Noch hat der US-amerikanische Kopilot Tobias Ellis (Jospeh Gordon-Levitt), der mit seinem deutschen Kollegen eine Passagiermaschine von Berlin nach Paris fliegen soll, alles im Griff.
In seinem Flugzeugthriller "7500" konfrontiert Patrick Vollrath einen Kopiloten an Bord einer Passagiermaschine mit einem terroristischen Angriff.

7500

KINOSTART: 26.12.2019 • Drama • D (2018) • 92 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
D
Laufzeit
92 Minuten

Filmkritik

Wenig Spielraum
Von Christopher Diekhaus

Im Thriller "7500" stemmt sich ein Pilot gegen islamistische Terroristen, die eine Passagiermaschine in ihre Gewalt bringen wollen. Auf engstem Raum entspinnt sich ein Nervenkrieg, der vor allem in der ersten Hälfte für erhöhten Pulsschlag sorgt.

In den letzten Jahren gab es immer mal wieder Versuche, die räumliche Enge eines Flugzeugs in eine packende Thriller-Handlung zu überführen. 2005 etwa schickte der gebürtige Stuttgarter Robert Schwentke in "Flightplan – Ohne jede Spur" Jodie Foster während einer Atlantiküberquerung auf die Suche nach ihrer plötzlich verschwundenen Tochter. Jaume Collet-Serra wiederum ließ Charakterkopf Liam Neeson neun Jahre später in "Non-Stop" als Sky Marshal über den Wolken in eine undurchsichtige Erpressung stolpern. Patrick Vollrath, dessen Kurzfilm "Alles wird gut" für den Oscar nominiert war, treibt das Spiel mit der Enge in seiner ersten abendfüllenden Regiearbeit nun auf die Spitze. "7500" – so lautet in der internationalen Luftfahrt der Notfallcode für eine Flugzeugentführung – beschränkt sich fast ausschließlich auf die Cockpit-Sicht und fesselt den Betrachter konsequent an den überrumpelten Protagonisten.

Für den in Berlin lebenden US-Amerikaner Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) deutet bei Antritt seines Dienstes zunächst nichts auf eine Bedrohungslage hin. Gemeinsam mit dem erfahrenen Kapitän Michael Lutzmann (Carlo Kitzlinger) führt der Kopilot vor dem Start nach Paris die routinemäßigen Vorbereitungen durch und kann sogar ein paar Worte mit seiner Lebensgefährtin Gökce (Aylin Tezel) wechseln, die sich als Flugbegleiterin ebenfalls an Bord befindet. Einige Zeit nach dem Abheben der Maschine bricht vor der Cockpit-Tür auf einmal große Unruhe aus. Eine Gruppe muslimischer Extremisten, zu der auch der 18-jährige Vedat (Omid Memar) gehört, will mit selbst gebauten Waffen gewaltsam in die Pilotenkabine eindringen. Als sich einer der Angreifer Zutritt verschaffen kann und Lutzmann schwer verletzt, muss Tobias das Heft in die Hand nehmen und steht schon bald vor schmerzhaften Entscheidungen.

Gefangen in einer Extremsituation

"7500" dockt an die grauenhaften Erfahrungen der Anschläge auf die Zwillingstürme des World Trade Centers an, interessiert sich allerdings nur am Rande für die politische Dimension des Stoffes. Die Motive der Täter werden lediglich angerissen. So steht Vedat beispielhaft für einen orientierungslosen jungen Mann, der sich zu einer Wahnsinnstat verführen lässt. Das Hauptaugenmerk des deutschen Regisseurs Patrick Vollrath liegt auf der konkreten Dramatik der Situation. Aus nächster Nähe beobachtet die Kamera, wie Kopilot Tobias zunächst in Panik ausbricht und schließlich seine Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen versucht. Was genau im hinteren Teil des Flugzeugs vor sich geht, können Hauptfigur und Zuschauer oftmals bloß erahnen, da der Film das Cockpit nicht verlässt. Die einzige Verbindung zum Passagierbereich ist ein verschwommenes Monitorbild, das den Raum jenseits der Sicherheitstür zeigt.

Dank der rigorosen Fokussierung auf den Kopiloten und sein direktes Erleben baut Vollrath eine starke Verbindung zwischen seinem Protagonisten und dem Publikum auf. Unweigerlich fiebert man mit dem von Hollywood-Darsteller Joseph Gordon-Levitt angenehm bodenständig gespielten Ellis mit. Und mehr als einmal fühlt man sich animiert, über das moralische Dilemma von Tobias zu sinnieren. Immerhin dreht sich der klaustrophobische Thriller auch um die Frage, ob man im Angesicht der tödlichen Gefahr an den Notfallprotokollen festhalten und damit größeren Schaden abwenden oder doch lieber das Leben einzelner Menschen retten sollte.

Die überzeugend aufgebaute Spannung der ersten Hälfte sackt mit zunehmender Dauer zwar ein wenig ab. Der Film verliert gerade im letzten Drittel an Dringlichkeit und Intensität, beweist aber dennoch, dass man aus einem limitierten Setting einiges an Nervenkitzel ziehen kann. Mit seinem Debütwerk, einer deutsch-österreichischen Koproduktion, gibt Patrick Vollrath auf jeden Fall eine ansprechende Visitenkarte ab.

Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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