Walter (Rainer Bock) ist kein Mann der vielen Worte. In "Atlas" schweigt er stets vor sich hin.
"Atlas" ist der erste Langfilm von Regisseur David Nawrath. Er folgt einem schweigsamen Mann, der nach Jahren seinen Sohn wieder trifft.

Atlas

KINOSTART: 25.04.2019 • Drama • D (2017) • 100 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Atlas
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D
Budget
75.000 USD
Laufzeit
100 Minuten
Kamera

Filmkritik

Ein Mann, kein Wort
Von Claudia Nitsche

Männer sind Schweiger. Darüber Filme zu drehen, klappt so gut, weil man sich auf wenige, gute Dialoge beschränken kann. Das allerdings sollte man dann auch tun.

Es scheint drinnen und draußen Herbst zu sein. Schweigend stemmt Walter (Rainer Bock) in "Atlas" seine Gewichte. Was soll er groß reden? Er arbeitet seit Jahrzehnten im Möbelpacker-Team von Roland (Uwe Preuss) und Alfred (Thorsten Merten). Der eine ist Chef des Ladens, der andere Gerichtsvollzieher, sie haben sich als Teampartner aneinander gewöhnt. Eine Hand wäscht die andere, aber gerade gibt es ein Problem bei der Räumung eines Mietshauses. Und da Rolands Geschäfte nicht immer ganz so sauber sind, obwohl dabei Geld gewaschen wird, hört man von nicht allzu feinen Methoden im Zusammenhang mit der in diesem Männerfilm thematisierten Gentrifizierung.

David Nawrath, der Regisseur und Co-Autor, ist ein interessanter junger Filmemacher, der in Berlin geboren ist und in Deutschland und im Iran aufwuchs. Nach einer Dokumentation und einigen Kurzfilmen ist "Atlas" sein erster Langfilm, einer, für den er einen massigen Mann wollte. Die Physis der Hauptfigur stand während der Drehbuchphase immer im Vordergrund. Gewaltig, wortkarg und in die Jahre kommend sollte Walter sein. "Rainer Bock hat diesen Walter sofort verstanden", sagt Nawrath, und doch muss man sich wundern, wie er darauf kam, den intellektuellen Norddeutschen zu besetzen.

Nawrath spricht von einem "langen Weg", denn im Drehbuch ging es um einen ehemaligen Gewichtheber, im Ganzen eine gewaltige Figur. Es klingt fast etwas naiv, wenn der Regisseur sagt: "Wir fingen an zu suchen und fanden keinen deutschen Schauspieler mit dieser Physis, der dazu noch sehr gut spielen kann. Sylvester Stallone oder Mickey Rourke gibt es bei uns nicht." Und da man nicht fündig wurde, stieß man irgendwann auf Rainer Bock, der nun in 99 von 100 Filmminuten im Bild zu sehen ist.

Leider aber fehlt "Atlas" die Dramaturgie, denn die Dinge passieren einfach. Der neue Kollege Moussa (Roman Kanonik) stopft Alfred, den Gerichtsvollzieher, nach einer Meinungsverschiedenheit ins Klo. Walter schaut zu, holt ihn raus – und schweigt. Das tut er auch, als er bei einer Räumung seinen Sohn Jan (Albrecht Schuch) erkennt, den er als kleiner Junge im Stich ließ. Das will er heute nicht mehr, daher hilft er ihm ganz zufällig bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion und verhindert, dass sich der neue Kollege, ein Pulverfass, um Jan kümmert. Jan lädt Walter zum Dank ein, ohne zu wissen, wen er vor sich hat. Mehr als Smalltalk kann so nicht entstehen. Später sucht Walter jenen Moussa auf, der sich längst als brutal und skrupellos entpuppt hat. Walter redet mit ihm so ungeschickt wie einer, der sich normalerweise aus allem raushält, aber in wichtigen Momenten eben nicht zu Topform aufläuft. Von der Zuschauerseite aus betrachtet ist das durchaus etwas langweilig. Denn das Drehbuch meint es arg gut.

Genau jetzt eskalieren die Konflikte, mittendrin der Sohn von Walter, der stur als edler Ritter gegen die brutalen Männer vorgeht. Und damit jeder versteht, wie das ist, nach 30 Jahren auf das eigene Kind zu treffen, ist natürlich Jans Sohn exakt so alt wie es Jan damals war, als Walter ihn verließ. Es deutet sich früh an, dass "Atlas" brutal wird. Dieses Versprechen löst der Film dramatisch ein. Doch es kommt nie zu einem Dialogspektakel bei Gegnern, die dann doch lieber die Fäuste, Flaschen oder Waffen sprechen lassen. Mit Aktionen, die man als lebensmüde bezeichnen kann, torkelt Walter dann dem Ende entgegen. Und Rainer Bock macht das immer noch gut. Auch Preuss und Merten sieht man gerne zu. Es ist nur ein schwieriges, da zu stark auf das Milieu fixierte Drehbuch, dem der ein oder andere emotionale oder zumindest persönliche Moment gutgetan hätte.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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