Zwei verwandte Seelen: Roxy (Luna Wedler) und Cyril (Aron Hilmer).
Romantisch, zeitgemäß und überhaupt nicht peinlich - Aron Lehmanns RomCom für Jugendliche und Junggebliebene "Das schönste Mädchen der Welt".

Das schönste Mädchen der Welt

KINOSTART: 06.09.2018 • Komödie • D (2018) • 103 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Das schönste Mädchen der Welt
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
D
Filmstudio
Telepool, Rialto Film, Tobis Film, Sat.1
Laufzeit
103 Minuten
Regie
Aron Lehmann
Music
Boris Bojadzhiev
Kamera
Andreas Berger

Filmkritik

Cyrano beim Rap-Battle
von Gabriele Summen

"Cyrano de Bergerac" meets "Fack ju Göhte" – "Das schönste Mädchen der Welt" von Aron Lehmann versteht es, junge und reife Herzen im Sturm zu erobern.

"So was wie dich hab ich noch nie gesehen, du bist die 100 auf der Skala von 1 bis 10. Ich flieg durchs Dach und versinke im Boden, um dich zu beschreiben braucht man einen Philosophen." Starke Worte, die der sensible Cyril, dessen Name nicht von ungefähr an den des Cyrano de Bergerac erinnert, für seine Roxy, das titelgebende "schönste Mädchen der Welt", rappt. Wie einst dem wortgewandten Helden mit der Riesennase aus Edmond Rostands 120 Jahre alten Versdrama, der sich nicht traute, seiner Angebeteten persönlich seine Liebe zu gestehen, ergeht es auch dem intelligenten 17-Jährigen von heute. Zwar purzeln ihm die schlagfertigen Sprüche und coolen Punchlines nur so aus dem Mund. Doch auch er ist leider mit einem riesigen "Gesichtserker" gesegnet. Bis zum Ende fiebert man als hoffnungsloser Romantiker mit, ob es Cyril auch in unserer auf Äußerlichkeiten fixierten Zeit gelingen wird, mit seiner inneren Schönheit sein Traummädchen Roxy für sich zu gewinnen.

Diese Roxy (European Shooting Star der diesjährigen Berlinale: Luna Wedler) ist in Lars Kraumes und Judy Horneys Drehbuchvorlage, die durch witzige und authentische Dialoge glänzt, nämlich glücklicherweise anders als die brave Roxanne aus Rostands Klassiker, an den das Filmteam sich ansonsten eng hält: Sie ist wild, klug, selbstbewusst, aber auch ziemlich haltlos. Soeben ist sie in England vom Internat geflogen und stößt in letzter Minute noch zu der Berlinfahrt von Cyrils Klasse. Mit Cyril ("krass gut": Aaron Hilmer) versteht sie sich sofort blendend – und auch die Chemie zwischen den beiden Jungschauspielern stimmt.

Bei einem Battle-Rap-Contest – die hitverdächtigen Songs wurden eigens für den Film komponiert – verschwindet Cyril angeblich mal eben kurz auf Toilette. In Wirklichkeit setzt er aber seine goldene Maske auf und räumt bei dem modernen Wettstreit der Worte, von denen es im Film so einige gibt, mit coolen Punchlines fett ab. Um Roxy ist es geschehen – nur leider hält sie den hübschen, aber nicht unbedingt cleveren Rick (Damian Hardung) für den geheimnisvollen Maskenmann. Doch Cyril ist es immer noch lieber, dass der zwar dämliche, aber gutherzige Rick mit seiner Angebeteten zusammenkommt, als der prollige Aufreißer Benno (YouTube-Stars Jonas Ems), der sie nur flachlegen und den Videobeweis ins Internet stellen möchte. Also schreibt Cyril für Rick hinreißende WhatsApp-Messages und Rap-Songs, um Roxy so heimlich zu beschützen. Schließlich rechnet er sich selbst bei ihr – trotz der ermutigenden Sprüche, die seine von Anke Engelke verkörperte, peinlich frivole und ebenfalls großnasige Mutter ihm mit auf den Weg gegeben hat – null Chancen aus.

Beste Chancen auf Erfolg hat hingegen Aron Lehmanns Spätsommerfilm: Dass die anderen Schüler in Cyrils Klasse, zu denen auch YouTuberin Julia Beautx (Titti) gehört, ein wenig zu stereotyp gezeichnet wurden, ist das einzige Haar in der Suppe. Selbst Rick, immerhin die zweite männliche Hauptrolle, wirkt wie eine Karikatur. Das Verhalten und die Sprüche der Halbstarken erinnern oft an die "Fack ju Göhte"- Problemschüler – wobei Cyrils Klasse noch intoleranter ist.

Und dennoch: "Aus einem See machst du das Meer, aus einem Stern ein Feuerwerk", rappt Cyril einmal für Roxy – diese mitreißende, deutsche RomCom, die ihr Genre mutig ausreizt und fast alles richtig macht, erweckt im Zuschauer tatsächlich ein ähnliches Gefühl.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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