Nach einem Überfall und einer Vergewaltigung ist bei Liv (Luise Heyer) und Malte (Maximilian Brückner) nichts mehr wie zuvor.
Regisseur Sven Taddicken erzählt in "Das schönste Paar" von zwei Menschen, die nach einer schrecklichen Tat wieder zu sich finden.

Das schönste Paar

KINOSTART: 02.05.2019 • Drama • D (2018) • 93 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Das schönste Paar
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
D
Laufzeit
93 Minuten
Music
Kamera

Filmkritik

Das Leben danach
Von Peter Osteried

Im Urlaub auf Mallorca wird ein Paar brutal überfallen. Die Täter fasst man nie – und das Leben muss weitergehen. Aber wie kann man ein solches Erlebnis hinter sich lassen, ohne daran zu zerbrechen? "Das schönste Paar" erzählt vom scheinbar Unmöglichen.

"Das schönste Paar" beginnt wie ein Schlag in die Magengrube: Malte (Maximilian Brückner) und Liv (Luise Heyer) verbringen schöne Tage auf Mallorca, haben Sex am Strand und merken nicht, dass sie dabei von drei jungen Männern beobachtet werden. Als sie wieder in ihre Finca gehen, werden sie von den Männern überfallen. Malte versucht die Situation zu entschärfen. Er bietet Geld an. Ihre Handys. Die Kamera. Aber das reicht nicht. Einer der Männer vergewaltigt Liv, während die anderen Malte festhalten.

Zwei Jahre später versuchen Malte und Liv noch immer, über das traumatische Ereignis wegzukommen. Sie saßen zusammen in der Scheiße, wie Liv einmal recht trocken erklärt, aber sie hat ihm nie Vorwürfe gemacht. Er sich selbst aber schon, weil er nicht in der Lage war, seine Frau zu beschützen. Seitdem boxt er, während Liv in der Therapie gelernt hat, mit dem Geschehenen umzugehen. Sie hat dem Täter vergeben, um weitermachen zu können, doch Malte kann das nicht. Erst recht nicht, als er dem Vergewaltiger zufällig über den Weg läuft.

Der Ansatz, den Regisseur Sven Taddicken ("Gleißendes Glück") mit "Das schönste Paar" verfolgt, ist interessant: Er spielt mit den Formeln des Rache-Kinos, lädt diese aber mit einem dramatischen Unterbau auf und legt dafür ein realistisches Fundament. Denn der Täter ist nicht das Böse in Reinkultur und Malte kein Charles-Bronson-Verschnitt, der den Schänder seiner Frau zur Strecke bringt. Es gibt Gewalt, aber sie ist nicht ästhetisiert. Sie wirkt real, roh, hässlich. Das zeigt sich schon in den ersten Minuten, als Taddicken gewaltig die Spannung hochschraubt, später aber auch bei den Begegnungen der Opfer mit dem Täter.

Bemerkenswert ist die Beobachtung, wie das Trauma der Vergewaltigung Liv und Malte verändert hat, während sie es dennoch geschafft haben, zusammenzubleiben und sich auch eine gemeinsame Sexualität zurückzuerobern. Aber wo Liv durch Vergebung eine Form des Friedens findet, brodelt es in Malte. Weil er seiner Frau nicht helfen konnte, aber auch, weil er im Grunde selbst Opfer dieser Vergewaltigung wurde. Dass er zusehen musste, was man seiner Freundin antat, kam einer Entmannung gleich. Ein Zustand, der an ihm nagt und den er nicht einfach abschütteln kann. "Das schönste Paar" dringt tief in die Psychologie der beiden Hauptfiguren ein, lässt den Täter aber weitestgehend außen vor. In einem der erschütterndsten Momente des Films erfährt man jedoch, wieso er getan hat, was er getan hat. Das Erschreckende dabei ist die Profanität.

Der zurückhaltend erzählte Film lebt davon, dass er die unterschiedliche Auswirkung eines traumatischen Erlebnisses auf die männliche und die weibliche Psyche in den Fokus rückt, aber auch vom mal zurückhaltenden, dann wieder brodelnden Spiel der beiden Hauptdarsteller Maximilian Brückner und Louise Heyer.

"Das schönste Paar" läuft konsequent auf ein Ende zu, das keine Katharsis mit sich bringen kann – weder für die Opfer noch für den Täter. Am Ende ist man unschlüssig, wie das Leben weitergehen soll, aber irgendwie muss es das ja. Der Film erzählt nicht alles aus, er endet, wie er begonnen hat: mit einem emotionalen Moment, nach dem nichts mehr ist, wie es war.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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