Das Leben kann einem schon mal derart übel mitspielen, dass rasende Wut auch über ihr Ziel hinausschießen kann. So zumindest geht es den Passagieren eines Flugzeugs, die erkennen müssen, dass sie allesamt in die Falle eines gescheiterten Musikers getappt sind.

Oder die Kellnerin, die in einem Gast den Kredithai erkennt, der am Niedergang ihrer Familie Schuld ist, und ihm Rattengift ins Essen mischt. Oder der Autofahrer, der einen anderen beleidigt, was schließlich zu einem blutigen Duell eskaliert. Oder der Sprengstoffmeister, der sich darüber echauffiert, dass sein Auto unberechtigt abgeschleppt wurde und nach vielen weiteren Ärgernissen, die Willkür der Behörden abstrafen will. Oder die Familie, die den tödlichen Unfall, den ihr Sohn zu verantworten hat, auf den Gärtner abschieben will.

Und zu guter Letzt die Braut, die während der Hochzeitsfeierlichkeiten vom Seitensprung ihres Bräutigams erfährt und ziemlich ausrastet.

Mitunter bemerkenswert schwarzhumorig

Auch wenn die Episoden nicht alle gleich stark sind, "wilde Geschichten" sind es allemal. Ohne inhaltlichen Zusammenhang bestechen die sechs kurzen thematisch verknüpften argentinischen Erzählungen dennoch durch die gelungene Umsetzung, die mitunter bemerkenswert schwarzhumorigen, fantasievollen Ideen und die durchweg guten Darsteller (hierzulande kennt man bestenfalls Ricardo Darín ("In ihren Augen"), der den Sprengstoffexperten mimt).

Meist sind die Ausuferungen hin zu tödlichem Blutvergießen durchaus nachvollziehbar, eskalieren hier doch alltägliche und allzu menschliche Vorkommnisse. Auch wenn die einzelnen Geschichten dieser bitterbösen Farce meistens wenig spaßig enden: Spaß machen sie dennoch – zumindest wenn man schrägen Humor mag!

"Ein ausgezeichnetes Ventil"

Als Koproduzenten fungierten übrigens Pedro und Augustín Almódovar mit ihrer El Deseo Produktion. Für Drehbuchautor und Regisseur Damián Szifrón waren diese Geschichten nicht nur "ein ausgezeichnetes Ventil" für gesellschaftliche Missstände, sondern auch Ausdruck jener Wut über Ausuferungen der westlichen, kapitalistisch geprägten Staats- und Lebensformen. Hut ab!