Hinter seinem kaputten Rücken bandelt Richards (Charly Hübner) Frau Luisa (Lina Beckmann) mit seinem Chef Leopold (Benno Fürmann) an.
Wenn es einen plötzlich zweimal gibt, kann man schon mal fragen "Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?".

Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?

KINOSTART: 08.03.2018 • Komödie • D (2017) • 94 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D
Laufzeit
94 Minuten
Regie

Filmkritik

Die bessere Hälfte
Von Andreas Fischer

Plötzlich ist Luisa doppelt da. Ihr Alter Ego liegt einfach im Bett. Der Schock hält aber nicht lange an. Nach anfänglicher Skepsis erkennt die Paartherapeutin nämlich die Vorzüge, die ein zweites Ich im Alltag mit sich bringt. Vor allem, wenn es in der Ehe nicht mehr läuft und ein feuriger Liebhaber Leidenschaft verspricht. Was wäre, wenn man nur das Angenehme selbst erledigen und das Nützliche einem anderem Ich aufdrücken könnte? Es ist eine vergnügliche Idee, aus der die Filmemacherin Lola Randl ihren dritten Spielfilm entwickelte. "Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?" mag bisweilen recht derbe daherkommen, lädt aber mit hintergründigem Humor und origineller Inszenierung auf eine kurzweilige Entdeckungsreise in die Untiefen der Seele ein.

Luisa, die von der umwerfenden Lina Beckmann gespielt wird, und der knuddelige Richard (Charly Hübner) haben sich nicht mehr viel zu sagen. Es gibt zwar keine bösen Worte. Aber das aufregendste an ihrer Ehe ist, wenn Richard Bohnen kocht. Lust und Leidenschaft holt sich Luisa beim Chef ihres Gatten. Mit Leopold (Benno Fürmann) will sie heimlich in ein Liebeswochenende fahren, während Richard bei einem Klassentreffen weilt. Doch der liegt plötzlich mit einem Hexenschuss darnieder.

Doch zum Glück taucht plötzlich Luisas Doppelgängerin auf, eine kindlich-naive Version ihres Ichs. Also fasst die gestresste Frau einen perfekten Plan: Ihr Alter Ego, dass sie kurzerhand Ann tauft, soll sich um ihren Richard kümmern, während sie selbst mit Leopold auf ihren sexuellen Abenteuertrip gehen kann.

Nun muss man kein Psychologieexperte sein, um zu wissen, dass Luisas Plan nicht frei von Fallstricken ist. Persönlichkeitsabspaltungen sind schließlich auch nur Menschen, die irgendwann einen eigenen Willen entwickeln: "Eigentlich bin ich nur eine Panikattacke", offenbart sich Ann dann auch einer Thekenbekanntschaft. "Aber ich möchte auch mal was erleben."

Lola Randl gönnt ihr jede Menge Erlebnisse in ihrem Film, den sie ideenreich schrieb und fantasievoll in Szene setzte. Knallig bunt und hektisch einerseits, ruht der Film anderseits in sich, um sich auf seine Figuren konzentrieren zu können. Vor allem für Luisa und Ann, die sich als Freudsches Über-Ich und Es innig kabbeln, hat Lola Randl jede Menge Erkenntnisgewinn vorgesehen. Das geht beim eigenen Körpergefühl los und hört bei der Frage, wie man damit umgeht, wenn sich zwei Menschen in einer Beziehung auseinanderleben, noch lange nicht auf.

Dass Randls Film trotz groben Klamauks so wunderbar funktioniert, hat sie auch Lina Beckmann zu verdanken, die mit Wonne und Anlauf in all die Fettnäpfchen tritt, die sich Luisa und Ann in den Weg stellen. Und nicht zuletzt dem poppig-bunten visuellen Stil, der "Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?" so gar nicht wie einen üblichen Verdächtigen aus dem deutschen Beziehungskino aussehen lässt, sondern eher so wirkt, als hätten Jacques Tati und Pedro Almodóvar nach einer durchzechten Nacht das Kommando übernommen.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller
Auch auf der Leinwand präsent: Benno Fürmann (hier als Sven Stanislawski in "Heil").
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