War als Tatort-Kommissar nicht ganz so beliebt: Winfried Glatzeder.
Fotoquelle: Denis Makarenko/shutterstock

Winfried Glatzeder

Lesermeinung
Geboren
26.04.1945 in Zoppot bei Danzig, Polen
Alter
76 Jahre
Sternzeichen
Biografie

Der baumlange Wahlberliner, Vater u.a. von Schauspieler Robert Glatzeder ("Die Frau, die an Dr. Fabian zweifelte"), machte seit Mitte der 60er Jahre in rund 20 DEFA-Kino- und -Fernsehfilmen zunächst in der DDR Karriere. Im Westen ist der schlacksig, aber auch kantig wirkende Theater- und Filmschauspieler später häufig der Bösewicht, und seine gebrochene Nase brachte ihm den Spitznamen "Belmondo aus dem Osten" ein. Seinen filmischen Durchbruch feierte er jedoch als erfrischend-charmanter Liebhaber neben Angelica Domröse in dem DDR-Kultfilm "Die Legende von Paul und Paula" (1973) - die Geschichte eines verliebten jungen Paars, das einfallsreich und unerschrocken gegen den real existierenden Sozialismus rebelliert. Schon 1971 verkörperte Glatzeder in "Zeit der Störche" einen Arbeiter, der nicht viel für die SED-Prinzipien übrig hatte, und nicht nur wegen seiner 1,92 Meter ein wenig aus der sozialistischen Durchschnittsrolle fiel. In der Komödie "Der Mann, der nach der Oma kam" (1971) - ein DDR-Kassenschlager - quartiert sich Glatzeder als Jungakademiker Erwin Graffunda bei einer chaotischen Künstlerfamilie ein, um über die "Emanzipation der Frau" zu arbeiten.

Der Charakterdarsteller mit komödiantischer Begabung (2001 Deutschland-Tournee in "Mein Freund Harvey") stellte vergeblich mehrere Ausreisanträge. 1982 schließlich durfte Glatzeder wegen eines Theaterengagements in die Bundesrepublik übersiedeln und wurde wenig später ausgebürgert. Im Westen setzte der Schauspieler seine Karriere als gefragter TV-Mime nahtlos fort: "Rosa Luxemburg" (1985), "Vergesst Mozart" (1985), "Bali" und "Hotel Excelsior". Bekannt wurde Glatzeder vor allem durch ein Dutzend Tatort-Episoden von 1996 bis '98 als SFB-Kommissar Ernst Roiter mit seinem russisch-stämmigen Assistenten Michail Zorowski (Robinson Reichel). Doch die schnellen SFB-Produktionen mit Wackelkamera standen unter keinem guten Stern. Es hagelte Kritik, das Duo blieb blass, unrealistisch und ungeliebt.

Parallel zur Kameraarbeit spielt der Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen Babelsberg regelmäßig Theater. Von 1986 bis 1996 war er ständiger Gast am Düsseldorfer Schauspielhaus. Daneben Boulevard-Komödien (Kurfürstendam) und Gastspiele (Hamburg, Dresden, Essen). Sein erstes Bühnengagement hatte Glatzeder in Potsdam. Bis 1978 war der gelernte Maschinenbauer im Arbeiter- und Bauernstaat dann Ensemblemitglied an der Ostberliner Volksbühne. Glatzeders Rollen scheinen nicht zuletzt wegen seiner Körpergröße immer ein wenig gegen den Strich gebürstet oder durch (unfreiwillige?) Komik gebrochen. Im Kinderkrimi "Pinky und der Millionenmops" (2000) etwa spielt er den Inspektor Columbus, der wie eine Comicfigur in einem Straßenkreuzer durch Leipzig kutschiert.

Diverse Serieneinsätze, etwa in: "Der Alte" (1987, 1993, 1999), "Liebling - Kreuzberg" (1986), "Hals über Kopf" (1987), "Rivalen der Rennbahn" (1989), "Spreepiraten" (1989), "Abenteuer Airport" (1990), "Happy Holiday" (1993), "Ärzte" (1995).

Weitere Filme: "Spur des Falken" (1968), "Tecumseh" (1972), "Till Eulenspiegel" (1974), "Polizeiruf 110 - Fall ohne Zeugen" (1975), "Auftrag für M & S" (1976), "Nelken in Aspik" (1976), "Polizeiruf 110 - Vermisst wird Peter Schnok" (1977), "Trampen nach Norden" (1977), "Zünd an, es kommt die Feuerwehr" (1978), "Asta, mein Engelchen" (1980), "Didi - Der Doppelgänger" (1983), "Danger - Keine Zeit zum Sterben" (1984), "Vorsichtige Berührung" (1985), "Va Banque" (1986), "Was zu beweisen war" (1986), "Tam Tam oder Wohin die Reise geht" (1989), "Lockvögel" (1989), "Tote leben länger", "Zwischen Pankow und Zehlendorf", "Gefährliche Verführung" (alle 1990), "Gossenkind" (1991), "Tandem" (1991, mit Hannelore Hoger), "Tanz auf der Kippe" (1991), "Die Männer vom K3 - Halali für einen Jagdfreund"(1992), "Das Land hinter dem Regenbogen" (1992), "Olli in der Unterwelt" (1993), "Tatort - Jetzt und alles" (1994), "Armer Adel - Reicher Adel" (1994), "Tatort - Krokodilwächter", "Tatort - Buntes Wasser", "Tatort - Der Phönix-Deal", "Tatort - Tod im Jaguar" (alle 1996), "Tatort - Eiskalt", "Tatort - Geld oder Leben" , "Tatort - Schlüssel zum Mord", "Tatort - Mordsgeschäfte" (alle 1997), "Da Geheimnis des Sagala" (1997), "Tatort - Der zweite Mann", "Tatort - Ein Hauch von Hollywood", "Tatort - Berliner Weiße", "Tatort - Blick in den Abgrund" (alle 1998), "Die Kaukasische Nacht" (1998), "Polizeiruf 110 - Über den Dächern von Schwerin" (1999), "Sonnenallee" (1999), "Die Boxerin" (2005), "Die Flucht" (2006), "Tischlein deck dich" (2008), "Die Lebenden" (2012).

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