Monte (Robert Pattinson) ist ein braver Sklave für die Experimente im Raumschiff von Dr. Dibs - bis seine Tochter geboren wird.
Claire Denis, vielleicht Frankreichs kontroverseste Filmemacherin, verrätselt ihre Provokationen zur Zukunft der Menschheit in einem Science-Fiction-Kammerspiel mit Robert Pattinson und Juliette Binoche.

High Life

KINOSTART: 30.05.2019 • Science Fiction • F / D / GB / PL (2018) • 112 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
High Life
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
F / D / GB / PL
Filmstudio
ARTE France Cinéma, Pandora Film, Andrew Lauren Productions, Alcatraz Films, The Apocalypse Films, Madants, ZDF/Arte
Budget
8.933.400 USD
Einspielergebnis
1.191.078 USD
Laufzeit
112 Minuten
Regie
Claire Denis
Music
Stuart Staples, Tindersticks
Kamera
Yorick Le Saux, Martin Menke, Anna Włoch

Filmkritik

Raus aus der Sklavenmoral
von Andreas Günther

Science-Fiction-Film an Großhirn: Bitte fleißig interpretieren! Claire Denis, Frankreichs wohl kontroverseste Filmemacherin, verrätselt ihre Provokationen zur menschlichen Reproduktion in einem bizarren Weltraum-Kammerspiel mit Juliette Binoche und dem ewigen "Twilight"-Star Robert Pattinson.

Der alleinerziehende Vater der nahen Zukunft mit Arbeitsplatz im Weltall – er wird wohl so aussehen wie im Science-Fiction-Film "High Life": Schwerfällig in seinem braunen, klobigen Anzug und gleichzeitig schwerelos führt Monte (Robert Pattinson) Reparaturen außen am Raumschiff durch. Währenddessen redet er übers Funksystem beruhigend auf seine kleine Tochter Willow ein. Eine gewisse Scarlett Lindsey spielt sie, Tochter eines Schulfreundes von Pattinson und zur Zeit der Dreharbeiten zu "High Life" 13 Monate alt. "Sie hat mit uns Laufen gelernt", erinnert sich Regisseurin Claire Denis.

Tatsächlich sind die Szenen zwischen Pattinson und seiner kleinen Filmtochter sehr innig. Da sie oft in dem künstlichen Garten spielen, der im Raumschiff installiert ist, heben sie sich hell gegen die Düsternis ab, die sonst in "High Life" regiert. Wenn Montes erstes Wort an seine Tochter "Tabu" lautet, ist damit die Übertretung an sich schon anheimgestellt. Die Französin Claire Denis ist einmal mehr – nach "Les Salauds – Dreckskerle"- bei einer Studie der Körperflüssigkeiten und Perversionen angelangt. Die Tragweite zu ermessen, überlässt sie aber der Deutungskunst des Publikums.

Eine Art Raumschiff der Verdammten zieht durchs Weltall. An Bord befindet sich eine Handvoll zum Tode Verurteilter, deren einziges Verbrechen die Armut ist, wie eine Rückblende zeigt. Sie sind Sklaven der Experimente von Dr. Dibs (Juliette Binoche), die ihre Zwillinge gleich nach der Geburt umgebracht hat und von neuen Möglichkeiten der menschlichen Fortpflanzung besessen ist. Aber eigentliches Ziel der Mission ist es, das Energiepotenzial schwarzer Löcher zu erforschen. Welchen Einfluss haben sie auf die Kräfte des Lebens? Sind sie ihnen zuträglich oder schädlich?

Die Reise jedenfalls ist bedrückend. Kapitän Chandra (Lars Erdinger) stirbt an Erschöpfung, ehe er mit Dr. Dibs Liebe machen kann. Sie befriedigt sich ohnehin lieber an einer Dildomaschine. Monte muss Boyse (Mia Goth) vor einem Vergewaltiger retten. Dr. Dibs macht die beiden auf bizarre Art zu einem Elternpaar. Die Geburt seiner Tochter Willow verändert Monte. Er wird vor nichts zurückschrecken, um Willows Überleben zu sichern.

Das klingt spannend, ist es aber nicht. Dafür dehnt sich die Zeit allzu unerbittlich. Der Aufbau des Films unterbindet geradezu das Mitfiebern. Wie eine bestimmte, im Raumschiff vorgefundene Situation zustande gekommen ist, wird über fast zwei Stunden berichtet. "High Life" kreuzt nicht in der Galaxis von "Alien" oder "Star Wars", sondern gehört in das kontemplative Universum von "Solaris" und "Stalker", "2001" und "Lautlos im Weltall". Was nicht heißt, dass das All zu kurz kommt, ganz im Gegenteil.

