Stephanie (Anna Kendrick, links) will einen Schnappschuss von Emily (Blake Lively) machen, doch diese verbietet ihr harsch, sie zu fotografieren.
Regisseur Paul Feig präsentiert dem Zuschauer in seiner Thriller-Komödie "Nur ein kleiner Gefallen" wieder einmal sehr interessante Frauenfiguren.

Nur ein kleiner Gefallen

KINOSTART: 08.11.2018 • Thriller • USA (2018) • 117 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
A Simple Favor
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
USA
Filmstudio
Feigco Entertainment, Bron Studios
Budget
20.000.000 USD
Einspielergebnis
97.644.617 USD
Laufzeit
117 Minuten
Regie
Paul Feig
Music
Theodore Shapiro
Kamera
John Schwartzman, Bruce Macaulay, Michael Carella

Filmkritik

Femme fatale versus Vorstadtmutti
von Gabriele Summen

Paul Feig zeigt mit seiner schwarzhumorigen Thriller-Komödie wieder einmal, dass er derzeit die interessantesten Frauenfiguren auf die Leinwand zu bannen vermag.

"Sich zu entschuldigen, ist eine beschissene, weibliche Angewohnheit." Derart vulgäre, aber wahre Töne schlägt die Femme fatale in Paul Feigs stylish-unterhaltsamem Genremix aus Psychothriller und Komödie an. "Nur ein kleiner Gefallen" beruht auf der Vorlage von Darcey Bells gleichnamigem Debütroman, der schon vor seinem Erscheinen als heißer Tipp in der Tradition von "Gone Girl – Das perfekte Opfer" und "Girl On The Train" gehandelt wurde. Feig, Experte für weibliche, von entspannt-feministischem Geist getragene Komödien, erhielt überraschenderweise den Zuschlag für die Verfilmung. Zuletzt sah sich der "Brautalarm"-Regisseur einem einmaligen Shitstorm von aufgebrachten Machos ausgesetzt, weil er das Sakrileg begangen hatte, ein Reboot von "Ghostbusters" zu drehen – mit ausschließlich weiblichen Geisterjägern in den Hauptrollen.

Unwiderstehliche Stars seines neuen Streichs sind Anna Kendrick als bieder-peinliche, aber perfekte Vorstadtmutti Stephanie Smothers – die David Lynchs "Blue Velvet" entsprungen sein könnte – und Blake Lively als geheimnisvolle Karrierefrau Emily Nelson, deren provokantes Auftreten die einsame Stephanie fasziniert.

Über ihre Kinder lernen sie sich kennen: Der Sohn der – nach dem tragischen Tod ihres Mannes – alleinerziehenden Stephanie ist ein Schulkamerad des Kindes der Mode-PR-Chefin Emily. Schon allein deren Kleidung raubt Stephanie bei der ersten Begegnung den Atem: Meist trägt die abgründige Emily ikonische Herrenanzüge zu High Heels und wirkt, auch ohne nackte Haut zu zeigen, umwerfend sexy – eine kluge Variation der klassischen Femme fatale.

Kostümbildnerin Renée Ehrlich Kalfus muss großes Lob ausgesprochen werden, sowohl der brav-bunte Vorstadtlook von Stephanie, der sich im Laufe ihrer Entwicklung ein wenig wandelt, als auch Emilys toughes Outfit unterstreichen die Charaktere vorzüglich und karikieren vergnüglich gängige Frauenklischees. Zu dieser Stimmung des Films passt der Soundtrack aus französischen Popsongs von Serge Gainsbourg über Brigitte Bardot bis hin zu France Gall ganz hervorragend.

Trotz ihrer Gegensätzlichkeit freunden sich die häufig wie ein Pferdekutscher fluchende Emily und die ulkige Stephanie an, schlürfen Martinis in Emilys Designer-Haus und erzählen sich ihre intimsten Geheimnisse. Doch eines Tages bittet Emily Stephanie um den titelgebenden Gefallen: Stephanie soll ihren Sohn von der Schule abholen. Emily bleibt von da an verschwunden. Auch deren recht blass bleibender Ehemann Sean (Henry Golding), ein von Stephanie sehr bewunderter Schriftsteller, hat keine Ahnung, wo seine Frau – die er einmal als "wunderschönen Geist" bezeichnet – stecken könnte.

Stephanie, die nebenbei einen von Kameramann John Schwartzman hübsch in Szene gesetzten Video-Blog mit Rezepten und DIY-Tipps betreibt, versucht herauszufinden, was mit Emily passiert ist. Dabei nutzt sie ihren Blog – dessen Klickzahlen in die Höhe schnellen.

Die letzten beiden Akte des Films, der nun endgültig zu einem Thriller mutiert und viele Twists und falsche Fährten bereithält, sind eindeutig schwächer als der erste Teil, wirken konstruiert. Zwar möchte man wissen, wie es weitergeht, gefesselt wie bei einem reinen Psychothriller ist man aber eher nicht. Eigentlich hätte man lieber weiter den beiden gegensätzlichen Freundinnen zugeschaut – wie sie genussvoll ihre Rollen als Femme fatale und Vorstadtmutti demontieren.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Schauspielerin Anna Kendrick.
Anna Kendrick
Ein Hingucker: Blake Lively.
Blake Lively
Nein, das ist nicht Orlando Bloom, sondern Rupert Friend.
Rupert Friend
Weitere Darsteller
Henry Golding Linda Cardellini Bashir Salahuddin Danielle Bourgon Kelly McCormack Andrew Rannells Ian Ho Joshua Satine Paul Jurewicz Roger Dunn Dustin Milligan Eric Johnson Jason Oliveira Patti Harrison Ava LaFramboise Jean Smart Sarah Baker Glenda Braganza Zach Smadu Andrew Moodie Aparna Nancherla Gia Sandhu Melissa O'Neil Jiah Mavji Lila Yee Sugenja Sri Noorin Gulamgaus Katherine Cullen Howard Hoover Ronnie Rowe Melody Johnson Corinne Conley Olivia Sandoval Nicole Peters Lauren Peters Umed Amin Jamie Jones Lesleh Donaldson Tina Legris Chris Owens Geoffrey Antoine Rosanna Scotto Lorene Stokes Stacey Coke Jung-Yul Kim Domenic Cina Julio Benitez Guardiola Debra Kaiser Carmen Araiza Michael Park Ingram Glen Brough

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