegende Kostüme, die oft an variantenreiche Unterwäsche-Kollektionen erinnern. Auch Dav Pilkey hat diese Beobachtung gemacht und 1997 Captain Underpants erschaffen, einen chaotischen Retter, der Bösewichten in Unterhose und einem Cape nachstellt. Seine erfolgreiche Kinderbuchreihe diente den Animationsexperten aus dem Hause DreamWorks als Vorlage für ihre neueste Spielfilmproduktion, die vielversprechend beginnt, sich aber immer mehr zu einem hysterischen Wirrwarr auswächst.

Auch wenn der Titel anderes vermuten lässt, stehen die beiden Grundschüler George und Harold, die seit dem Kindergarten dicke Freunde sind, im Mittelpunkt. Regelmäßig treffen sich die einfallsreichen Jungen in ihrem Baumhaus, wo sie voller Begeisterung an ihren selbst erdachten Comics feilen. Besonders am Herzen liegt ihnen der übereifrige Captain Underpants, den sie durch aufregende Abenteuer schicken.

In der Schule hecken George und Harold mit diebischer Freude Streiche aus, um gegen die dort herrschende Gleichförmigkeit und Langeweile zu protestieren. Ein Dorn im Auge ist ihre rebellische Ader besonders dem stets schlecht gelaunten Direktor Mr. Krupp, der eines Tages beschließt, ihre Freundschaft zu zerschlagen. George und Harold sollen fortan in getrennte Klassen gehen. Ein Schicksal, das sie vorerst jedoch abwenden können, indem sie den Schulleiter mithilfe eines Rings aus einer Müsli-Packung hypnotisieren und davon "überzeugen", Captain Underpants zu sein.

"Die Hoffnung stirbt hier"

Seinen verspielten, augenzwinkernden, mit verschiedenen Animationstechniken arbeitenden Ansatz gibt Regisseur David Soren ("Turbo - Kleine Schnecke, großer Traum") schon gleich am Anfang preis, wenn er den Zuschauer über die von George und Harold verfassten Comics in die Geschichte einführt. Die Protagonisten sind kreative, begeisterungsfähige Erzähler und Zeichner, die sich immer wieder über ihre Schöpfungen unterhalten und auf einer Metaebene ihre eigenen Erlebnisse als Teil eines Films begreifen. Verwundern muss es daher nicht, dass schon im ersten Akt ein Abspann über die Leinwand flimmert, der sich allerdings sofort als Schnellschuss erweist. Zu Ende ist ihr Abenteuer hier noch lange nicht.

Dem Grundschulalltag der Protagonisten verpassen die Macher einen plakativ-trostlosen Anstrich, wobei kleine Details wie eine Plakette mit der Aufschrift "Die Hoffnung stirbt hier" im Büro von Ordnungsfetischist Mr. Krupp die spaßfeindliche Atmosphäre auf amüsante Weise unterstreichen. Richtig Schwung bekommt der Film ab dem Moment, da sich der dauermiesepetrige Schulleiter in den tollpatschigen, wenig souveränen Superhelden verwandelt. Als er beschwingt zu ersten Rettungstaten schreitet, schätzt er viele Situationen falsch ein und sorgt damit erst recht für Chaos.

Bedauerliche Schieflage

Obwohl "Captain Underpants" auch im weiteren Verlauf witzige Eskapaden der Titelfigur zeigt, gerät die Animationskomödie mit dem plötzlichen Auftauchen des Antagonisten Professor Pipipups in eine bedauerliche Schieflage. Immer wieder macht sich das Drehbuch über den lächerlichen Namen des durchtriebenen Wissenschaftlers lustig und schwenkt damit allzu sehr in Richtung eines ermüdenden Fäkalhumors, den Soren, wenig überzeugend, durch selbstreflexive Kommentare aufzuwerten versucht. Der Bösewicht ist ein Knallfrosch samt schlichter Backstory, der das Lachen auslöschen will und dessen hyperaktives Gebaren auf den Plot übergreift.

Fahrige, laute Actionszenen bestimmen zunehmend das Geschehen, weshalb die thematischen Grundpfeiler der Geschichte – Kreativität und echte Freundschaft – zur Nebensache werden. Ärgerlich ist auch die vollkommen klischierte Zeichnung des Pipipups-Handlangers Melvin, der als oberster Schulstreber mit Brille, Fliege und altmodischem Pullover auftritt. Ein viel zu oft gesehenes Bild, das dumme Vorurteile zementiert!

Quelle: teleschau – der Mediendienst