Die Insel Lampedusa im Süden Italiens: Fischer Ernesto und sein 20-jähriger Enkel Filippo haben schon genug Probleme, ihr eigenes Leben zu meistern, als sie auf See auf ein Flüchtlingsboot aus Afrika treffen. Dennoch nehmen sie einige der Flüchtlinge an Bord, darunter eine Schwangere und ihren Sohn, die sie bei sich zu Hause unterbringen. Doch weder die Touristen, die Mutter Giulietta ebenfalls im Haus einquartiert hat, noch die Nachbarn dürfen hiervon erfahren - denn wer "Illegalen" hilft, macht sich strafbar ...

Regisseur Emanuele Crialese, der selbst einige Zeit auf Lampedusa lebte und bereits in seinem Oscar-nominierten Film "Golden Door" das Thema Auswanderung behandelte, inszenierte mit dem vielfach preisgekrönten "Terraferma" ein eindringliches Familien- und Flüchtlingsdrama. Terraferma ist das italienische Wort für "Festland". Und vom Festland träumen hier alle: Die Flüchtlinge wollen dorthin, ebenso Giulietta, die die Insel am liebsten verlassen würde und sich für ihren Sohn Filippo wünscht, dass er eines Tages den Absprung in eine große italienische Stadt schafft. Auch der Großvater der Familie will metaphorisch wieder Boden unter den Füßen finden, nachdem sein Leben als Fischer und die damit verbundenen Traditionen, am Ende scheinen. Authentizität gewinnt "Terraferma" durch den Hauptdarsteller Filippo Pucillo, der auf Lampedusa aufgewachsen ist, und durch die Darstellerin der geflohenen Mutter Timnit T., die selbst 2009 mit dem Boot nach Europa kam und deren Geschichte hier in Teilen erzählt wird. Crialeses Film wurde u. a. 2011 mit dem Spezialpreis der Jury auf dem 68. Filmfestival in Venedig ausgezeichnet.

Foto: BR/Fabio Cianchetti