Familie Walls (von links: Sadie Sink, Charlie Shotwell, Woody Harrelson, Ella Anderson, Naomi Watts und Eden Grace Redfield) ist mal wieder umgezogen.

Schloss aus Glas

KINOSTART: 21.09.2017 • Drama • USA (2017) • 127 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Glass Castle
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
USA
Filmstudio
Lionsgate, Netter Productions, TIK Films, Waypoint Entertainment
Budget
9.000.000 USD
Einspielergebnis
9.705.840 USD
Laufzeit
127 Minuten
Regie
Destin Daniel Cretton
Music
Joel P. West
Kamera
Brett Pawlak, Sylvaine Dufaux, Jake Giles Netter

Filmkritik

Erinnerungen an eine turbulente Kindheit
von Christopher Diekhaus

Independent-Regisseur Destin Daniel Cretton hat den autobiografischen Roman "Schloss aus Glas" von Jeannette Walls mit einem prominenten Ensemble für die Leinwand adaptiert. Das Ergebnis ist solides Kino. Mehr aber auch nicht.

Ungebunden sein. Immer wieder durch die Lande ziehen. Nur selten in die Schule gehen. In ihrer Kindheit hat die Journalistin und Schriftstellerin Jeannette Walls das erlebt, wovon viele junge Menschen träumen. Gemeinsam mit ihren unangepassten Eltern und ihren drei Geschwistern war sie ständig auf Achse. Stets auf der Suche nach neuen Abenteuern. Befreit von gesellschaftlichen Zwängen. Ein Dasein, das magisch und aufregend war. Aber auch seine Schattenseiten hatte, wie Walls in ihrem 2005 veröffentlichten autobiografischen Roman "Schloss aus Glas" schildert.

Und darum geht's: Brie Larson spielt die erwachsene Autorin, die nach einer turbulenten Zeit Ende der 80er-Jahre als Klatschkolumnistin in der New Yorker High Society Fuß gefasst hat. Ihr Verlobter David (Max Greenfield) ist ein aufstrebender Finanzberater, den die junge Frau zu Geschäftsterminen begleitet, bei denen gelegentlich ihre alte ungestüme Seite hervorbricht. Als sie eines Abends im Taxi sitzt, entdeckt sie am Straßenrand ihre Eltern Rex (Woody Harrelson) und Rose Mary (Naomi Watts), zwei abgerissene Gestalten, die im Müll herumwühlen. Beschämt duckt sich Jeannette weg, kriegt die zufällige Begegnung aber nicht mehr aus dem Kopf. Immer öfter denkt sie an ihr ungewöhnliches Aufwachsen zurück und beschließt sogar, ihren Vater und ihre Mutter zu besuchen, um ihnen David vorzustellen.

Zwischen Gegenwart und Vergangenheit

Das von Cretton und Andrew Lanham verfasste Drehbuch wechselt fortlaufend zwischen Gegenwart und Vergangenheit und kontrastiert dabei, manchmal wenig subtil, zwei unterschiedliche Lebensstile. Auf der einen Seite ein mondänes, finanziell sorgloses, etwas unterkühlt wirkendes Dasein samt Luxuswohnung. Auf der anderen Seite ein entbehrungsreicher Nomadenalltag, in dem große familiäre Wärme und schier unglaubliche Vernachlässigungen nebeneinander existieren.

Bestürzung löst schon eine frühe Szene aus, in der die kleine Jeannette (Chandler Head) hungrig ist und ihre Mutter bittet, etwas zu kochen. Als leidenschaftliche Malerin interessiert sich Rose Mary jedoch nur für ihre Arbeit, die – so sagt sie allen Ernstes – nachhaltiger sei als ein Essen, das man in wenigen Minuten verschlungen habe. Die Fünfjährige stellt sich daraufhin selbst an den Herd und landet nur wenig später mit üblen Verbrennungen im Krankenhaus.

Pausenlose Geldknappheit, Rex' Alkoholsucht, sein zuweilen aufbrausendes Wesen und wiederholte Wohnortwechsel zeugen von einer großen Verantwortungslosigkeit, die Jeannette und ihren Geschwistern spürbar zusetzt. Gleichzeitig blitzt in vielen Momenten aber auch echte Zuneigung auf. Gepaart mit einem ansteckenden Freiheitsgefühl, wie man es zuletzt in der ergreifenden Tragikomödie "Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück" gesehen hat.

Rex mag ein Säufer sein, der seine Nerven nicht immer kontrollieren kann. Bewundernswert sind allerdings seine Intuition, seine Fantasie und sein breit gestreutes Wissen, das er den Kindern auf erfrischend unkonventionelle Weise vermittelt. Als Symbol für seinen ambivalenten, wankelmütigen Charakter dient das titelgebende Schloss aus Glas. Ein Gebäude, das er für seine Familie errichten will, an dessen Plänen er ständig feilt, das letztlich aber nur ein schöner Traum bleibt.

Woody Harrelson trifft den richtigen Ton

Glücklich schätzen kann sich Cretton, dass Rex von Woody Harrelson verkörpert wird, der nicht nur die dunklen Seiten der Figur glaubhaft nach außen kehrt. Auch in intimen, berührenden Szenen trifft der zweifach oscarnominierte Mime den richtigen Ton, wobei man ebenso die überzeugende Leistung von Kinderschauspielerin Chandler Head hervorheben muss.

Für ein durchgehend mitreißendes Familiendrama reicht es trotz der guten Darbietungen jedoch nicht, da der Film manchmal allzu schnell über abgründige Ereignisse hinweggeht und in der zweiten Hälfte holzschnittartiger und zu versöhnlich gerät. Etwas kantiger hätte das Drehbuch hier schon ausfallen dürfen.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Sieht gut aus und kann sogar schauspielern: Naomi Watts.
Naomi Watts
Schauspieler Woody Harrelson.
Woody Harrelson
Oscar-Preisträgerin Brie Larson.
Brie Larson
Weitere Darsteller
Max Greenfield Sarah Snook Ella Anderson Sadie Sink Robin Bartlett Chandler Head Iain Armitage Jack Haven Josh Caras Olivia Kate Rice Charlie Stowell Charlie Guyon Noemie Guyon Eden Grace Redfield Shree Troietta Crooks Dominic Bogart Joe Pingue Charlie Shotwell Alanna Bale Andrew Shaver Nathaly Thibault Kyra Harper Hamza Haq Kenny Wong Chris Gillett Darrin Baker Tyrone Benskin Sabrina Campilii Philippe Hartmann Samantha Hodhod Tessa Mossey Sarah Camacho Brenda Kamino Vlasta Vrana Sandra Flores Ross Partridge

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