Eigentlich verstehen sich Elsa und Michele als gutsituiertes Ehepaar. Sie haben Geld, haben Freunde, eine erwachsene Tochter und eine wunderbare Altbauwohnung in Genua. Als dann aber Michele von seinem Kompagnon aus der eigenen Firma geschmissen wird, kann der in seiner Ehre getroffene Mann seiner Frau die Wahrheit nicht sagen. Verzweifelt sucht er einen neuen Job und stellt schließlich Elsa vor vollendete Tatsachen: Aus Geldmangel muss die von ihr geliebte Wohnung verkauft werden. So wird nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt...

Schaffte es Regisseur Silvio Soldini mit "Brot & Tulpen" eine wunderbare, kleine Geschichte zu erzählen, so stören in seinem neuen Beziehungsfilm zu viele unglaubwürdige Prämissen sowie unnötige Längen. Vieles in seiner Vivisektion eines gutbürgerlichen Ehepaares, dass in einen Abgrund treibt, aus dem es schließlich mit Bravour selbst wieder herausfindet, funktioniert durchaus. Umso ärgerlicher, dass sich dann doch viele Ungereimtheiten eingeschlichen haben. Dass der Mann erst sehr spät von seiner Misere erzählt, mag man noch glauben, dass aber der Fall in den Abgrund stattfindet, obwohl das Paar noch relativ viel Geld zur Verfügung hat, stößt bei genauerer Analyse auf Unverständnis und stellt somit den ganzen Fortgang der Geschichte mehr als nur in Frage. Dies allerdings scheint einem Großteil von Kritik und Publikum völlig egal zu sein. Denn der Film lockte in seinem Heimatland weit über eine Million Zuschauer in die Kinos und bekam mit zwei Donatellos gleich zweimal den begehrtesten italienischen Filmpreis.

Foto: Movienet