Woody Allen

Einer der ganz Großen: Woody Allen. Vergrößern
Einer der ganz Großen: Woody Allen.
Fotoquelle: Helga Esteb/shutterstock.com
Allen Stewart Konigsberg
Geboren: 01.12.1935 in Brooklyn, New York, USA

Woody Allen ist einer der europäischsten unter den amerikanischen Regisseuren, obwohl sich unter ihnen nun wahrlich einige gebürtige Europäer einen Namen gemacht haben. Aber Allen ist eben auch der New Yorker Stadtneurotiker schlechthin, und was ist New York anderes als die Summe europäischer Groß- und Kleinstädte, inklusive des alten osteuropäischen Schtetls?

Geschichten aus dem Schtetl, melancholisch und aberwitzig, sind es, die das erzählerische Unterfutter vieler Woody-Allen-Filme abgeben. Diese Geschichten und ihre Schicksale reiben sich an Ort und Zeit, also an New York und einer scheinbar aus den Fugen geratenen Moderne des ausklingenden 20. Jahrhunderts. Allen erweist sich darin als gelehriger Schüler des großen jiddischen Schriftstellers (und Wahl-New Yorkers) Isaac Bashevis Singer.

"Ich bin Psychiater und das ist meine Pfeife"

Nach seinem Schulabschluss schreibt sich der junge Allen eigentlich nur seinen Eltern zuliebe an der New York University im "Communications Arts Course" ein. Dabei belegt er auch einen Filmkurs. Geholfen hat es allerdings nicht, denn er hat nicht einmal das erste Trimester bewältigt. Das einzige, was der damals 19-jährige Allen aus seiner Uni-Zeit mitnahm, war der Rat seines Dekans, es einmal mit Psychoanalyse zu versuchen. Dies hat er bis heute kontinuierlich befolgt. Zumal sich auch aus der Psychoanalyse hervorragende Gags ziehen lassen, wie viele Szenen in seinen Filmen belegen. Etwa: "Ich bin Psychiater und das ist meine Pfeife."

Bis aber Woody Allen die Klaviatur des Humors rauf und runter spielen konnte, bedurfte es einer langen Lehrzeit in der Comedy-Branche. Er versuchte sich als One-Liner-Zulieferer in den Diensten Edward E. Albers, der immerhin Stars wie Bob Hope und Danny Kaye bediente, kam unter die Fittiche von Agent Harvey Meltzer, der ihm eine Stelle im "Writer's Development Program" des TV-Senders NBC vermittelte. Das war 1953 und Fernsehen boomte ungeheuerlich. So wurde Allen schnell ein gefragter Mann im Business, zumal Unterhaltungs-Show die absoluten Renner waren.

Ex-Frau antwortete mit Gerichtsklagen

Ende 1953 heiratete Allen die 16-jährige Harlene Rosen in Hollywood. Doch der typischen Frühehe war kein langes Glück beschieden. Obwohl Allen als Gagschreiber für mehrere Shows schon finanziell abgesichert war, ging die Ehe Ende der Fünfziger in die Brüche. Allen spottete später in einigen Gags über seine Frau, etwa: "Im Museum für Naturgeschichte haben sie einen Schuh von meiner Frau gefunden. Damit konnten sie einen Dinosaurier rekonstruieren." Seine Ex-Frau antwortete mit Gerichtsklagen. Nach seiner Fernseh-Zeit avancierte Allen schnell zu einem gefragten Stand-Up-Comedian, bald lockten gar das Theater und der Film - erst mal in Form von Drehbüchern -, und außerdem veröffentlichte er Kurzgeschichten.

1963 sah ihn der Produzent Charles K. Feldman auf der Bühne. Feldman suchte gerade jemanden, der das Komödienprojekt "Was gibt's Neues, Pussy?" umschreiben sollte, und Allen schien der richtige Mann. Trotzdem wurde Allens Drehbuch 1964 abgeändert. Dazu Allen: "Mein Originaldrehbuch erzählte die Abenteuer eines psychotischen Gynäkologen und eines litauischen Jockeys, die auf der Suche nach stabilen Werten waren - und das in einer Welt, die von einer Invasion durch Popgruppen bedroht war, mit Romy Schneider, Capucine, Paula Prentiss und Ursula Andress in der Rolle des Quasimodo. Die Künstlervereinigung fand das Thema etwas zu avantgardistisch und nahm deshalb einige subtile Veränderungen vor. Das jetzige Stück handelt von einem Pariser Modeverleger und einem geilen Wiener Psychiater, die auf der Suche nach Romy, Capucine, Paula, Ursula und einigen Entblätterten sind - mit einer speziell für mich geschriebenen Rolle, die dazu dienen sollte, dem Film einen sexuellen Anstrich zu verleihen."

