Angus' Tochter Molly (Krista Bridges) weiß anfangs nicht, was sie von den Plänen ihres gebrechlichen Vaters halten soll.
In Shelagh McLeods Spielfilmdebüt "Astronaut" will sich Altstar Richard Dreyfuss als gebrechlicher Witwer ein Ticket für den Weltraum sichern.

Astronaut

KINOSTART: 15.10.2020 • Drama • CDN (2019) • 89 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Astronaut
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
CDN
Laufzeit
89 Minuten

Filmkritik

Für Träume ist es nie zu spät
Von Christopher Diekhaus

Im Regiedebüt der kanadischen Schauspielerin Shelagh McLeod will Oscarpreisträger Richard Dreyfuss als gebrechlicher Witwer in den Weltraum fliegen. "Astronaut" gelingt es aber nie, richtig abzuheben.

In jungen Jahren steckt man oft voller Tatendrang und brennt darauf, die ganze Welt zu erobern. Im Alter wiederum machen sich bei manchen Menschen Teilnahmslosigkeit und Langeweile breit. An spannende Abenteuer ist plötzlich nicht mehr zu denken. Und große Träume scheinen so weit entfernt, dass man die Jagd nach ihnen aufgibt. Anders geht es da Angus Stewart, dem Protagonisten aus "Astronaut", dem Regiedebüt der Schauspielerin Shelagh McLeod. Der von Oscarpreisträger Richard Dreyfuss (ausgezeichnet 1978 für seine Rolle in "Der Untermieter") verkörperte Witwer möchte es nach dem Ableben seiner demenzkranken Ehefrau noch einmal wissen und findet sich nicht damit ab, in einem Pflegeheim auf den Tod zu warten.

Angespornt von seinem Enkel Barney (Richie Lawrence), bewirbt sich der pensionierte Straßenbauingenieur trotz seiner schwachen gesundheitlichen Verfassung in einer Fernsehlotterie um den letzten freien Platz für einen kommerziellen Flug in den Weltraum. Organisiert wird die bahnbrechende Reise vom Milliardär Marcus Brown (Colm Feore), der unbedingt nach den Sternen greifen will. Mit kleinen Schwindeleien kämpft Angus um die verlockende Chance. Irgendwann erkennt er allerdings, dass Browns ehrgeiziges Projekt nicht in allen Punkten gut durchdacht ist.

Folge auch im Alter deinen Träumen! Die zentrale Botschaft von McLeods Erstlingswerk, die an einer Stelle unnötigerweise ausbuchstabiert wird, ist grundsympathisch und fraglos gut gemeint. "Astronaut" beweist aber vor allem eins: Eine ehrenwerte Prämisse allein macht noch lange keine aufregende Geschichte. So sehr sich der 72-jährige Hollywood-Veteran Richard Dreyfuss auch bemüht, der Hauptfigur Charme und Charisma zu verleihen: Wirklich interessant und berührend ist Angus' Ringen um das Weltraumticket nicht. Seine lange zurückreichende Faszination für die Geheimnisse des Universums, die angeblich zu dem Wunsch geführt hat, Astronaut zu werden, vermittelt sich dem Zuschauer leider viel zu selten. Spannende Fragen zum Menschsein und zur Rolle der Erdenbewohner stehen immer mal wieder im Raum. Ernsthaft befassen will sich der Film mit ihnen jedoch nicht.

Dramaturgisch geht dem von der Regisseurin selbst geschriebene Erbauungsdrama bereits im Mittelteil die Puste aus. Konflikte, die eingangs etabliert werden, lösen sich plötzlich in Luft auf. Und ohne erkennbaren Druck plätschert das Geschehen seinem vorhersehbaren Ende entgegen. Was Angus' Bewerbung so besonders macht, dass er die Vorauswahl erreicht, bleibt nebulös. In einer von mehreren wenig überzeugenden Handlungsverrenkungen muss natürlich ausgerechnet er den Milliardär Brown und seinen Mitarbeiterstab auf einen gravierenden Fehler bei den Planungen des Weltraumflugs hinweisen.

Alte Menschen sollte man nicht abschieben und ihre Träume durchaus ernst nehmen. Diese löblichen Gedanken unterstreicht "Astronaut" sehr deutlich. Schade nur, dass McLeod sie nicht in eine pfiffige Erzählung gießen kann. Dem nachweislich versierten Richard Dreyfuss, der auch in der Produzentenliste des Films erscheint, hätte man auf jeden Fall ein besseres Drehbuch gewünscht.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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