Meret Becker

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Als Schauspielerin und Sängerin erfolgreich: Meret Becker
Fotoquelle: Rene Teichmann/shutterstock.com
Meret Becker
Geboren: 15.01.1969 in Bremen, Deutschland

Sie ist eine der auffallendsten Erscheinungen des jungen deutschen Films: Meret Becker. Als Tochter der Schauspieler Rolf Becker und Monika Hansen kommt Meret Becker 1970 in Bremen zur Welt, wächst aber in Berlin auf. Als sie fünf ist, trennen sich die Eltern, Mutter Monika heiratet Otto Sander, Meret und ihr Bruder Ben ziehen zur Mutter und deren Ehemann.

Der Stiefvater ist für sie ein wundervoller Vater, liebevoll kritisch - und er weiß, wann er sie in Ruhe lassen soll. Bereits als Kind will sie Künstlerin werden. Das liegt in der Familie, die Eltern, der Stiefvater haben als Schauspieler einen Namen, auch die Großmutter Kläre Schlichting war Komikerin, der Großvater Tänzer, der Onkel Akrobat. Mit fünf Jahren hat sie ihren ersten Auftritt im Fernsehen in der Kindersendung "Rappelkiste", "ene mene miste, es rappelt in der Kiste" - das war der Ohrwurm für die Kids.

Als Meret 17 ist, schmeißt sie die Schule - gegen den Rat des Stiefvaters, aber voll entschlossen - und tastet sich an die Schauspielerei heran. Mit ihrem Ziehvater Otto Sander und dem greisen Curt Bois spielt sie in "Der Mond scheint über Kylenamoe". Das ist der Beginn ihrer Karriere als Schauspielerin. Aber ihre ganze Leidenschaft gehört der Musik: Sie singt und spielt Klavier, Akkordeon, Mundharmonika und Saxofon und hat steppen gelernt. Meret Becker verhält sich - wie ihre Film- und Fernsehfiguren - unkonventionell: Niemand ist eingeweiht, als sie heimlich ihren Freund, den Gitarristen Alex Hacke von den "Einstürzenden Neubauten", heiratet. Das war in Las Vegas, in der - wie sie sagt - hässlichsten Hochzeits-Kapelle der ganzen Stadt.

In ihren Rollen ist ihr kindhafter Charme unvergleichlich, dennoch hat sie nichts von jenen Kindfrauen, die zwischen unschuldigem Blick und sicherem Auftreten schwanken, wie Brooke Shields oder Nastassja Kinski. In "Happy Birthday, Türke!" (1991) spielt sie eine drogensüchtige kleine Hure, in Sönke Wortmanns "Kleine Haie" (1992) eine schrille Straßenmusikantin, die auf der Säge spielt und in Dominik Grafs "Die Sieger" (1994) eine Polizistenwitwe, die sich damit tröstet und über Wasser hält, dass sie sich einredet, ihr toter Mann würde sie täglich besuchen.

In "Freundinnen" von Heiko Schier ist Meret eine junge Selbstmordkandidatin und schließlich in Jürgen Bretzingers "Fremde, liebe Fremde" (1991) die vermeintlich stumme Ali. Das sind ganz unterschiedliche Rollen, die - jede für sich - etwas Eigenes, Unverwechselbares haben. Was sie verbindet, ist die Offenheit des Ausdrucks, der Augenaufschlag, mal sehr verhalten, langsam und mal abrupt. Blicke schweifen in die Ferne, als suchten sie irgendwo im Unendlichen einen Fixpunkt. Aber sie ist auch immer wieder anderes: Clown, Lolita, Punk. Es sind fast immer Menschen am Rande des Abgrundes, die die Schauspielerin Meret Becker offensichtlich anziehen, Menschen an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. Da ist das Mädchen Rita in Horst Szerbas Fernsehfilm "Die Schamlosen", eine ihrer eindringlichsten Rollen. Rita hält sich an Freddie fest, das ist ihr Bruder, aber gleichermaßen sind sie auch ein Liebespaar.

Meret Beckers Rollen sind häufig auch skurril, immer aber verhält sie sich klar, gerade, spielt keine krummen Spielchen. Manchmal gibt ihr kompromissloses Spiel auch schwächeren Filmen Profil, wie etwa Lienhard Wawrzyns "Der Blaue" (1993): Isabelle Skrodt steht zwischen zwei Männern, dem Vater Otto (Manfred Krug), einem ehemaligen Stasi-Spitzel und gnadenlosen Aufsteiger und ihrem Geliebten Kalle Kaminski (Ulrich Mühe), den der alte Herr damals verraten hat und jetzt loswerden will. Isabelle setzt ihren Vater unter Druck, als Kaminski wieder auftaucht, und sie ist der Störfaktor in einer glatten Kolportage-Story.