Die Schwärze um das Raumschiff herum und die konsequente Verwendung des Direkttons mit der Wiedergabe von Schritten und dem Ansaugen des Sauerstoffs im Raumanzug machen das All überpräsent. So sehr, dass sich die Frage stellt: Was mit der Unendlichkeit anfangen?

Monte beantwortet sie so, dass er versucht, sich von dem zu befreien, was Nietzsche die "Sklavenmoral" nennt. Der Weltraum gibt ihm die Chance, sich der Herrschaft zu entziehen, die er verinnerlicht hat. Aber der eine Regelbruch zieht den anderen nach sich. Ist das akzeptabel? Soll man seine "Sklavenmoral" überwinden und da oben gelten lassen, was nach irdischen Gesetzen nicht sein darf? Die Deutung des allerletzten Bildes mit Willow als junger Frau – nun gespielt von Jessie Ross – wird zur Nagelprobe für Mut und Anstand.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Superstar aus Frankreich: Juliette Binoche
Juliette Binoche
Lars Eidinger in dem Drama "Tabu - Es ist die Seele ... ein Fremdes auf Erden".
Lars Eidinger
Der britische Schauspieler und Musiker Robert Douglas Thomas Pattinson wurde am 13. Mai 1986 in Barnes, London geboren.
Robert Pattinson
Weitere Darsteller
André 3000 Mia Goth Agata Buzek Claire Tran Ewan Mitchell Gloria Obianyo Victor Banerjee Scarlett Lindsey Jessie Ross Mikolaj Gruss Joni Brauer Johann Bartlitz Juliette Picollot Weronika Wachowska Mikolaj Zeman Ruslan Astraszewski Magdalena Piotrowska Dawid Gluchowski Lukasz Osik John Kimani Njeri Ernest Lebouco

Neu im kino

Klara und die Sonne (2026)
Klara und die Sonne
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
By Any Means (2026)
By Any Means
Thriller • 2026
prisma-Redaktion
Die Blutgräfin (2026)
Die Blutgräfin
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Der perfekte Urlaub (2026)
Der perfekte Urlaub
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Clayface (2026)
Clayface
Horror • 2026
prisma-Redaktion
Ali G: Who Iz I? (2026)
Ali G: Who Iz I?
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte (2026)
Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Street Fighter (2026)
Street Fighter
Action • 2026
prisma-Redaktion
Whalefall (2026)
Whalefall
Thriller • 2026
Sinn und Sinnlichkeit (2026)
Sinn und Sinnlichkeit
Drama • 2026
prisma-Redaktion
The Social Reckoning (2026)
The Social Reckoning
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Alte Liebe (2026)
Alte Liebe
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Lügen über meine Mutter (2026)
Lügen über meine Mutter
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Digger (2026)
Digger
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Verity – Dunkle Geheimnisse (2026)
Verity – Dunkle Geheimnisse
Mystery • 2026
prisma-Redaktion
Corpus Delicti (2026)
Corpus Delicti
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Emil und die Detektive (2026)
Emil und die Detektive
Familie • 2026
prisma-Redaktion
Eiserne Wildnis – Heart of the Beast (2026)
Eiserne Wildnis – Heart of the Beast
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
Bibi Blocksberg – Die total verhexte Zeitreise (2026)
Bibi Blocksberg – Die total verhexte Zeitreise
Familie • 2026
prisma-Redaktion
Adams Acht (2026)
Adams Acht
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Coyote vs. ACME (2026)
Coyote vs. ACME
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern (2026)
Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern
Liebesfilm • 2026
prisma-Redaktion
Bad Apples (2026)
Bad Apples
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Oasis: Don't Look Back in Anger (2026)
Oasis: Don't Look Back in Anger
Dokumentarfilm • 2026
prisma-Redaktion
Vaterland (2026)
Vaterland
Drama • 2026
prisma-Redaktion
That's Why the Lady Is A Champ (2025)
That's Why the Lady Is A Champ
Historie • 2025
prisma-Redaktion
Das gewisse Etwas (2026)
Das gewisse Etwas
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Das Ende der Sterne (2026)
Das Ende der Sterne
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
Oh la la 2 – Neue Tests, neues Chaos (2026)
Oh la la 2 – Neue Tests, neues Chaos
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
One Night Only (2026)
One Night Only
Komödie • 2026
prisma-Redaktion