Tolle Bilder, doch Aryan Dashni (Zsombor Jéger kopfüber) wird vorgeführt wie ein Zirkuspferd.
Kornél Mundruczó inszeniert einen übersinnlichen Krimi zur Flüchtlingsproblematik.

Jupiter's Moon

KINOSTART: 22.11.2018 • Drama • H (2017) • 129 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Jupiter's Moon
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
H
Laufzeit
129 Minuten
Music

Filmkritik

Surreales Gegenwartspuzzle
Von Claudia Nitsche

Als eine Mischung aus politischer Parabel und sarkastischem Superhelden-Epos wird "Jupiter's Moon" angepriesen. Einen Flüchtling mit Superkräften auszustatten, ist wirklich eine formidable Idee. Theoretisch.

Der ungarische Filmemacher Kornél Mundruczó verarbeitet in diesem übersinnlichen Krimi-Drama Erfahrungen, die er im Vorfeld einer Theaterinstallation machte. Als sich Europa am Anfang der sogenannten Flüchtlingskrise befand, quartierte er sich als Vorbereitung für seine Inszenierung von Schuberts "Winterreise" einige Tage im Flüchtlingslager Bicske ein, das damals gerade eingerichtet wurde. Gleichzeitig betont der Ungar aber, dass er keinen Film über Flüchtende drehen wollte. Die gegenwärtige Situation diene ihm vielmehr als Kontext dafür, über Wunder nachzudenken. Sachliche und politische Kunst sei für ihn immer eher uninteressant gewesen.

Dennoch lässt er den jungen Syrer Aryan Dashni (Zsombor Jéger) mit seinem Vater Muraad (David Yengibarian) über die serbische Grenze nach Ungarn fliehen. Kaum betreten sie das neue Land, wird auf sie geschossen. Aryan wird getroffen. Der Polizist Laszlo (György Cserhalmi) sucht verzweifelt nach einem Mann mit Schusswunden, findet aber keinen, weil der junge Syrer statt zu sterben zu schweben beginnt. In der Krankenabteilung des Flüchtlingscamps bemerkt Dr. Gabor Stern (Merab Ninidze) das Wunder. Dieses kommt ihm sehr gelegen, denn der junge Mann verfügt über kein soziales Umfeld und ist auf Hilfe angewiesen. So verdingt sich Stern, der wegen eines Kunstfehlers suspendiert ist und in Geldproblemen steckt, als Vermarkter des talentierten Flüchtlings.

In dieser Geschichte steckt viel Potenzial, denn der Fokus liegt auf den Moralvorstellungen der Personen, die die Gebenden sein sollten, denen es so gut geht, dass Menschlichkeit möglich wäre. "Danke mir, nicht Gott", sagt Stern einmal zu seinem Schützling, den er als Zirkusnummer durch die Krankenzimmer seiner reichen Klienten führt. Wer mir etwas einbringt, der darf bleiben. Das wäre ein heißes Eisen. Doch dann schweift der Regisseur ab, erhebt den Jungen zur Christusfigur und schwadroniert über die Gottlosigkeit des Landes. Es geht auf weltfremde Weise um Engel und Wunder. Mundruczó, der häufig in Deutschland am Theater arbeitet, schwelgt in seinen übernatürlichen Elementen, liebt auch das klassische Action-Genre und inszeniert inbrünstig wiederkehrende Verfolgungsjagden, bei denen der Polizist stets einen Schritt zu spät kommt.

Der Superheld darf als Engel der Lüfte durch die Geschichte fliegen, aber seine erzählt er nicht. Er ist ein feingeistiger Mensch, der sich mit dem korrupten, abgehalfterten Arzt einlassen muss, der nur seinen Vorteil sucht. Als wäre dem Regisseur während des Drehens noch viel zu viel eingefallen, weiß er sich nicht mehr zu entscheiden, wovon er erzählen will. Den jungen Syrer vergisst er jedenfalls, und das mag als einzige zynische Facette dieses Films stehen bleiben.

"Jupiter's Moon" ist eine zweistündige Flucht, inhaltlich tritt das zerfaserte Drama jedoch schmerzlich auf der Stelle. Gewaltiges Verzetteln auf Nebenschauplätzen und dramaturgische Schwächen sind schon ein dickes Brett auf der Sollseite. Was aber fast noch schwerer wiegt, ist, dass Mundruczó nie von diesen beiden Menschen erzählt. Menschlichkeit fehlt in dieser surrealen und unrealistischen Erzählung zu jeder Zeit.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Weitere Darsteller

Neu im kino

Rex Gildo - Der letzte Tanz
Dokumentarfilm • 2022
prisma-Redaktion
Im Westen nichts Neues
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Juan Romero (Elyas M'Barek) lassen seine Zweifel keine Ruhe. Er ist das filmische Pendant zu Juan Moreno und eine der beiden Hauptfiguren in Michael "Bully" Herbigs neuem Film "Tausend Zeilen", der den Fall Relotius satirisch aufarbeitet.
Tausend Zeilen
Drama, Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Mittagsstunde
2022
Don't Worry Darling
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Moonage Daydream
Dokumentarfilm • 2022
prisma-Redaktion
Ticket ins Paradies
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Lieber Kurt
Komödie • 2022
Orphan: First Kill
Horror • 2022
prisma-Redaktion
Das Leben ein Tanz
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Alle für Ella
Komödie • 2022
Das Glücksrad
Drama • 2021
prisma-Redaktion
Freibad
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Kein Blockbuster-Stoff, trotzdem ein echtes Kino-Erlebnis: Mit "Three Thousand Years of Longing" präsentiert George Miller seinen zehnten Spielfilm.
Three Thousand Years of Longing
Fantasy • 2022
prisma-Redaktion
Die Känguru-Verschwörung
Satire • 2022
prisma-Redaktion
After Forever
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Beast – Jäger ohne Gnade
Horror • 2022
prisma-Redaktion
Mein Lotta-Leben – Alles Tschaka mit Alpaka!
Kinderfilm • 2022
prisma-Redaktion
Jagdsaison
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Der Gesang der Flusskrebse
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr
2021
prisma-Redaktion
Nope
2022
prisma-Redaktion
Der junge Häuptling Winnetou
Abenteuerfilm • 2021
Nicht ganz koscher – Eine göttliche Komödie
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Bullet Train
Actionkomödie • 2022
prisma-Redaktion
Guglhupfgeschwader
2022
prisma-Redaktion
Hatching
Fantasy • 2022
prisma-Redaktion
Der perfekte Chef
Komödie • 2021
prisma-Redaktion
DC League of Super-Pets
Animationsfilm • 2022
prisma-Redaktion
Bibi & Tina – Einfach anders
Abenteuerfilm • 2022
prisma-Redaktion

BELIEBTE STARS