Um ein Haus am See in Brandenburg und seine Bewohner herum entspinnt die Autorin Jenny Erpenbeck in ihrem Bestseller "Heimsuchung" einen Streifzug durch die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts: Ein jüdischer Tuchfabrikant muss vor den Nazis fliehen und seinen Teil des Grundstücks verkaufen, auf dem ein Architekt das Haus baut, in der DDR Karriere macht und nach seinem Scheitern dort später in den Westen geht. Schließlich beziehen die Großeltern der Autorin, ein kommunistisches Schriftstellerpaar, nach der Rückkehr aus dem sowjetischen Exil das Haus aus Erpenbecks Kindheitserinnerungen.
Volker Schlöndorff arbeitete bei seiner Adaption eng mit der Schriftstellerin zusammen, ließ sie sogar bei der Besetzung mitreden: Martina Gedeck und Michael Maertens verkörpern ihre Großeltern, Ulrich Matthes spielt den Tuchfabrikanten, Detlev Buck den Bürgermeister und Lars Eidinger, ohne den aktuell kaum ein Film oder eine Serie auszukommen scheint, den Architekten, sowie Susanne Wolff dessen Frau. Auch für Angela Winkler, seinen Star aus "Die Blechtrommel" und "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", fand Schlöndorff eine passende Rolle.
Während Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, lobte, dass Schlöndorff "die Genauigkeit und Haltung der Vorlage" bewahre und Bilder für das finde, "was zwischen den Zeilen liegt: das Verdrängte, das Mitgeschleppte, das Wiederkehrende", kritisieren andere eine allzu starke Vereinfachung des komplexen literarischen Werkes, sprachlich wie thematisch. Gelungene Verdichtung oder Verlust literarischer Tiefe? Das muss wohl jede(r) selbst entscheiden.