Vandam (Hynek Cermak) genießt mit Lucka (Katerina Janeckova) eine kurze Pause zwischen zwei Kriegen.
Dass sich Vandam nach einem belgischen Actionstar benannt hat, ist kein Zufall. Für den streitbaren Protagonisten in der poetisch-brutalen Romanverfilmung "Nationalstraße" ist klar: Man schlägt sich am besten mit geballten Fäusten durchs Leben.

Nationalstraße

KINOSTART: 11.06.2020 • Komödie • D/CZ (2019) • 91 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Narodni Trida
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
D/CZ
Laufzeit
91 Minuten

Filmkritik

Mit der Wut der Verzweiflung
Von Andreas Fischer

Das Leben ist eine Abfolge von Schlachten: Mit fliegenden Fäusten will der Plattenbauprolet Vandam seine Kneipe und eine heimliche Liebe vor einem Immobilienhai retten – und kämpft in der poetischen und schlagkräftigen Romanverfilmung "Nationalstraße" doch nur gegen Windmühlen.

Frieden? Das ist doch nur eine Pause zwischen zwei Kriegen. Für Vandam (Hynek Cermak) ist das Leben vor allem ein Kampf: Die Fäuste sitzen locker in "Nationalstraße", Stepan Altrichters Verfilmung des tschechischen Bestseller-Romans von Jaroslav Rudis. Das ist auch kein Wunder, schließlich nennt sich der Protagonist nach dem belgischen Actionstar Jean-Claude van Damme. Und wie sein Vorbild schlägt er lieber zu, wenn er ein Problem hat. Und davon hat er genug. Vandam ist ein Wutbürger, ein stolzer, einer, der sich nichts sagen und gefallen lässt. Jeden Abend sitzt er in seiner Stammkneipe in einem Plattenbau-Moloch am Stadtrand von Prag. Jeden Abend erzählen sich seine Kumpel dieselbe Geschichte: dass Vandam einst eigenhändig die "Samtene Revolution" losgetreten und damit das kommunistische System zum Einsturz gebracht habe.

Doch mit den Folgen kommt keiner hier klar. Demokratie und Freiheit? Die Menschen, die noch immer in der Betonwüste leben, können damit nichts anfangen. Für sie hat die Wende nichts gebracht außer Unzufriedenheit und Wut. Sie fühlen sich abgehängt von der Gesellschaft. Und nun taucht auch noch ein Immobilienmakler auf und will ihr Viertel "revitalisieren": Vandams Stammkneipe spielt im "urban development" keine Rolle mehr. Ehrensache, dass Vandam "denen da oben" mal ordentlich die Meinung sagen will. Nicht nur, weil die Kneipe ihm ein zweites Zuhause ist, sondern auch, weil er mit fast schon kindlicher Unbeholfenheit in die Besitzerin Lucka (Katerina Janeckova) verliebt ist. Die alleinerziehende Mutter hat einen Haufen Schulden, und Vandam zieht selbstredend in die Schlacht, um das Geld für die Rettung seiner Kneipe zu besorgen.

Überfordert vom Tempo

Doch sein Kampf ist schon vorbei, bevor er begonnen hat. Das Unvermeidliche kann Vandam nicht aufhalten. Nicht mit dem Besuch beim geschäftstüchtigen Bruder, den er seit Jahren nicht gesehen hat und der jetzt in einer schicken Villa am anderen Ende der Stadt wohnt. Nicht mit wütenden Attacken auf den Immobilienmakler. Nicht mit dem witzigsten Autodiebstahl der jüngeren Kinogeschichte.

Mehr noch als das poetische und differenzierte Porträt eines Wendeverlierers ist Altrichters Romanverfilmung eine kluge Bestandsaufnahme von der Abbruchkante der Gesellschaft. Dort, wo sich ein diffuses Gefühl ausbreitet, vergessen worden zu sein. Ein Gefühl, das überall in Europa ähnlich ist und in Deutschland zu Pegida und zum Aufstieg der AfD geführt hat. Nicht alle kommen mit dem Tempo der Gesellschaft mit. Wer abgehängt wird, rettet sich in Parolen und Extremismus. An irgendetwas muss man sich ja festhalten.

Auch Vandam ist überfordert von den Veränderungen und projiziert seine Hilflosigkeit auf "die da oben". "Sie labern dich voll, dass Frieden ist, sie labern dich voll, dass du glücklich sein sollst, sie labern dich voll, dass sie es gut mit dir meinen, du sollst die Schnauze und Schritt halten und ihnen bei der Wahl deine Stimme geben", wütet er gleich zu Beginn des Films. "Sie", das sind diejenigen, die einen schicken SUV in der Garage stehen haben, während sich Vandam in seinem uralten Skoda durch die Gegend kutschieren lässt. Er will es aber auch nicht anders.

Nationalstraße, im Kino ab: 11.06.2020

Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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