Friedrich von Thun

Schauspielender Adel: Friedrich von Thun Vergrößern
Schauspielender Adel: Friedrich von Thun
Friedrich Ernst Peter Paul Maria Graf von Thun und Hohenstein
Geboren: 30.06.1942 in Schloss Kwassitz, Mähren, heute Tschechische Republik

40 Jahre alt musste der Spross eines alten österreichischen Adelshauses werden, ehe in seiner Schauspieler-Karriere von einem Durchbruch gesprochen werden kann: Axel Corti besetzte die Hauptrolle der Werfel-Verfilmung "Eine blassblaue Frauenschrift" (1986) mit dem imposanten Österreicher und Wahlmünchner. Der Beginn einer beachtlichen Film- und Fernsehkarriere.

Die Figur des (unehrlichen) Beamten und Aufsteigers Leonidas Tachezy aus der Werfel-Novelle (u.a. Großer Preis Fernsehfestival Monte Carlo) trägt noch wenige Züge, mit denen Friedrich von Thun später als "Professor Capellari" (ab 1997) oder Praxis-Chef "Dr. Schwarz" (1993-95, neben "Dr. Martin" alias Senta Berger) oder als Senta Berger-Verehrer in "Liebe und weitere Katastrophen" (1998) große Popularität gewinnen sollte: ein eitel-aufrechtes Mannsbild (188 groß), das den Oberlippenbart nicht ohne Stolz trägt. Einer, der meist gesittet und charmant auftritt, integer bis honorig wirkt, aber auch Gefühle zeigt und dadurch gerne auch mal polterig ist. Zunehmend sitzt dem TV-Star einer gehörige Portion Schalk hinter den Ohren. Alles Zutaten für einen knuffigen Publikumsliebling seit "Das Erbe der Guldenburgs" (1987).

Der Weg dorthin ist nicht gerade typisch für einen echten Blaublütigen, dessen Vorfahren Riesengüter in Böhmen und Mähren besaßen. Von der Schloss-Herrlichkeit aber hat Klein-Friedrich in den Kriegsjahren kaum etwas erfahren. Die Eltern übersiedelten 1945 mit dem Dreijährigen und seinen drei Geschwistern von Mähren über Brünn nach Oberösterreich. Die Ländereien waren verloren gegangen. Friedrich besuchte das Gymnasium im Seckau (Steiermark), ehe Erzherzog Otto, Sohn des letzten österreichischen Kaisers, Friedrichs Vater als Privatsekretär ins bayerische Pöcking holte.

"Man kann sich vorstellen", heißt es in einem Porträt, "dass die rechte Hand des Thronfolgers keine rechte Freude hatte, als der Herr Sohn eines Tages eröffnete, er wolle zum Theater gehen." Schlimmer noch: Friedrich setzte sich durch: Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik in München, privater Schauspielunterreicht, Studentenkabarett, Rollen bei den Münchner Kammerspielen, Lausbubenfilme, (Debüt 1964 als Förster in Helmut Käutners "Lausbubengeschichten"), Schulmädchen-Reports (I-III), Krimis, Boulevardkomödien, nichts Herausragendes...

Als Kompensation beginnt Thun, eines Tages selbst Dokumentarfilme ("Auf rotweißroten Spuren") zu drehen, in Mexiko, Amerika, Italien und Afrika - eine Porträtreihe über Österreicher in der halben Welt. Mitte der Achtziger dann der Durchbruch, in dessen Folge sogar Fellini für "Ginger und Fred" (1985) nach ihm fragt. Am Ende aber kommt nur eine etwas wirre Nebenrolle als gekidnappter Industrieller heraus.