Held sucht nach Rezept für Eiersalat

Wie auch immer. Woody Allen hatte seinen Fuß im Filmgeschäft, schrieb anschließend einige Sequenzen für die James-Bond-Persiflage "Casino Royale" (1966) und die Umarbeitung und Neusynchronisation des japanischen Agenten-Streifens "Kizino Kizo", die man dann - in Anlehnung an Allens erste Filmarbeit - "Woody Allen's - What's Up, Tiger Lily?" nannte. Allen gestaltete den ernst gemeinten Film derart um, dass nun der Held nach dem Rezept für einen Eiersalat suchte.

Allens Schaffensperioden als Regisseur spiegeln sich in seinen jeweiligen Lebensabschnittspartnerinnen. Denn in seinem Regiedebüt, der Gangsterfilm-Persiflage "Woody, der Unglücksrabe" (1969), übernahm seine damalige Ehefrau Louise Lasser (Allens Frau von 1966 bis 1970) eine kleine Rolle. In der Flower-Power- und Revolutions-Persiflage "Bananas" (1971) war ihr Part dann schon wesentlich größer, obwohl seinerzeit die Scheidung schon juristisch besiegelt war. Trotzdem stand Louise Lasser in dem durchgedrehten Episodenfilm "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten" auch 1972 noch für Allen vor der Kamera.

Im gleichen Jahr folgte unter der Regie von Herbert Ross mit "Mach's noch einmal, Sam" Allens eigenwillige Hommage an Humphrey Bogart. Allen übernahm auch die Hauptrolle. Hier spielt er bereits an der Seite seiner nächsten Partnerin: Diane Keaton, die bereits ein Jahr zuvor für den TV-Kurzfilm "Men of Crisis: The Harvey Wallinger Story" mit Allen gearbeitet hatte. Sie spielte in Allens futuristischer Slapstick-Vision "Der Schläfer" (1973), in der "Krieg und Frieden"-Variante "Die letzte Nacht des Boris Gruschenko" (1974), in Allens wohl berühmtesten Streifen "Der Stadtneurotiker" (1976), in der Ingmar-Bergman-Hommage "Innenleben" (1978) und dem wunderbaren Schwarz-Weiß-Film "Manhattan" (1978).

Selbstreflexion, Melodram und Wortwitz

Das Intermezzo zwischen Diane Keaton und Mia Farrow brachte mit "Stardust Memories" (1980) einen der besten Allen-Filme hervor: Hier wechseln sich Selbstreflexion, Melodram und Wortwitz gekonnt miteinander ab. Mit der romantisch-witzigen Shakespeare-Variante "Eine Sommernachts-Sexkomödie" begann 1982 die fruchtbare Zusammenarbeit mit Ehefrau Mia Farrow. Es folgten die Pseudo-Dokumentation über den Persönlichkeitswandler "Zelig" (1983), die Betrachtung der Kleinkunst- und Stand-Up-Comedians "Broadway Danny Rose" (1983), die einfallsreiche Kino-Reflexion "The Purple Rose of Cairo" (1985), die Beziehungs-und Religions-Komödie "Hannah und ihre Schwestern" (1986), "Radio Days" (1987) - eine wunderbare Erinnerung an vergangene Radiozeiten, "September" (1987) - ein weiteres Bergman-mäßiges Melodram, "Eine andere Frau" (1988), die Episode "Ödipus ratlos" aus dem Film "New Yorker Geschichten" (1989), "Verbrechen und andere Kleinigkeiten" (1990), "Alice" (1990), die brillante Stummfilm- und Surrealismus-Hommage "Schatten und Nebel" (1991) und - als Fingerzeig auf das baldige Ende der Ehe mit Mia Farrow - die in dokumentarischem Stil gehaltene Komödie "Ehemänner und Ehefrauen" (1992).

