Leo (Alexander Fehling) lernt durch eine falsch zugestellte E-Mail zufällig Emma kennen.
Trotz namhafter Besetzung erreicht das Liebesdrama "Gut gegen Nordwind" erst spät eine emotionale Intensität, die den Zuschauer mitreißt.

Gut gegen Nordwind

KINOSTART: 12.09.2019 • Drama • D (2019) • 123 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Gut gegen Nordwind
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
D
Filmstudio
Komplizen Film, Erfttal Film, Deutsche Columbia Filmproduktion, ARD, Columbia Pictures, Sony Pictures International Productions
Einspielergebnis
4.846.415 USD
Laufzeit
123 Minuten
Regie
Vanessa Jopp
Music
Volker Bertelmann
Kamera
Sten Mende

Filmkritik

Das lange Warten auf das Finale
von Julian Weinberger

Regisseurin Vanessa Jopp schickt in "Gut gegen Nordwind" ihre Hauptdarsteller Nora Tschirner und Alexander Fehling durch das Auf und Ab einer virtuellen Beziehung der besonderen Art. Emotional mitreißend wird das Liebesdrama erst spät.

Mittels eines einfachen Wischs nach rechts oder links manövriert sich die Generation Internet durch unzählige Dating-Apps. Ob ernsthafte Beziehung oder unverfänglicher Spaß – Tinder & Co. versprechen, das oft so undurchdringbar scheinende Liebeslabyrinth zu entwirren und einsame Herzen zusammenzubringen. Wie so viele Facetten unseres Lebens ist längst auch die intimste Sphäre des Menschseins technologisiert. Beinahe antiquiert wirkt da die Prämisse des Liebesdramas "Gut gegen Nordwind", das den Romanbestseller von Daniel Glattauer auf die Leinwand bringt. Es erzählt von Leo (Alexander Fehling) und Emma (Nora Tschirner), die sich durch einen Tippfehler in einer E-Mail-Adresse zufällig kennenlernen und eine virtuelle Brieffreundschaft entwickeln, die ihre Leben gehörig durcheinanderwirbelt.

Leo, ein Linguistikdozent an einer Uni, weiß zwar alles über die Eigenheiten von Sprache, doch im wahren Leben scheitert er immer wieder daran, die richtigen Worte zu finden. Seine Freundin Marlene (Claudia Eisinger) lässt ihn am ausgestreckten Arm verhungern, macht erst Schluss mit ihm, um dann zurückzukommen und sich erneut aus dem Staub zu machen. Mitten in diesem Gefühlschaos erreicht Leo eine E-Mail, in der eine gewisse Emma Rothner ein Zeitungsabo kündigen will. Obwohl er der Unbekannten schnell begreiflich macht, dass ihr in der Adressatenzeile ein Fehler unterlaufen ist, entwickelt sich ein reger Schriftverkehr zwischen den beiden.

Erst von kurzen, sprachlich gewitzten Sticheleien geprägt, vertrauen sich Emma und Leo immer intimere Dinge an und tauschen sich über lang gehegte Wünsche oder die kleinen Ärgernisse des Alltags aus. Egal ob beim Kochen, Autofahren oder im Baumarkt – stets haben die beiden das Handy griffbereit, in der Hoffnung auf das erlösende "Pling" einer eingehenden Nachricht. Auf ihrer virtuellen Insel würden sie sich gegenseitig die ehrlichste Version von sich selbst präsentieren, wie Leo betont. Umso erschütterter ist er, der längst Gefühle für Emma entwickelt hat, als sie ihm gesteht, Familie zu haben und glücklich mit Bernhard (Ulrich Thomsen) verheiratet zu sein. Trotzdem kann auch Emma die Anziehung zwischen sich und Leo nicht leugnen. Als die beiden den Wunsch entwickeln, sich in der Realität zu treffen, stellt sich die Frage: Ist es das Risiko wert, die virtuellen Scheuklappen fallen zu lassen?

Regisseurin Vanessa Jopp lässt sich lange Zeit, in das Leben Leos einzutauchen. Emma hingegen bekommt erst nach einem Drittel des Films ein Gesicht. Eigentlich ein kluger Schachzug, um die Fantasie der Zuschauer anzuregen und sie auf eine ähnliche Reise mitzunehmen, wie sie Leo erlebt. Die große Überraschung bleibt jedoch aus, weil schon an der Stimme oder durch den Trailer bekannt ist, dass sich Nora Tschirner dahinter verbirgt. Außerdem tritt mit zunehmenden Verlauf des Dramas immer deutlicher hervor, dass ein guter Roman nicht auch zwangsläufig eine gute Filmadaption nach sich ziehen muss. Die beiden Hauptfiguren sitzen gefühlt die Hälfte des Films vor dem Computer oder starren auf ihr Handy, während aus dem Off eine Stimme die ausgetauschten Nachrichten vorliest. In Kombination mit den zahlreichen Nahaufnahmen und bedeutungsschwangeren Blicken in die Ferne wirken viele dieser Szenen austauschbar.

Dass "Gut gegen Nordwind" dennoch einen soliden Eindruck hinterlässt, liegt am starken letzten Drittel des Films. Erst dann gelingt es Alexander Fehling und Nora Tschirner, die emotionale Eindimensionalität aufzubrechen und den Zuschauer mit einer Intensität zu fesseln, die der restliche Film nicht erreicht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Unter weißen Segeln: Marianne Bauer (Eleonore Weisgerber, Mitte) will herausfinden, ob sie ihren untreu gewordenen Mann noch liebt und hat kurzerhand eine Luxusreise auf der "Royal Clipper" gebucht.
Eleonore Weisgerber
Moderatorin und Schauspielerin: Nora Tschirner
Nora Tschirner
Ulrich Thomsen bei der Premiere zu "The Thing".
Ulrich Thomsen
Weitere Darsteller
Alexander Fehling Ella Rumpf Claudia Eisinger Katharina Gieron Yoran Leicher Moritz Führmann Gina Henkel Anke Fünfstück

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