Chief (links) und den anderen Alpha-Dogs helfen dem resoluten Jungen Atari dabei, seinen Leibwächterhund Spots zu finden.
In "Isle of Dogs - Ataris Reise" kommt Regisseur Wes Anderson auf den Hund - und das ist ziemlich unterhaltsam.

Isle of Dogs - Ataris Reise

KINOSTART: 10.05.2018 • Abenteuer • USA (2018) • 102 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Isle of Dogs
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
USA
Filmstudio
Studio Babelsberg, American Empirical Pictures, Indian Paintbrush, Scott Rudin Productions
Budget
62.770.198 USD
Einspielergebnis
64.207.623 USD
Laufzeit
102 Minuten
Regie
Wes Anderson
Music
Alexandre Desplat
Kamera
Tristan Oliver, Mark Swaffield, Ray Lewis, Valérie Sadoun

Filmkritik

Auf die Hunde gekommen
von Andreas Fischer

Obwohl sich Hund und Katz' nicht ausstehen können, würde wohl keines der Tiere so weit gehen wie die Menschen in "Isle of Dogs – Ataris Reise". Um ein Grippeproblem zu lösen, verbannen sie einfach alle Hunde aus der Stadt Megasaki auf eine Müllinsel. Als niedlicher Puppentrickfilm verkleidet, als irrwitziges Abenteuer und als Liebeserklärung an die japanische Kultur und von Hunden an ihre Herrchen ist der zweite Puppentrickfilm von Wes Anderson ("Der fantastische Mr. Fox") auch eine Allegorie des Zeitgeistes. Mit kindischer Freude verbreitet der Filmemacher politische Botschaften. Was aber nicht weiter tragisch ist.

Propaganda, Fake News, Umweltkatastrophen, Korruption, ein totalitäres Regime, Ausgestoßene und Abschiebelager: In "Isle of Dogs – Ataris Reise" gibt es nichts, was es nicht auch zwischen Washington und Moskau, zwischen Ankara und Brüssel, zwischen Libyen und Lampedusa gibt. Trotzdem wird Wes Anderson auch nach "Isle of Dogs" nicht als politischer Regisseur in die Kinogeschichte eingehen. Dafür sind seine Metaphern über den Zustand einer Welt voller Ängste etwas zu unbeholfen.

Aber erstens geht es einem Fantasten wie Anderson, der das Drehbuch zusammen mit seinen Stammschreibern Roman Coppola und Jason Schwartzman verfasste, auch gar nicht um die politischen Statements. Und zweitens entschädigen der visuelle Einfallsreichtum und der kauzige Humor für jegliche Simplifizierung des diesjährigen Berlinale-Eröffnungsfilms.

Mit ruppig-schöner Animation erzählt Anderson eine retro-futuristische Hundefabel. Im japanischen Moloch Megasaki will ein autoritärer Bürgermeister eines nicht allzu fernen Tages alle Hunde aus der Stadt verbannen. Sein Vorwand: eine fiese Hundegrippe, die sich auf die Menschen übertragen könnte. Weil gezielte Desinformationen gerne Massenhysterien auslösen, finden sich die rotznäsigen Köter alsbald auf Trash Island wieder, einer Müllinsel, auf der sie entweder verrückt werden, wehleidig oder gewalttätig.

Was ist nur aus des Menschen besten Freunden geworden? Nun ja: Sie prügeln sich um Essensreste und versuchen irgendwie, ihre letzten Tage zu überstehen. Bis Atari mit einem kleinen Flugzeug auf der Insel abstürzt: Der zwölfjährige Junge, ein entfernter Verwandter des Bürgermeisters, vermisst seinen Hund Spots. Der wurde einst als Erster ins Exil geschickt.

Rex (Originalstimme: Edward Norton), King (Bob Balaban), Duke (Jeff Goldblum) und Boss (Bill Murray) und Chief (Bryan Cranston), eine Gang aus fünf Alpha-Dogs, nehmen sich des Jungen an und helfen ihm bei der Suche. Vor allem der zunächst mürrische Herumtreiber Chief, dessen Credo lautet: "Ich belle nicht, ich beiße!", findet mit der Zeit Gefallen an dem Jungen, der sich als einer der letzten verbliebenen Aufrechten um die Hunde sorgt. Die anderen sind Journalisten einer Schülerzeitung: Angeführt von der US-Austauschschülerin Tracy (Scarlett Johansson) decken sie des Bürgermeisters mörderisches Komplott auf.

Ein unverbesserlicher Patriarch, ein verstoßener (Adoptiv-)Sohn, eine kindisch anmutende Welt, die nicht frei von blutigen Konsequenzen bleibt: Wes Anderson erfindet sich nicht neu mit "Isle of Dogs". Und er geht erzählerisch wieder viele Umwege, auf denen man sich verlieren kann. Auch das kennt man aus seinem Werk: die Splitscreens, die Zeitsprünge, die Ausflüge auf Nebenschauplätze. Manch einer mag sich daran sattgesehen haben, und manch anderer mag bemängeln, dass Anderson nichts Neues einfällt und dass der Silberne Bär für die beste Regie auf der Berlinale zu viel des Guten war. Das kann man nachvollziehen, man kann aber auch eine andere Interpretation wählen.

Die nämlich, dass der Mann eine unverwechselbare Handschrift hat und die Sicherheit seines gewohnten künstlerischen Gerüstes braucht, um sich austoben zu können. Fertig gespielt hat er hoffentlich noch lange nicht. Schließlich fand Anderson bislang noch immer eine neue Perspektive und fügte seiner Handschrift neue Krakel hinzu. Diesmal sind sie inspiriert von der japanischen Kultur, vom Kino Akira Kurosawas, von Monsterfilmen wie "Godzilla", von der Animationslegende Hayao Miyazaki.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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