Neo (Keanu Reeves) greift auf seine besonderen Fähigkeiten zurück, um Trinity (Carrie-Anne Moss) und sich zu retten.
Werden Neo (Keanu Reeves) und die in Teil drei gestorbene Trinity (Carrie-Anne Moss) im neuen "Matrix"-Film wieder vereint?

Matrix Resurrections

KINOSTART: 23.12.2021 • Thriller • USA (2021) • 148 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Matrix Resurrections
Produktionsdatum
2021
Produktionsland
USA
Budget
190.000.000 USD
Einspielergebnis
156.497.322 USD
Laufzeit
148 Minuten

Filmkritik

Rückkehr in die Matrix
Von Christopher Diekhaus

18 Jahre nach dem Ende der "Matrix"-Trilogie kehrt Mitbegründerin Lana Wachowski in die doppelbödige Welt von Neo und Trinity zurück. Bahnbrechende neue Ideen sollte man dabei nicht erwarten. Für kurzweilige Unterhaltung reicht es dennoch.

Mit ihrem 1999 veröffentlichten Science-Fiction-Cyberpunk-Spektakel "Matrix" schufen die Regie führenden Schwestern Lana und Lilly Wachowski, die damals noch Brüder waren und Larry beziehungsweise. Andy hießen, einen modernen Klassiker. "Matrix Reloaded" und "Matrix Revolutions" komplettierten 2003 eine Trilogie, der die beiden kreativen Köpfe nichts mehr hinzufügen wollten. Alle Versuche des Studios Warner Bros., die Wachowskis zu einem weiteren Ausflug in das von ihnen geschaffene düstere Zukunftsszenario zu bewegen, scheiterten. Weshalb zwischenzeitlich sogar der Plan gefasst wurde, ein Sequel ohne die Mitarbeit der Schöpferinnen anzuschieben. 18 Jahre nach dem Ende des letzten Teils kommt nun allerdings doch ein viertes Kapitel ins Kino, bei dem Lana Wachowski die Zügel in der Hand hielt. Der Grund für den Sinneswandel: Nach dem Tod ihrer Eltern habe sie bei den von ihr geliebten Figuren aus dem "Matrix"-Kosmos Trost gefunden.

Tatsächlich ist die emotional-persönliche Note im neuen Film spürbar. Immerhin geht es in "Matrix Resurrections", anders als in den Vorgängern, nicht um die Rettung der von Maschinen versklavten Menschheit durch einen messianischen Helden. Vielmehr verengen die Regisseurin und ihre Koautoren David Mitchell und Aleksandar Hemon ihre von religiösem Geraune entschlackte Geschichte auf die Frage, ob Friedensstifter Neo (Keanu Reeves) und seine eigentlich gestorbene Freundin Trinity (Carrie-Anne Moss) eine Chance auf eine Wiedervereinigung haben.

Thomas Anderson alias Neo führt in der Fortsetzung ein eher beschauliches Leben in San Francisco, auch wenn er es als Designer der erfolgreichen Videospielreihe "Matrix" zu einiger Bekanntheit gebracht hat. Da ihn immer wieder seltsame Träume und Visionen verfolgen, befindet er sich in der Obhut eines Therapeuten (Neil Patrick Harris), der ihm hilft, zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden. Als sein Businesspartner Smith (Jonathan Groff) ihm eröffnet, dass ihr Mutterkonzern Warner Bros. ein weiteres Sequel zu der erfolgreichen Game-Saga auf den Markt werfen will, wächst Thomas' innere Unruhe.

Eines Tages tritt ihm ein gewisser Morpheus (Yahya Abdul-Mateen II) gegenüber und bietet ihm eine rote Erkenntnispille an. Thomas befindet sich, wie er erkennen muss, in einer neuen Form der "Matrix" genannten Computersimulation, die schon in den vorherigen Filmen als Werkzeug zur Kontrolle der Menschen diente. Eben dort ist er einer Vorstadtehefrau und Dreifachmutter namens Tiffany (ebenfalls Carrie-Ann Moss) begegnet, bei der es sich offenbar um Trinity handelt. Als Thomas begriffen hat, wer er wirklich ist, gibt es für ihn nur noch ein Ziel: seine große Liebe aus der Scheinwelt befreien.

"Matrix Resurrections" legt eine erstaunliche Selbstreflexivität an den Tag, kommentiert nicht nur das immer mehr auf Fortsetzungen und Remakes bauende Hollywood-Geschäft, sondern verweist auch mehrfach direkt auf die vielen Diskussionen rund um die Trilogie. Eine Brainstorming-Passage, bei der Andersons Kollegen für das gewünschte vierte Videogame zahlreiche Gedanken zusammentragen, hebt augenzwinkernd auf die unterschiedlichsten Interpretationen zu den "Matrix"-Filmen ab. Einige Einwürfe sind durchaus amüsant. Manchmal fühlen sich die Meta-Spielereien allerdings etwas selbstgefällig an.

Kurzweilige Achterbahnfahrt, aber keine Offenbarung

Parallelen zum Ursprungsteil gibt es besonders in der Darstellung des Protagonisten, der aus seiner falschen Existenz gelotst werden muss und eine ganze Weile braucht, um in den Aktionsmodus zu schalten. Dem Zuschauer, aber auch Neo selbst, vermitteln ausführliche Erklärdialoge, welche Veränderungen seit dem letzten Film stattgefunden haben. Neben vertrauten Gesichtern, zum Beispiel der von Jada Pinkett Smith verkörperten Generalin Niobe, tauchen Updates bekannter Figuren wie ein jüngerer Morpheus und ein jüngerer Smith und gänzlich neue Charaktere auf. Von den Newcomern kann sich vor allem Jessica Henwicks taffe Kapitänin Bugs in den Vordergrund spielen, die Neo mit allem, was sie hat, unterstützt.

Philosophische Fragen (Etwa: Sind wir selbstbestimmt? Oder werden wir gelenkt?), wie man sie aus den anderen Reihentiteln kennt, werden auch dieses Mal angeschnitten. Mehr als oberflächliche Überlegungen servieren uns die Macherinnen und Macher aber nicht. Trotz einer üppigen, fast zweieinhalbstündigen Laufzeit hält die Neo-Trinity-Wiedersehensmission zwar bei Laune. Raffiniert eingefädelte, nachhaltig erschütternde Wendungen bleiben allerdings aus. Selbst einer der markantesten Twists lässt sich recht treffsicher vorhersagen.

Fans optischer Kniffe und Einlagen kommen erwartungsgemäß auf ihre Kosten. Wer noch nie gesehene Bilder sucht, ist in der weniger finster präsentierten, mit kleinen Humorakzenten angereicherten Welt des Sequels jedoch fehl am Platz. Ähnliches gilt für die kompetent umgesetzten Actionszenen, die teilweise mitreißen, ohne den bewährten Rahmen zu sprengen. Keine Frage, "Matrix Resurrections" entführt das Publikum auf eine kurzweilige Achterbahnfahrt. Von der filmischen Offenbarung, die 1999 in den Kinos Gestalt annahm, ist das vierte Abenteuer aber ein ganzes Stück entfernt.

Matrix Resurrections, im Kino ab: 23.12.2021


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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