Lucy (Ellen Page, links) gesteht Mercy (Kate Mara), dass ihr Vater auf seine Hinrichtung wegen Mordes an ihrer Mutter wartet.
"My Days of Mercy" ist Liebesdrama und Film über die Todesstrafe zugleich.

My Days of Mercy

KINOSTART: 11.07.2019 • Drama • USA / GB (2017) • 107 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
My Days of Mercy
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
USA / GB
Filmstudio
Great Point Media, Killer Films, Lexis Media
Laufzeit
107 Minuten
Regie
Tali Shalom-Ezer
Music
Michael Brook
Kamera
Radek Ładczuk

Filmkritik

Liebe im Schatten der Todesstrafe
von Andreas Günther

Wer steht in Amerika wo im Streit um die Todesstrafe? Im Drama "My Days of Mercy" treffen eine Befürworterin und eine Gegnerin aufeinander – und verlieben sich ineinander.

Die Fallzahlen sinken kontinuierlich. Aber: Bis Ende Mai dieses Jahres wurden in Gefängnissen in den USA wieder neun zum Tode Verurteilte hingerichtet. Wie Waffenbesitz oder Abtreibung ist auch die Todesstrafe in Amerika heftig umstritten. Doch wer sind die Fürsprecher, wer die Gegner? Sind es nur dumme weiße Männer, die Verbrecher getötet sehen wollen? Und sind Angehörige von Minderheiten stets dagegen? Das Liebesdrama "My Days of Mercy" schickt sich an, vermutete Gewissheiten zu erschüttern – mit einem lesbischen Paar: die eine Frau protestiert gegen die Todesstrafe, die andere unterstützt sie.

Der Mensch, seine Meinung und seine sexuelle Orientierung halten sich eben nicht an scheinbare gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten und Stereotypen – das hätte in "My Days of Mercy" faszinierend zum Ausdruck kommen können. Zumal die israelische Regisseurin Tali Shalom-Ezer mit früheren Filmen wie "Surrogate" und "Princess" heikle Themen solide angepackt hat. Vor allem aber hat sie mit Ellen Page, berühmt seit ihrer Oscar-Nominierung für "Juno", und Kate Mara ("House of Cards") Spitzendarstellerinnen zur Verfügung. Doch gegen das verkorkste Drehbuch von Joe Barton kommen auch sie nicht an.

Mit ihrer älteren Schwester und ihrem kleinen Bruder legt die 23-jährige Lucy (Page) viele Meilen im Camper zurück. Sie fahren dorthin, wo Hinrichtungen stattfinden sollen, und protestieren lautstark dagegen, fordern Abbruch der Exekutionen, Begnadigung oder Wiederaufnahme der Verfahren. Obwohl ihnen der Zusammenhalt mit den Gleichgesinnten viel bedeutet, ist das Engagement doch fast immer frustrierend. So auch diesmal, als ein verurteilter Polizistenmörder hingerichtet wird. Flüchtig hat Lucy die hübsche, gleichaltrige Mercy (Mara) bereits entdeckt – auf der anderen Seite des Campingplatzes, bei den Befürwortern der Todesstrafe.

Mercy ist Rechtsanwältin und Tochter des Polizisten, der immer noch um seinen getöteten Partner trauert. Das hindert sie nicht daran, mit einer seltsamen Mischung aus Frechheit und Unsicherheit Lucy kennenlernen zu wollen. Nur widerstrebend gibt Lucy preis, dass auch ihr Vater (Elias Koteas) in der Todeszelle sitzt, weil er ihre Mutter getötet haben soll. Seine Kinder kämpfen nun um sein Leben. Nicht nur bietet Mercy ihre Hilfe an – sie und Ellen verlieben sich auch ineinander. Die Fahrten zu den Hinrichtungen bekommen eine amouröse Komponente. Aber gegenüber ihrer Familie verheimlicht Mercy die Beziehung.

"My Days of Mercy" ist ein Argument für die alte Hollywood-Wahrheit, dass ein schlechtes Drehbuch keinen guten Film ergeben kann. Auf der geschraubten Bühnensprache und Phrasen wie "Ich glaube, ich gehe jetzt besser" prangt der Stempel mittelmäßiger Schreibschule. Mit der Konstruktion steht es nicht besser. Dass Lucy und Mercy fröhlich Sex im Camper haben, während unweit von ihnen ein Strafgefangener seine Henkersmahlzeit verzehrt, schrammt knapp an unfreiwilligem schwarzen Humor vorbei.

Vor allem aber bleibt wertvolles Potenzial des Stoffes ungenutzt. Die anderen Protestler erhalten keine Gelegenheit, auf die lagerübergreifende Liebe zu reagieren. Dabei dürfte dies zweifellos Herz und Hirn der engagierten Menschen näher erschließen – zumal dann, wenn es um homosexuelle Verbindungen geht, die beileibe nicht allseits akzeptiert sind. Aber es gibt ja nicht einmal eine kontroverse Todesstrafen-Debatte zwischen den Liebenden. Ellen Pages gutes Porträt einer erschöpften und nun wiederaufblühenden jungen Frau geht da völlig unter.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Elias Koteas
Elliot Page
Kate Mara nicht Max Mara.
Kate Mara
Weitere Darsteller
Amy Seimetz Charlie Shotwell Tonya Pinkins Brian Geraghty Beau Knapp Jake Robinson Denise Dal Vera Buz Davis Jordan Trovillion Bishop Stevens Lisa DeRoberts Mac Blais Kevin Crowley Bryant Bentley Dann Fink Matt Walton William C. Ingram Bret Aaron Knower John E. Brownlee Shawn P. Farrell

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