Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) sollte eigentlich tot sein. Aber da er kein echter Mensch ist, nicht einmal ein echter Nazi, kann er aus dem Hades zurückkehren.
Mondnazis, Dinosaurier und viel zu viele Apple-Produkte: "Iron Sky: The Coming Race" übertreibt, wo es möglich und unmöglich ist. Das tut dem grotesken Sci-Fi-Trash nicht immer gut, aber meistens.

Iron Sky: The Coming Race

KINOSTART: 21.03.2019 • Science Fiction • BE / D / FI (2019) • 93 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Iron Sky: The Coming Race
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
BE / D / FI
Budget
21.000.000 USD
Einspielergebnis
400.900 USD
Laufzeit
93 Minuten

Filmkritik

Jurassic Quark
Von Andreas Fischer

Die Rückkehr der Mondnazis wird in "Iron Sky: The Coming Race" eine Reise zum Mittelpunkt der Erde. Auf der Passagierliste: Hitler, Dinosaurier und schräge Typen.

Das Erste, was man von Adolf Hitler sieht, ist Blondie. Der ausgestopfte Schäferhund zuckelt seinem Herrchen auf einem Rollbrett hinterher. Der Führer kann sich von seinem alten Lieblingshaustier einfach nicht trennen, auch wenn er ein neues hat, mit dem sich ganz vortreffliche Blutbäder anrichten lassen. Der Gröfaz auf einem T-Rex, so etwas muss man sich erstmal einfallen lassen! Für Timo Vuorensola war offensichtlich keine Idee zu absurd, um seine Mondnazi-Saga "Iron Sky" (2012) weiterzuspinnen. Was Trash war, soll Trash bleiben, und eines muss man dem finnischen Filmemacher lassen: Er hat immer noch einen guten schlechten Geschmack. Auch wenn "Iron Sky: The Coming Race" leicht abgestanden ist und ein Film, der seine besten Tage irgendwie schon hinter sich hat, bevor er ins Kino kommt.

20 Jahre sind vergangen, seitdem die Mondnazis am Ende von "Iron Sky" einen Atomkrieg anzettelten, bei dem nicht nur die Erde dran glauben musste, sondern auch ihr Trabant. Eine Handvoll Überlebender siecht also im Jahr 2047 in den Ruinen der Nazibasis vor sich hin. Unter ihnen Obi Washington (Lara Rossi): Die Tochter von Renate Richter (Julia Dietze), dem blonden Superweib aus dem ersten Teil, hält den Laden am Laufen.

Den drohenden Kollaps des Mondes kann aber auch die patente junge Frau nicht aufhalten. Die einzige Möglichkeit: eine geheimnisvolle Energiequelle am Mittelpunkt der Erde, dort, wo die Dinosaurier umherstreifen. Aber nicht nur die. Trotzdem versammelt Obi eine Reisegruppe: den niedlich-arroganten Exilrussen Sasha (Vladimir Burlakov), ein Muskelpaket mit Erbsenhirn (Kit Dale) und den Anführer einer Technoidensekte (Tom Green), der mit seinen Jüngern nach dem Motto "An Appla a day ..." lebt und dabei nicht das Obst meint.

"Jobsismus" heißt der reinweiße Technikkult und ist noch so eine absurde Idee Vuorensolas, die zeigt, was die Sci-Fi-Trash-Grotske auszeichnet und gleichzeitig lähmt: Sie ist überdreht und pathetisch, wirkt aber auch seltsam überholt. Das liegt einerseits an der langen Produktionszeit: Die erste Klappe fiel bereits 2015, das Drehbuch entstand noch ein paar Jahre früher. Weil aber die Zeit nun mal nicht stehenbleibt, sondern sich der Hektik der Moderne angepasst hat, ist "Iron Sky: The Coming Race" etwas, nun ja, aus der Zeit gefallen. Viele Gags sind einfach nicht mehr spritzig.

Die Special Effects sind fast schon zu professionell

Zudem rauben die erweiterten technischen Möglichkeiten dem Film den Charme, den er gehabt haben könnte. Was 2012 gewollt nicht gekonnt aussah, ist jetzt einfach nur noch nicht gekonnt. Die Spezialeffekte sind nicht mehr ganz so trashig wie im ersten Teil, durchschnittliche Produktionsstandards erreichen sie trotz eines stattlichen Gesamtbudgets von 20 Millionen Euro aber noch lange nicht.

Den Fans, die in guter "Iron Sky"-Tradition per Crowdfunding ihr Scherflein (zehn Prozent) dazu beitrugen, dürfte das ziemlich egal sein. Und ja: Wenn man sich über technische Aspekte, wahlweise auch über Dialoge, Dramaturgie oder Darsteller echauffierte, wäre das Jammern auf einem Niveau, das der Film gar nicht erreichen will. Timo Vuorensola geht es um den Nonsens, den Ulk, die Alberei. Mehr nicht, aber das reicht manchmal auch aus für einen launigen Kinoabend. Zumal der totgeglaubte Mondführer Wolfgang Kortzfleisch aufersteht und seinen Bruder – mitsamt T-Rex – im Schlepptau hat.

Die beiden von Udo Kier mit gewohnter Schnoddrigkeit gespielten Unmenschen gehören zu den Vril, einer Rasse von außerirdischen Reptilienwesen, die vor Hunderten Millionen Jahren die Erde heimsuchten, um sie sich untertan zu machen. Doch leider vertrieben gewaltige Meteoritenschauer dereinst nicht nur die Dinosaurier, sondern auch die Vril von der Oberfläche, auf der es sich am Ende die Menschen ziemlich bequem machten.

Aber sich Unterkriegen lassen im Untergrund? Das kommt natürlich für die Vril nicht infrage. Zumal sie über die Fähigkeit verfügen, ihre Gestalt zu ändern und auszusehen wie Josef Stalin, Osama bin Laden, Mark Zuckerberg und andere streitbare Persönlichkeiten – von denen sich die Menschheit blind beeinflussen ließ und bisweilen noch immer lässt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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Udo Kier
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