1997 war Meret Becker an der Seite ihres Bruders Ben in Joseph Vilsmeiers "Comedian Harmonists" zu sehen, spielte in Caroline Links "Pünktchen und Anton" (1998), an der Seite von Nina Hoss in Ottokar Runzes "Der Vulkan" (1999) sowie mit Roman Knizka in "Rote Glut" (2000).

Weitere Filme mit Meret Becker: "Kaltgestellt" (1980), "Werner - Beinhart!" (1990), "Allein unter Frauen" (1991), "Geteilte Nacht" (1993), "Das Versprechen", "Polizeiruf 110 - Totes Gleis" (beide 1994), "Das Leben ist eine Baustelle", "Diamanten küsst man nicht", "Kondom des Grauens", "Liebe Lügen", "Rossini - Oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief", "Sperling und der gefallene Engel" (alle 1996), "Das Gelbe vom Ei" (1998), "Der Einstein des Sex", "Fernes Land - Pa-Isch" (beide 2000), "Planet Alex", "Heinrich der Säger", "Null Uhr 12" (alle 2001), "Kommissarin Lucas - Die blaue Blume" (2002), "Poem", "Katzenzungen", "Pipermint... das Leben, möglicherweise" (beide 2003), "Unkenrufe - Zeit der Versöhnung" (2005, Gastauftritt), "Polly Blue Eyes", "München", "Urlaub vom Leben", "3° kälter" (alle 2005), "Komm näher", "Mein Führer", "Beutolomäus und der geheime Weihnachtswunsch" (alle 2006), "Meine schöne Bescherung" (2007), "Friedliche Zeiten" (2008), "Marie Brand und die Nacht der Vergeltung" (2009), "Boxhagener Platz", "Rottmann schlägt zurück" (beide 2010), "Kokowääh", "Die Lehrerin", "Fliegende Fische müssen ins Meer" (alle 2011), "Quellen des Lebens" (2012), "Feuchtgebiete", "Der Geschmack von Apfelkernen" (beide 2013).

Meret Becker über ihre Musik, ihre Filme und ihr Leben

Prisma Meret, die meisten kennen dich als Schauspielerin. Wie reagiert das Publikum auf deine Musik?

Meret Becker Es gibt immer ein paar Leute im Publikum, die während der Vorstellung gehen, weil sie von mir Chansons aus den 20er Jahren erwarten, wie ich sie vor meiner aktuellen Platte "Nachtmahr" gesungen habe. Es geht gar nicht so sehr um die Melodien, sondern darum, Klangbilder zu erzeugen.

Prisma Die Texte drehen sich oft um Kindheit und Tod. Auch die Musik deines Bruders Ben klingt teilweise sehr düster. Woher kommt das?

Meret Ben ist viel moderner als ich. Aber stimmt schon. Es gibt merkwürdige Parallelen in unserem musikalischen Werk. Wir sind beide in Bremen in einer anarchistischen Wohngemeinschaft aufgewachsen und hatten viele Freiheiten, durften alleine im Keller rumspuken oder solche Sachen. Mag sein, dass das an diesen gemeinsamen Erlebnissen liegt. Ich habe Themen gesucht, an denen mir etwas liegt, die ich anderen mitteilen möchte. Und was mir immer im Gedächtnis blieb, waren Dinge aus der Kindheit. Dadurch, dass ich mit fünf Jahren von Bremen nach Berlin kam, weiß ich ganz genau, woran man sich bis zu seinem fünften Lebensjahr erinnert. Diese Erinnerungen festzuhalten, war für mich immer sehr wichtig, obwohl es viele gruselige und unheimliche Sachen waren. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass es mir ein Anliegen ist, das festzuhalten. Ich würde diese Geschichten über Kindheit und Tod nie erzählen, wenn sie nur für mich gültig wären. Ich dachte ja lange Zeit, mit mir stimmt irgendwas nicht, bis ich dann merkte, dass viele Menschen darüber nachdenken.

Prisma Kriegt deine Tochter Lulu auch schon Gruselgeschichten zu hören?

Meret Nein, die ist ja erst ein halbes Jahr alt. Aber mein fünfjähriger Stiefsohn hat mitgekriegt, dass ich viele Märchen von den Gebrüdern Grimm kenne und wollte unbedingt eins hören. Da habe ich ihm dann das vom Gevatter Tod erzählt. Und da stand er dann nachts halbnackt im Hof des Tonstudios und hat nach seinem Papa geschrien. Er wollt's haben, und er hat's gekriegt.

Prisma Grusel und Tod. In deinem neuen Kino-Auftritt, der Klaus-Mann-Verfilmung "Der Vulkan", kommst du auch nicht gerade glücklich daher. Letztendlich bringst du dich um.