Nach der Trennung mit Mia Farrow war es wieder Diane Keaton, die in Allen nächstem Film "Manhattan Murder Mystery" (1993) die Hauptrolle übernahm. 1994 folgte eine TV-Adaption seines Stückes "Don't Drink The Water" - hiervon existierte auch eine Kinoversion von 1969 mit Jackie Gleason - und die Erinnerung an vergangene Broadway-Tage "Bullets over Broadway" als Mischung aus Gangsterfilm, Theater und Komödie. Danach drehte Allen die Filme "Geliebte Aphrodite" (1995), "Alle sagen: I love you" (1996), "Harry außer sich" (1997), "Celebrity" (1998), "Sweet and Lowdown" (1999), "Schmalspurganoven" (2000), "Im Banne des Jade Skorpions", für Fernsehen den Kurzfilm "Sounds from a Town I Love" für den Episodenfilm "The Concert for New York City" (beide 2001), die Hollywood-Abrechnung "Hollywood Ending" (2002), "Anything Else" (2003), "Melinda und Melinda" (2004), der chabrolschen Krimi "Match Point" (2005), die Krimi-Geister-Komödie "Scoop - Der Knüller" (2006), das Drama "Cassandras Traum" (2007) sowie die Komödie "Vicky Cristina Barcelona" (2008), die 2009 mit dem Golden Globe als bester Film in der Kategorie Musical/Komödie ausgezeichnet wurde. 2009 folgte mit "Whatever Works" erneut eine Komödie um Allens Lieblingsthemen Liebe, Sex und Tod, eine Thematik, die er auch in "Ich sehe den Mann deiner Träume" (2010) im Blickfeld hatte. 2011 lieferte er mit "Midnight in Paris" abermals einen kleinen Geniestreich ab. Nicht ganz so gelungen war hingegen sein Episoden-Werk "To Rome With Love" (2012), wieder besser ist hingegen "Blue Jasmine" (2013).

Martin Ritts Abrechnung mit der McCarthy-Ära

Darüber hinaus spielte Allen (abgesehen von seinen zahlreichen TV-Auftritten in seinen Anfangsjahren) die Hauptrolle in Martin Ritts Abrechnung mit der McCarthy-Ära "Der Strohmann", mimte in Jean-Luc Godards "King Lear" (1987) einen Narren - dieser Film war bislang nur einem kleinen Publikum zugänglich, da ihn die Verleihfirma nach Streitigkeiten mit Godard gestoppt hat -, Bette Midlers Ehemann in "Ein ganz normaler Hochzeitstag" (1991) von Paul Mazursky, an der Seite von Peter Falk in "Die Sonny Boys" (1995), übernahm die kleine Rolle eines Theater-Direktors in "The Impostors" (1998), hatte einen Gastauftritt in "Cuba libre - Dümmer als die CIA erlaubt" und gab schließlich den Frauenmörder in "Picking Up the Pieces" (beide 2000).

Es gibt drei Dokumentarfilme über und mit Woody Allen: "Godard trifft Woody Allen" (1986, Regie: Jean-Luc Godard), "Wild Man Blues" (1997), der Allen als ernstzunehmenden Klarinettisten zeigt und "Woody Allen: A Documentary" (2011). Außerdem ist seine Stimme in zwei weiteren Filmen zu hören: In "Just Shoot Me" (1997) ist er in der Episode "My Dinner With Woody" am anderen Ende einer Telefonleitung und in dem computer-animierten Streifen "Antz" (1998) lieh er in der Originalfassung dem Hauptcharakter, der Ameise "Z", seine Stimme. Im Jahr 2000 ehrt er Kubrick in Jan Harlans Dokumentation "Stanley Kubrick - Ein Leben für den Film" und 2003 den großen Charlie Chaplin in Richard Schickels Film-Porträt "Charlie - Leben und Werk des Charles Chaplin". Darüber hinaus basieren die Kurzfilme "Somebody or The Rise and Fall of Philosophy" (1989) und "Count Mercury Goes to the Suburbs" (1997) auf Stories von Allen.

Das Phänomen "Woody Allen" besteht wohl darin, dass er es immer wieder schafft, ein gleiches oder zumindest ähnliches Thema ständig in einer neuen Verpackung zu präsentieren.


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