Gojko Mitic

Gojko Mitic - der Vorzeigeindianer der DEFA Vergrößern
Gojko Mitic - der Vorzeigeindianer der DEFA
Gojko Mitic
Geboren: 13.06.1940 in Strojkovce bei Leskovac, heute Serbien

Was auf der einen Seite sarkastisch gemeint war, trifft auf der anderen Seite perfekt zu: Während Udo Lindenberg in seinem "Sonderzug nach Pankow" den Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker, als Oberindianer bezeichnete und unter anderem wegen dieser Formulierung auf dem Index landete, kann man Gojko Mitić durchaus so bezeichnen: Er ist der DDR-Oberindianer. Gerne auch der "Winnetou des Ostens", denn obwohl Gojko Mitić in Kinofilmen nie die Rolle des Apachen-Häuplings verkörperte, wurde er - zumindest in der Vorstellung vieler Zuschauer - zum sozialistischen Pendant zu Pierre Brice. Und so wie Pierre Brice den ewigen Ruf des Apachen nicht los wird, so kann auch Gojko Mitić seine Indianererfahrungen nicht vergessen machen. Doch mit diesem "einmal Indianer, immer Indianer"-Image kann er - so scheint es - wunderbar leben und schlüpft gerne in die Rolle des Tomahawk schwingenden Kriegers oder in die des allwissenden Medizinmannes. Da ist er auch gerne bereit im "Forsthaus Falkenau" den "Singenden Bär" zu mimen und doch ist er auch bemüht zu zeigen, dass es mehr gibt als den großen Häuptling Gojko.

Geboren wurde Gojko Mitić im serbischen Strojkovce, wuchs aber bei seinen Großeltern in einem Dorf an der Morava auf. Bereits in der Schule erhielt er Deutschunterricht. Als Zwanzigjähriger zog es ihn zum Studium nach Belgrad. Sein Berufswunsch: Sportlehrer. Als internationale Filmproduktionen Anfang der Sechziger sportliche Statisten in den Kreisen der belgrader Sporthochschule suchten, kam Gojko Mitić erstmals mit der Arbeit vor der Kamera in Kontakt. Zunächst trat er als Double und Stuntmen in britischen und italienischen Produktionen auf. 1963 erhielt er auch kleine, teilweise im Abspann ungenannte, Rollen an der Seite von Pierre Brice und Lex Barker in den "Winnetou"-Verfilmungen der Berliner Produktionsfirma Rialto-Film unter der Regie des Karl-May-Spezialisten Harald Reinl ("Winnetou I", 1963; "Winnetou II", 1964; "Winnetou III",1965). Und auch in Hugo Fregoneses "Old Shatterhand" (1963) durfte er seine Körpergewandheit unter Beweis stellen. Seine erste größere Rolle, den Indianer Wokadeh, spielte er in Alfred Vohrers "Unter Geiern" (1964), erneut an der Seite von Pierre Brice.

Zeitgleich entstanden in Jugoslawien auch die ersten DEFA-Indianerfilme. Mit der Hauptrolle des Häuptlings in "Die Söhne der großen Bärin" (1966) begann Gojko Mitić schließlich seine Karriere als Vorzeigeindianer in der DDR. Schnell wurde er als edler und mutiger Kämpfer, der alle Stunts stets selbst ausübte, zum Star der DEFA. Bis 1975 entstand jährlich ein Indianerfilm mit ihm in der Hauptrolle und stets mimte er den heldenhaften Häuptling, mit dem man sich schnell identifizieren konnte. 1967 sah man ihn in der Titelrolle in "Chingachgook, die große Schlange", ein Jahr später in der "Spur des Falken" neben Rolf Hoppe und Fred Delmare. 1969 folgte er als Weitspähender Falke den Mördern seiner Frau in "Weiße Wölfe". Mit dem Sciencefiction-Film "Signale - Ein Weltraumabenteuer" leistete er sich einen kurzen Ausflug in ein anderes Genre, stand aber 1970 erneut neben Rolf Hoppe für den Western "Tödlicher Irrtum" vor der Kamera und übernahm auch in "Osceola" (1971) die Titelrolle des Häuptlings. Bevor er mit "Tecumseh" (1972) die Indianerfilm-Reihe fortsetzte, sah man ihn gemeinsam mit Winfried Glatzeder in der Komödie "Der Mann, der nach der Oma kam" (1971). 1973 folgte "Apachen", im Jahr darauf "Ulzana" und schließlich - nach einem erneuten Ausflug in ein anderes Genre mit dem Krimi "Visa für Ocantras" (1974) - mit "Blutsbrüder" (1975) der vorerst letzte Film in der DEFA-Indianerfilm-Reihe. Bemerkenswert: da man befürchtete, dass ein Akzent die Indianer diskriminieren könnte, wurde er, obwohl er fließend Deutsch spricht, in sämtlichen Indianderfilmen der DEFA synchronisiert.