Meret Ja, ich hatte erst Schwierigkeiten, wieder mal den traurigen Part übernehmen zu müssen. Das passiert mir ja leider sehr oft. Es ist ja auch schön, Leute am Abgrund zu spielen, aber im "Vulkan" war es so eine Art von Traurigkeit, von der ich denke, dass sie sich mittlerweile wiederholt.

Prisma Hast du Klaus Mann in deinem privaten Bücherregal stehen?

Meret Ne, ich bin ein ganz unbelesener Mensch. Das glaubt man gar nicht. Obwohl es schon Ausnahmen gibt. Ich habe zum Beispiel alle Shakespeare-Stücke gelesen, weil ich mich mal in England an einer Schauspielschule beworben hatte. Und mit Bert Brecht kenne ich mich gut aus. Den musste ich für ein Bühnenprogramm mit Nina Hagen studieren. Gedichte und Balladen kann ich rauf und runter. Als Kind war ich mal schlimm krank und lag im Krankenhaus, und dann kam Otto (Stiefvater Otto Sander, d. Red.) vorbei und brachte mir die Hausaufgaben aus der Schule. Das habe ich aber überhaupt nicht auf die Reihe gekriegt. Mit einer Ausnahme: Wir sollten "John Maynard" von Theodor Fontane auswendig lernen. Das habe ich geschafft. Danach haben Otto und ich sämtliche anderen deutschen Balladen durchgenommen. Seitdem bin ich absoluter Gedicht-Fan.

Prisma Lyrisch hat dich also Fontane begleitet. Mit welchen Filmen bist du aufgewachsen?

Meret Ich bin hollywood-verseucht. Meine Mutter hat mir früher immer erzählt, wer mit wem verheiratet war, und wer wie gestorben ist. Die alten Stars kenne ich alle: Grant, Hudson, Stewart, Hepburn und so. Und von der Monroe habe ich sogar eine kleine Sammlung. Mit dem heutigen Hollywood kann ich weniger anfangen. Das ist ja eine Industrie geworden, die auf den Massengeschmack ausgerichtet ist. Das interessiert mich nicht.

Prisma Und wie bewertest du die deutsche Film-Industrie?

Meret Wir in Deutschland haben ja gar keine Film-Industrie, obwohl wir krampfhaft versuchen, eine aufzubauen. Es gibt verschiedene Lager: die kommerziellere Münchner Szene, und die versponnenere Berliner Szene, aus der ich ganz gerne mal nach München eingekauft werde.

Prisma Helmut Dietl steht für München. Hast du in "Rossini" gerne mit ihm gearbeitet? Seine"Late Show" war ja zuletzt ein Riesen-Flop.

Meret Ja, die Arbeit hat Spaß gemacht. Nur lässt Dietl an keiner einzigen Person etwas Gutes. Der Glaube an die Emotionalität der Menschen existiert in den Dietl-Filmen ganz einfach nicht mehr. Darüber habe ich mich auch mal mit ihm unterhalten. Dietl hat den Glauben an das Gute im Menschen verloren. Er meint, dass jeder Mensch vom System manipuliert ist. Ich glaube, dass er das Leben nicht nur in seinen Filmen, sondern wirklich so einschätzt. Ich bin überhaupt nicht dieser Meinung. Ich habe Freunde, auf die kann ich mich jederzeit hundert Prozent verlassen. Er ist vielleicht ein bisschen zu lange in der Münchner Film-Szene. Der müsste mal für 'ne Weile nach Berlin kommen. Er sollte mehr an das Herz glauben.

Prisma Klingt hart. Pflegst du denn Freundschaften in der Film-Szene?

Meret Ich habe mit Schauspielern privat ganz wenig zu tun. Eine Freundschaft habe ich nur mit Nicolette Krebitz. Wir sind ja über zehn Ecken verwandt, so eingeheiratet eben. Sie ist auch eine der wenigen Personen, die Musik ernsthaft betreiben. Also treffen sich da viele Interessen. Ansonsten habe ich viel mehr mit Musikern als mit Schauspielern zu tun. Musiker sind meist Leute, die sich mehr mit dem Leben und den Zusammenhängen beschäftigen.

Prisma Mit dir beschäftigt sich regelmäßig die Presse. Interessiert es dich, was man über Meret Becker schreibt?

Meret Ja, schon. Aber die "Titanic" ist die einzige Zeitschrift, die ich regelmäßig lese. Ich sitze ja zwischen zwei Welten. Ich bin jemand, über den die Yellow Press schreibt, und ich bin jemand, über den die Intellektuellen-Blätter schreiben. Es gibt einen Ordner, in den alles reinkommt. Meine Mutter archiviert das. Sie hat ein Meret-Archiv und ein Ben-Archiv.

Prisma Welches ist dicker?

Meret Meins. Ich glaube, ich habe vier Ordner, er hat drei. Aber nur, weil ich früher mit der Schauspielerei angefangen habe. Interview: Martin Häusler


Zur Filmografie von Meret Becker
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