Philipp V. von Spanien (Lambert Wilson, dritter von links) ist nicht begeistert von der schlechten Laune der Braut seines Sohnes Don Luis (Kacey Mottet Klein, dritter von rechts), Louise Elisabeth (Anamaria Vartolomei, rechts).
Heute wäre es ein Skandal, im Jahre 1721 ist es hoch erwünscht: Eine Zwölfjährige und eine Vierjährige werden an Monarchen verheiratet. Das Historiendrama "Ein königlicher Tausch" erzählt von dieser wahren Begebenheit.

Ein königlicher Tausch

KINOSTART: 28.02.2019 • Drama • BE, FR (2017) • 104 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
L'échange des princesses
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
BE, FR
Filmstudio
SCOPE Pictures, High Sea Production, France 3 Cinéma, Motion Partners, Featuristic Films, Ad Vitam Production, Canal+, Ciné+, France Télévisions, La Wallonie, Motion Partners BE, Playtime
Laufzeit
104 Minuten
Regie
Marc Dugain
Music
Marc Tomasi
Kamera
Gilles Porte, Nicolas Schul, Nicolas Velter

Filmkritik

Frust bei Hofe
von Andreas Günther

Plötzlich Prinzessin? Lieber nicht! Die Leiden heutiger Thronfolger-Gattinnen geben schwache Ahnung von einer schrecklichen Tradition. Ein historischer Fall drakonischer Heiratspolitik des französischen und spanischen Hofes Anfang des 18. Jahrhunderts zeigt es.

Im Madrid des Jahres 1721 kann Thronfolger Don Luis (Kacey Mottet Klein) sein Glück nicht recht fassen. Er soll die französische Adlige Louise Elisabeth (Anamaria Vartolomeí) heiraten. Wie hübsch sie ist! Der jugendliche Lüstling ist von ihrem Ölgemälde ganz verzückt und angeregt zur Selbstbefriedigung. Ausgerechnet da tritt ein Diener mit strenger Miene ins Schlafgemach, nimmt das Bild an sich und untersagt dem Prinzen von Asturien jegliche unkeusche Handlung an sich selbst – um des Christentums willen und aus medizinischen Gründen. Und der Thronfolger? Fügt sich traurig.

Diese Begebenheit ist sicherlich die komischste in dem Historiendrama "Ein königlicher Tausch". Aber auch sie verdeutlicht, worum es der sehr ernsthaften, schonungslosen, aber niemals geschmacklosen Romanverfilmung über aristokratische Zwangsheirat und in gewisser Weise Selbstunterdrückung geht: Die Monarchen und die, die es noch werden, sind vieles, aber eines gewiss nicht, zumindest nicht in vollem Wortsinne: Herrscher.

In einer perfide eingerichteten Welt zu leben, hindert freilich nicht daran, mit den besten Absichten handeln zu wollen. Zehn Jahre Krieg sind gerade zu Ende gegangen. Frankreich kann sich keinen Feldzug mehr leisten. Spaniens König Philipp V. (Lambert Wilson) geißelt sich selbstquälerisch wegen der Millionen Kriegstoten, die sein Gewissen belasten. Um weitere Konfrontationen auszuschließen, fädelt im französischen Versailles Philippe von Orléans (Olivier Gourmet), politischer Statthalter des elfjährigen Königs Ludwig XV. (Igor van Dessel), eine Heiratsallianz zwischen den Reichen ein: Seine zwölfjährige Tochter Louise Elisabeth heiratet Don Luis, der junge Ludwig die vierjährige Schwester von Don Luis, Maria Anna Victoria (Juliane Lepoureau).

Das Vorhaben stößt in Madrid auf Zustimmung. An der Grenze kommt es zu einem Tausch eher zwischen Gefangenen als zwischen Prinzessinnen. Danach läuft nichts wie geplant. Der melancholische Ludwig XV. ist eifersüchtig, weil sich seine geliebte Gouvernante nun um seine kleine Frau kümmert. Und Louise Elisabeth würde eher ihren Gemahl mit dem Kerzenleuchter erschlagen als einen Erben mit ihm haben. Dann brechen auch noch die Pocken aus.

Über die Dreharbeiten zu "Ein königlicher Tausch" hat Regisseur Marc Dugain ein Buch geschrieben. Er zieht darin wenig überzeugende Parallelen zwischen heutigen Präsidenten und damaligen Königen Frankreichs sowie zwischen dem Missbrauch adliger Sprösslinge für Kungeleien und der Ausbeutung von Arbeiterkindern. Sein Film ist entschieden besser als seine Deutung.

Zugrunde liegt ein Dokumentarroman von Chantal Thomas, der im Gegensatz zu ihrer Vorlage für "Lebwohl, meine Königin" (verfilmt mit Diane Kruger) bisher nicht auf Deutsch erschienen ist. Zusammen mit der Bestsellerautorin arbeitet Regisseur Dugain im Drehbuch heraus, wie die scheinbar Mächtigen wie Marionetten an den überkommenen Machtgebilden hängen. Indem sie die Figuren rebellischer und leidender zeichnen als im Roman, wird deren namenloser Frust über die Versklavung durch die Konvention deutlicher spürbar. Trotz viel Seidenraschelns ist die Perspektive eben unromantisch – und bisweilen desillusionierend wie die Historie selbst.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Andréa Ferréol.
Andréa Ferréol
Hervorragender Charakterdarsteller aus Frankreich: Lambert Wilson
Lambert Wilson
Weitere Darsteller
Anamaria Vartolomei Olivier Gourmet Catherine Mouchet Kacey Mottet Klein Igor van Dessel Juliane Lepoureau Maya Sansa Patrick Descamps Thomas Mustin Gwendolyn Gourvenec Didier Sauvegrain Vincent Londez Jonas Wertz Ana Rodriguez Pedro Cabanas Maxence Dugain Alice D'Hauwe Thibaut Nève Cédric Cerbara Camille Pistone Yann Leriche Carlo Ferrante Christophe Lambert François Sikivie

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