Bevor er in "Severino" (1978) kurzzeitig zum Western zurückkehrte, sah man ihn in dem jugoslawischen Drama "Najdolgiot pat" (1976), in der Fernsehproduktion "Die Liebe und die Königin" (1977) und in dem antifaschistischen Film "Ich will euch sehen" (ebenfalls 1978). Außerdem stand er regelmäßig auf der Theaterbühne und schlüpfte in verschiedene Rollen, fern von Federschmuck und Schamanengesang. Mit "Radiokiller", "Alma schafft alle", "Archiv des Todes" (TV-Serie, alle 1980) und "Aus der Franzosenzeit" (1981) folgten weitere Fernsehproduktionen. Der Kinderfilm "Der lange Ritt zur Schule" erwies sich 1982 als Parodie auf all die Indianerfilme, mit denen er berühmt wurde. Er schlüpfte hierbei in die Rolle des Sportlehrers, der in der Fantasiewelt des verträumten Schülers Alex zum "Roten Milan" wird. Seine letzte Indianerrolle für das Fernsehen der DDR übernahm er 1988 in der zweiteiligem Karl May-Verfilmung "Präriejäger in Mexiko".

Nach dem Fall der Mauer hielten sich die Angebote zunächst in Grenzen. In den ersten Jahren nach dem Ende der DDR sah man ihn lediglich in einigen kleineren Rollen in Fernsehproduktionen. Versuche seinerseits auch in anderen Genres, jenseits von Western und Indianerfilmen, Fuß zu fassen, waren in dieser Zeit nicht sehr erfolgreich. Wenn er besetzt wurde, dann meist wegen seines Rufes als Vorzeigeindianer. Ab 1992 übernahm er dann erstmals die Rolle des Winnetou. Allerdings nicht vor der Kamera, sondern bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg. 15 Jahre lang schlüpfte er in die Kluft des heldenhaften Apachen. Im Herbst 2006 nahm er nach 1024 Vorstellungen Abschied von der Festspielbühne und ging zuletzt mit "Winnetou III" in die "ewigen Jagdgründe". Außerdem wagte er 1996 und 1997 einen Ausflug in die Daily-Soap-Welt von "Verbotene Liebe". In knapp 100 Folgen spielte er Roberto Fiorani.

Parallel zu seinem Engagement als Winnetou in Bad-Segeberg blieb er der Arbeit vor der Kamera treu. Außer der Rolle in der bereits erwähnten Daily-Soap übernahm er auch Parts in dem Ärztedrama "Herberge für einen Frühling" (1995), dem etwas zäh daherkommenden Kinderfilm "Friedrich und der verzauberte Einbrecher" (1996) und der satirischen Betrachtung von 20 Jahren DDR-Geschichte in "Helden wie wir" (1999). Nach dem Ende seiner Festspiellaufbahn spielte er am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin den Häuptling Bromden in "Einer flog über das Kuckucksnest" und Sorbas in "Alexis Sorbas", darüber hinaus hatte er Rollen in der langweiligen Tragikomödie "Esperanza" und in "Ein starkes Team - Dunkle Schatten" (beide 2006). 2007 sah man ihn in einer Episodenrolle als Zirkusdirektor Bernd König in der Familienserie "Tierärztin Dr. Mertens". Ein Jahr später übernahm er kleinere Parts in "Wege zum Glück" (TV-Serie) und "Entführt - Ich hol dich da raus".

Weitere Serien und Filme mit Gojko Mitìc: "Maxe Baumann" (TV-Serie, 1982), "Der Scout" (1983), "Front ohne Gnade" (1984), "Außenseiter", "Weihnachtsgeschichten" (beide 1985), "Das wirkliche Blau" (1986), "Das Herz des Piraten", "Bereitschaft Dr. Federau" (TV-Serie, beide 1988), "Lasst mich doch eine Taube sein" (1990), "Salto postale" (TV-Serie), "Nyomkeresö", "Der Kinoerzähler", "Zirri - Das Wolkenschaf", "Burning Life" (alle 1993), "Küstenwache" (TV-Serie, 1999), "Aus gutem Haus" (TV-Serie), "Planet B - The Antman" (beide 2000), "Der Solist - Niemandsland", "In aller Freundschaft" (TV-Serie, beide 2001), "Donna Leon - Das Mädchen seiner Träume" (2011).

Foto: MDR


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