Richard Wershe Sr. (Matthew McConaughey, rechts) will seinem Sohn (Richie Merritt) ein besseres Leben ermöglichen.
"White Boy Rick" erzählt die wahre Geschichte eines jungen Mannes, der vom FBI angestiftet wird, mit Drogen zu dealen.

White Boy Rick

KINOSTART: 07.03.2019 • Drama • USA (2018) • 112 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
White Boy Rick
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
USA
Filmstudio
Studio 8, Protozoa Pictures, LBI Productions, Columbia Pictures, Le Grisbi Productions
Budget
29.000.000 USD
Einspielergebnis
26.000.000 USD
Laufzeit
112 Minuten
Regie
Yann Demange
Music
Max Richter
Kamera
Tat Radcliffe

Filmkritik

Oh wie schrecklich ist Amerika
von Sven Hauberg

Richard "Rick" Wershe Jr. sitzt seit drei Jahrzehnten in Haft. Das auf wahren Begebenheiten beruhende Drama "White Boy Rick" verbindet das ungeheuerliche Schicksal des Mannes aus Detroit mit einer knallharten Analyse der amerikanischen Gesellschaft.

Richard "Rick" Wershe Jr. hat niemanden getötet. Ein Vergewaltiger ist der US-Amerikaner auch nicht. Dennoch sitzt er seit drei Jahrzehnten hinter Gittern. Sein Verbrechen: Wershe hat als 17-Jähriger Drogen verkauft, acht Kilo fand die Polizei bei ihm. Zum Verhängnis wurde ihm ein Gesetz, das für Jugendliche, die mit mehr als 650 Gramm Kokain erwischt werden, automatisch eine lebenslange Haftstrafe vorsieht. Wäre Rick ein Mörder, er wäre heute wohl längst wieder auf freiem Fuß. Das Unglaubliche an dieser Geschichte: Das FBI selbst hat Wershe dazu angestiftet, mit Drogen zu dealen.

"Ich war noch ein Kind, als sie mich aus der neunten Klasse holten und mich bis morgens um drei auf der Straße arbeiten ließen", sagte Wershe vor einigen Jahren in einem Interview. In "White Boy Rick" erzählt nun Regisseur Yann Demange ("'71") von diesem Justizskandal – und gleichzeitig von einem ziemlich kaputten Land.

Die Gegend, in der Rick in den frühen 80ern zusammen mit seinem Vater und seiner Schwester wohnt, ist selbst für Detroiter Verhältnisse ein Drecksloch. Hier sind die Menschen so kaputt wie die Straßen. Vor allem Schwarze leben in dem Viertel – ein Weißer wie Rick fällt da natürlich auf. "White Boy Rick" nennen sie ihn, die Dealer und Kleinganoven, mit denen er tagsüber auf der Straße abhängt und abends in die Rollschuhdisko geht.

Matthew McConaughey spielt den Vater

Einen "jungen Mann mit Babygesicht, blonden Haaren und weißer Hautfarbe" suchten die Macher des Films für die Rolle des Rick, gefunden haben sie den Schauspielneuling Richie Merritt, dem noch der Flaum auf der Oberlippe steht. Matthew McConaughey spielt seinen Vater Richard Wershe Senior mit einer unglaublichen Wucht als einen Mann, der nur das beste für seine Kinder will, aber weiß, dass er nur scheitern kann. Seine Tochter Dawn (Bel Powley) hat er bereits an das Crack verloren, das es für ein paar Dollar an jeder Straßenecke zu kaufen gibt.

Eine Videothek will Wershe Senior eröffnen, noch aber verdingt er sich als Waffenhändler. Am Wochenende fährt er mit seinem 14-jährigen Sohn auf Waffenmessen, auf denen als Hauptpreis einer Tombola eine .40er Smith & Wesson winkt. Die Einkäufe vertickt Wershe in der Nachbarschaft, ganz legal. Nicht ganz so legal sind die Schalldämpfer, die Vater Wershe in seinem Keller herstellt. Zehn Jahre Haft drohen ihm, als die FBI-Agentin Alex Snyder (Jennifer Jason Leigh) und ihre Kollegen ihm auf die Schliche kommen. Snyder macht seinem Sohn ein unmoralisches Angebot: Wenn er für sie Drogen kauft und dem FBI hilft, so die Hintermänner der Dealer aufzuspüren, werden die Anschuldigungen gegen seiner Vater fallengelassen. Rick lässt sich auf den Handel ein – und wird zum jüngsten Informanten der US-Geschichte.

"White Boy Rick" spielt in einer Zeit, in der die USA massiv gegen den Drogenhandel vorgingen. "Just say no!", forderte damals First Lady Nancy Reagan in einer viel beachteten Kampagne. In den Armenvierteln von Detroit verfangen solch simple Botschaften nicht, hier greift die Polizei zu drastischen Mitteln. Während der Film noch fast wie eine Komödie beginnt – zu unglaublich scheint Ricks Schicksal -, wird der Ton immer ernster. Das FBI möchte nun, dass Rick nicht nur Drogen kauft, sondern selbst dealt. Er macht auch das.

Der Brite Yann Demange blickt voller Wut auf das kaputte Amerika, in dem Rick und seine Familie leben müssen. Bisweilen verliert er dabei den Fokus, driftet ab in viel zu viele Nebensächlichkeiten. Immer aber ist er voller Sympathie für seine Protagonisten, die hier nicht einfach als "white trash" abgestempelt werden. Vielmehr zeigt "White Boy Rick" ein feines Gespür für die gesellschaftlichen Mechanismen, die schuld sind an der Katastrophe, in die der junge Rick schlittert. Waffen, ermahnt Vater Wershe seinen dealenden Sohn einmal, würden von der Verfassung geschützt, Drogen nicht. Ein simples, aber stimmiges Weltbild.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Schauspieler Bruce Dern.
Bruce Dern
Viel zu oft im Hintergrund: Eddie Marsan
Eddie Marsan
Jennifer Jason Leigh
Jennifer Jason Leigh
Der US-amerikanische Schauspieler Matthew David McConaughey wurde am 4. November 1969 in Uvalde, Texas geboren.
Matthew McConaughey
Piper Laurie
Weitere Darsteller
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