Problemlöser mit Problemen: Der Auftragskiller Momo (Kida Khodr Ramadan) muss sich um ein kleines Mädchen kümmern, das er von einem Tatort mitgebracht hat.
Kida Khodr Ramadan spielt einen blinden Auftragskiller im stylishen Neo-Noir-Film "Man from Beirut".

Man from Beirut

KINOSTART: 04.06.2020 • Drama • D (2019) • 86 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Man from Beirut
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
D
Filmstudio
2Pilots Filmproduction
Laufzeit
86 Minuten

Filmkritik

Jagd in Zeitlupe
von Claudia Nitsche

Ein Gangsterfilm in Schwarzweiß, mitten in Berlin: Das müsste doch eine gute Idee sein für die Auto- und Open-Air-Kinos, die "Man from Beirut" in diesen Wochen zeigen werden. Ist es auch – zumindest, was die Optik des Films betrifft.

Wenn es eine Berufsgruppe gibt, die im Kino überrepräsentiert ist, dann ist das der Auftragskiller. Und doch kommt er auf der Leinwand fast immer sehr gut weg, weil er menscheln darf unter seiner mörderischen Präzisionsschale. In "Man from Beirut" bekommt ein Schauspieler dazu die Gelegenheit, der das ohnehin sehr gut kann: Kida Khodr Ramadan, im Übrigen in der Tat ein Mann aus Beirut. Durch unzählige TV- und Kino-Produktionen wurde sein Gesicht bekannt. Mit der Berliner Clan-Serie "4 Blocks" schuf sich der 43-Jährige selbst ein Denkmal und kam zu Filmpreis-Ehren. Wer sollte also besser geeignet sein als er, um den Killer zu spielen, der ein Kind verschont und in der Folge in einen Strudel von unerwarteten Ereignissen gerät.

Ein, zwei Aufträge noch, so erklärt er zu Beginn des Films, dann sollte es das gewesen sein mit dem schmutzigen Geschäft, dem er in Berlin nachgeht. Aber so ist das ja immer, dass der berühmte letzte Auftrag schiefgeht. Zwar erschießt Momo vorschriftsmäßig zwei Zielpersonen in der Wohnung, doch das kleine Mädchen (Dunya Ramadan) bringt er mit zum Fluchtwagen zu seinem Kumpel und Verbündeten (Blerim Destani), der, wenn auch nicht der Hellste, doch ahnt, dass dieser Schachzug keiner ist, der Entspannung verspricht.

Momo ist blind. Damit hätte Regisseur Christoph Gampl eine spannende Ausgangsposition, die er aber fast komplett ignoriert. Klar, der Mann besitzt eine hohe Aufmerksamkeit und gutes Gehör, aber das hat er mit seinen sehenden Kollegen gemein. Die Besonderheit seines Berliner Straßenkillers bebildert der Regisseur nicht und verschenkt damit die Chance, sich abzuheben von anderen Geschichten des Genres. Er begnügt sich damit, "Man from Beirut" als optisch ansprechenden Neo-Noir-Film auszustaffieren. Mit kontrastreichen Schwarzweiß-Aufnahmen und einer Vorliebe für die Vogelperspektive schwebt er über den Straßen der Hauptstadt.

Die Optik überzeugt

Symmetrie, strenge Formen, kantige Kerle, das passt. Bedenkt man jedoch, dass Momo, sein sehender Kumpel und die Kleine von Anfang an auf der Flucht sind, passiert hier doch ziemlich wenig. Man schwelgt lieber. Der Killer mit Herz legt sich mächtig ins Zeug, und man wünscht der kleinen Produktion, nicht allzu sehr in Richtung "Léon - Der Profi" abzudriften, denn an Vergleichen mit diesem Meisterwerk kann man nur scheitern.

Die Kleine, dem Alter nach eigentlich noch Grundschülerin, nimmt die Situation sehr gelassen. Momo hingegen hat kein glückliches Händchen bei der Herbergswahl, und so verstirbt der Erste, der dem Mädchen Unterschlupf gewährt, umgehend. Klar findet er Ersatz und fängt an, dem Mädchen gute Ratschläge zu geben und Versprechungen zu machen, während ganz in der Nähe eine Killerin (Susanne Wuest) – natürlich "die Beste" – auf ihn angesetzt wird und die Messer wetzt.