Das Fernsehen aber empfängt ihn mit offenen Armen. Neben den oben genannten Serien und diversen Krimis ("Derrick", "Bulle von Tölz"...) etwa in: "Tatort - Kressin und der Mann mit dem gelben Koffer" (1972), "Des Christoffel von Grimmelshausen abenteuerlicher Simplicissimus" (1975), "Stinkwut" (1985), "Befristeter Aufenthalt" (1987), "Ignaz Semmelweis - Arzt der Frauen", "Familienschande", "Blue Blood", "Das Milliardenspiel" (alle 1988), "Wann, wenn nicht jetzt", die Serie "Die schnelle Gerdi" (beide 1989), "Ein anderer Liebhaber", als Schönheitschirurg in "Der schönste Busen der Welt", "Schlaraffenland", "Mauritius-Los" (alle 1990), "Anwalt Abel - Reiche Kunden killt man nicht", "Zwei Supertypen im Miami" (beide 1991), die TV-Serie "Der rote Vogel" (1993), "Tödliches Geld - Das Gesetz der Belmonts", "Radetzkymarsch" (beide 1994), "Ich liebe den Mann meiner Tochter", "Drei in fremden Kissen" (beide 1995), "Rosamunde Pilcher - Eine besondere Liebe", "Mrs. Cameron", als Richter in "Das Recht auf meiner Seite", "Post Mortem", "Die Rückkehr des Sandokan", "Lamorte" (alle 1996), "Kap der guten Hoffnung" (1997), "Zwei Brüder - Nervenkrieg", "Mord und Totschlag" (beide 1998), die Peter-Weck-Komödie "Das Mädchen aus der Torte", "Der Weibsteufel" mit Günther-Maria Halmer (beide 1999), die Serie "Fast ein Gentleman", "Vino Santo" (alle 1999).

Und auch im Kino stellte Thun seine Vielseitigkeit unter Beweis: "Das Liebeskarussell (1965, ein "Schinken" zwar, aber immerhin mit Catherine Deneuve und Gerd Fröbe), "Lausbubengeschichten" (1964), "Die Herren" (1965), "Onkel Filser - Allerneueste Lausbubengeschichten", "Liselotte von der Pfalz" (beide 1966), "Wenn Ludwig ins Manöver zieht" (1967), "Geheimauftrag K" (1968), Michael Verhoevens Kriegsdrama "O.K." (1970) mit Eva Mattes, "Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht für möglich halten" (1970), "Schulmädchen-Report - Was Eltern den Schlaf raubt" (1971), "Schulmädchen-Report - Was Eltern nicht mal ahnen" (1972), "MitGift" (1975), "Die Kameliendame" (1978), "Sonntagskinder" (1979), "Das Schicksal des Freiherrn von Leisenbohg", "Die Hure des Königs" (beide 1990), als Minister in "Der Fall Lucona", "Schindlers Liste" (beide 1993), als Hellas (Katja Riemann) Vater in "Die Apothekerin" (1997), "Kleine Semmeln" (1998). Friedrich von Thun, Vater von Schauspieler Max von Thun und der Filmproduzentin Gioia, ist von seiner ersten Frau Yella geschieden. Der passionierte Golfspieler lebt mit seiner zweiten Ehefrau Gaby Schniewind in München.

Weitere Filme mit Friedrich von Thun: "Der Höschenmörder" (1994), "Stinkwut" (1996), "Die Verbrechen des Professor Capellari - Milenas Bücher", "Bargeld lacht" (beide 2000), "Unser Papa, das Genie" (2001), "Der Stellvertreter", "Eine Liebe in Afrika" (beide 2002), "Hitler - Aufstieg des Bösen", "Kalter Frühling" (beide 2003),"Männer im gefährlichen Alter" (2004), "Die Entscheidung", "Heute heiratet mein Mann", "Tod eines Keilers" (alle 2005), "Helen, Fred und Ted", "Mein süßes Geheimnis", "Muttis Liebling", "Der Kommissar und das Meer - Näher als du denkst" (alle 2006), "Der falsche Tod", "Zodiak - Der Horoskop-Mörder" (beide 2007), "Zeit zu leben", "Copacabana", "Der Froschkönig", "Die Rebellin" (alle 2008), "Das Beste kommt erst", "Sisi", "Aghet - ein Völkermord" (Sprecher, alle 2009), "Wie ein Licht in der Nacht" (2010), "Die Abstauber" (2011), "Hochzeiten", "Spuren des Bösen - Racheengel", "In den besten Familien", "Unter Verdacht - Das Blut der Erde", "Einsatz in Hamburg - Mord an Bord", "Familie Sonntag auf Abwegen", "Harms" (alle 2012), "Just Married - Hochzeiten zwei" (2013).

Zur Filmografie von Friedrich Ernst Peter Paul Maria Graf von Thun und Hohenstein
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