Vor 20.000 Jahren: Der junge Keda (Kodi Smit-McPhee, rechts) schließt Freundschaft mit einem Wolf.
"Alpha" gibt sich als familienfreundliches Tierabenteuer, hat dafür aber zu grausame und unheimliche Elemente.

Alpha

KINOSTART: 06.09.2018 • Abenteuer • USA (2018) • 96 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Solutrean
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
USA
Filmstudio
Studio 8, Columbia Pictures
Budget
51.000.000 USD
Einspielergebnis
35.808.437 USD
Laufzeit
96 Minuten
Regie
Albert Hughes
Music
Michael Stearns, Joseph S. DeBeasi
Kamera
Alan Markfield, Martin Gschlacht, Christopher Duskin, Saeed Adyani, Michael Merriman, John Spooner, Patrick Rousseau, Stephen Maier

Filmkritik

Tierfilm zwischen "Lassie" und "The Revenant"
von Andreas Günther

Die Bilder sind zum Teil atemberaubend. Doch der Tierabenteuer-Film "Alpha" tendiert zu stark zum Grausamen und Unheimlichen, um wirklich familienfreundlich zu sein. 

In "Alpha" schließt ein junger Heranwachsender Freundschaft mit einem Wolf und besteht mit ihm gefährliche Herausforderungen. Und das auch noch in der Eiszeit, die dank pfiffiger Museen großes Interesse bei den nachwachsenden Generationen genießt! So scheint das ideale Kinoerlebnis für die ganze Familie gefunden. Doch Eltern und andere Erziehungsberechtigte sollten sich die Sache gut überlegen. Dass das wilde Tier den Jungen recht schnell abschleckt und bei der Jagd zur Seite steht, verdient das nachsichtige Lächeln des Erwachsenen und geht noch in Ordnung. Nur verträgt es sich definitiv nicht mit der Verstörung über eine gefrorene Leiche neben einem Zelt in trostloser Eiswüste. Die gehört eben in einen völlig anderen Film. Zwischen "Lassie" und "The Revenant" lavierend, findet "Alpha" nicht zu dem Tierabenteuer, das Groß und Klein fesseln könnte. Überraschenderweise fehlt dazu etwas für das Genre ganz Selbstverständliches.

Zunächst ist das nicht zu erwarten. Das Drehbuch von Daniele Sebastian Wiedenhaupt nach einer Geschichte von Regisseur Albert Hughes initiiert ein gefälliges und berechenbares Spektakel aus viel Emotion und Pathos. Die Stimme von Morgan Freeman raunt vom Überleben des Stärkeren in der Vorzeit, von der Notwendigkeit von Führerschaft und einer Begegnung zwischen Mensch und Tier, die "die Menschheit verändert" habe. Der junge Keda (Kodi Smit-McPhee, "The Road"), der mit seinem Stamm vor 20.000 Jahren in Europa lebt, entspricht so wenig diesen Vorstellungen, dass einigermaßen klar ist, wohin die Heldenreise gehen wird.

Obwohl verzagt, verängstigt und sensibel, darf Keda mit Vater und Häuptling Tau (Jóhannes Haukur Jóhannesson) auf Bisonjagd. Der Plan ist, die Tiere in eine Schlucht stürzen zu lassen. Doch Keda geht mit über die Klippe und bleibt auf einem Felsvorsprung bewusstlos liegen. Der Vater und die anderen Jäger halten ihn irrtümlicherweise für tot. Mit Glück im Unglück und verzweifeltem Durchhaltewillen gelangt Keda in die Ebene zurück. Er muss sich Wölfen erwehren, verletzt einen von ihnen schwer – und pflegt ihn. "Alpha" (Wolfshund Chuck in seiner laut Abspann ersten Starrolle), wie er ihn nennt, wird zu einem treuen Gefährten.

Es steckt viel Disneyland in "Alpha": Kedas Stamm scheint aus übersichtlichen Vater-Mutter-Kind-Kleinfamilien zu bestehen, die Bekleidung sieht nach rustikaler Outdoor-Ware aus. Die Bisons trappeln animiert, die Wildschweine sind Marke Asterix und Obelix. Aber ein Unterhaltungsfilm darf ja auch einer sein. Umso unerwarteter ist der Rappel der Macher, plötzlich ganz anders sein zu wollen. Zu Trommelrhythmen entdeckt die Kamera unendliche Weiten. Lagerfeuerfunken vereinen sich mit Sternen am Abendhimmel. Die Jäger reiben sich mit Bisonkot ein. Aber dass ein riesiger Geier Keda in den Mund hackt, signalisiert den Beginn von Grenzüberschreitungen, die die Tonalität des Films ruinieren – so wie die Tötung und Häutung einiger Bisons für die Dreharbeiten seinem Ruf schadet.

Da ist die süßliche Idylle zwischen Herr und Hund nicht mehr tragbar. Den Kreativen mag das dumpf bewusst gewesen sein. Es würde erklären, warum das Zueinanderfinden von Keda und Alpha so plump arrangiert ist. Das rächt sich. Es fehlen Herz im Beziehungsaufbau und Mut zur Rührung statt zur Grausamkeit. So geraten die scheinbar gefährlichsten Momente fade. Die Läuterung zur Freundschaft aller Geschöpfe unter Weinen und Bangen im dunklen Kinosaal, die herrliche Katharsis des Tierabenteuers also, die entfällt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Glutäugige Schönheit: "Cleopatra"-Darstellerin Leonor Varela.
Leonor Varela
Der US-amerikanische Schauspieler, Regisseur und Produzent Morgan Porterfield Freeman Jr. wurde am 1. Juni 1937 in Memphis, Tenessee, geboren.
Morgan Freeman
Weitere Darsteller
Kodi Smit-McPhee Jóhannes Haukur Jóhannesson Marcin Kowalczyk Jens Hultén Natassia Malthe Spencer Bogaert Mercedes de la Zerda Priya Rajaratnam Nashon Douglas Michael Kruse-Dahl Kyle Glenn Thomas Nestor de la Zerda Louis Lay Patrick Flanagan Blake Point Taran Kootenhayoo

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