Erzählerisch bietet "Man from Beirut" nicht viel an. Weder ist das Drehbuch ungewöhnlich noch ist es dicht erzählt. Vieles bleibt hübsche Momentaufnahme, die meisten Szenen stehen zusammenhangslos nebeneinander, und manche der zahlreichen Weisheiten des Erzählers passen in die Kategorie Stilblüte. Das alles wird nicht spannender, wenn man immer wieder durch die Straßen Berlins fährt. Optisch aber, das sei noch einmal betont, macht Christoph Gampl niemand etwas vor. Seine vielen Jahre in der Werbebranche sieht man. Und so ist diese kleine Spielerei mit Freunden und Bekannten tatsächlich eine gute Idee fürs Autokino, schön anzuschauen und inhaltlich nicht überfrachtet. Lucas Gregorowicz und Frederick Lau kamen bei der Hit-and-Run-Produktion vorbei und erfreuen mit Gastauftritten das Publikum. Dann fällt es weniger auf, dass die Jagd schon in einem arg moderaten Tempo vonstattengeht.

Man from Beirut, im Kino ab: 04.06.2020

Trailer "Man from Beirut"

Copyright: Filmwelt


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Darsteller

Kida Khodr Ramadan (links) in seiner Rolle als Ali "Toni" Hamady in der Serie "4 Blocks".
Kida Khodr Ramadan

Neu im kino

Paris Murder Mystery (2025)
Paris Murder Mystery
Drama • 2025
prisma-Redaktion
Lee Cronin's The Mummy (2026)
Lee Cronin's The Mummy
Horror • 2026
prisma-Redaktion
Kiss of the Spider Woman (2025)
Kiss of the Spider Woman
Liebesfilm • 2025
prisma-Redaktion
Der Magier im Kreml (2026)
Der Magier im Kreml
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Arco (2025)
Arco
Animation • 2025
prisma-Redaktion
How to Make a Killing – Todsicheres Erbe (2026)
How to Make a Killing – Todsicheres Erbe
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Das Drama – Noch mal auf Anfang (2026)
Das Drama – Noch mal auf Anfang
Liebesfilm • 2026
prisma-Redaktion
A Missing Part (2024)
A Missing Part
Drama • 2024
prisma-Redaktion
Der Super Mario Galaxy Film (2026)
Der Super Mario Galaxy Film
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
Horst Schlämmer sucht das Glück (2026)
Horst Schlämmer sucht das Glück
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Blue Moon (2025)
Blue Moon
Historie • 2025
prisma-Redaktion
Shelter (2026)
Shelter
Action • 2026
prisma-Redaktion
Der Astronaut – Project Hail Mary (2026)
Der Astronaut – Project Hail Mary
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
Is This Thing On? (2025)
Is This Thing On?
Komödie • 2025
prisma-Redaktion
Ein Sommer in Italien – WM 1990 (2026)
Ein Sommer in Italien – WM 1990
Dokumentarfilm • 2026
prisma-Redaktion
Good Luck, Have Fun, Don't Die (2026)
Good Luck, Have Fun, Don't Die
Action • 2026
prisma-Redaktion
The Testament of Ann Lee (2025)
The Testament of Ann Lee
Historie • 2025
prisma-Redaktion
Nouvelle Vague (2025)
Nouvelle Vague
Komödie • 2025
prisma-Redaktion
The Bride! – Es lebe die Braut (2026)
The Bride! – Es lebe die Braut
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
Hoppers (2026)
Hoppers
Animation • 2026
prisma-Redaktion
Gelbe Briefe (2026)
Gelbe Briefe
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Ein fast perfekter Antrag (2026)
Ein fast perfekter Antrag
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Marty Supreme (2025)
Marty Supreme
Drama • 2025
prisma-Redaktion
Father Mother Sister Brother (2025)
Father Mother Sister Brother
Komödie • 2025
prisma-Redaktion
Cold Storage (2026)
Cold Storage
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Dead of Winter – Eisige Stille (2025)
Dead of Winter – Eisige Stille
Thriller • 2025
prisma-Redaktion
Dust Bunny (2025)
Dust Bunny
Fantasy • 2025
prisma-Redaktion
Die Ältern (2026)
Die Ältern
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Wuthering Heights – Sturmhöhe (2026)
Wuthering Heights – Sturmhöhe
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Crime 101 (2026)
Crime 101
Krimi • 2026
prisma-Redaktion