Doro (Lucie Hollmann) reißt Karl (Jonas Dassler) kurzzeitig aus der selbstgewählten Lethargie - nur um alsbald Opfer einer Cyber-Mobbing-Attacke zu werden.
In "Lomo - The Language Of Many Others" lässt sich ein privilegierter Teenager das Herz brechen und verlagert daraufhin sein Leben in soziale Netzwerke - mit dramatischen Folgen.

Lomo - The Language Of Many Others

KINOSTART: 12.07.2018 • Drama • D (2017) • 101 MINUTEN
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prisma-Redaktion
Originaltitel
Lomo - The Language of many others
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D
Laufzeit
101 Minuten

Filmkritik

Panisch bewusstlos
Von Andreas Fischer

Der 17-jährige Abiturient Karl (Jonas Dassler) ist einer dieser jungen Menschen, die gar nicht anders können, als angeödet zu sein vom Leben. Das ist eine Frage des Prinzips: Julia Langhof hat diese universelle Coming-of-Age-Prämisse in ihrem Spielfilmdebüt "Lomo – The Language Of Many Others" verarbeitet und mit einer wohlfeilen Warnung vor den Gefahren und Untiefen des Internets angereichert. Denn Karl lebt in einer Blase. Er verlagert einen großen Teil seiner Existenz ins Social Web und überlässt sein Schicksal den Followern seines Blogs. Nichts ist schließlich langweiliger als die Wirklichkeit, wenn es doch auch eine Cyber-Realität gibt.

"Es gibt im Leben nur zwei Zustände: Bewusstlosigkeit oder Panik", weiß Karl, der mit Zwillingsschwester Anna (Eva Nürnberg) in einer privilegierten Berliner Vorstadtexistenz aufgewachsen ist. Der Vater (Peter Jordan) ist Architekt, die Mutter (Marie-Lou Sellem) Musiklehrerin und Lebenskünstlerin.

Dass es ihren Sohn gibt, haben sie fast vergessen, weil sie zu sehr mit sich selbst, ihren Krisen und Selbstfindungsprozessen beschäftigt sind. Wenn sie sich doch an ihn erinnern, dann hagelt es "Mach was aus deinem Leben"-Vorwürfe. Karl wiederum filmt Szenen ihrer Ehe und stellt sie ins Internet, was auf seinem Blog ziemlich gut ankommt. Glücklich macht es den wohlstandsverwahrlosten Teenager aber auch nicht.

Zunächst also erträgt Karl das Leben ziemlich benommen, also bewusstlos. Das ist an sich nicht verwerflich, im realitätsfern konstruierten Drehbuch von Langhof und Co-Autor Thomas Gerhold stehen aber kaum originelle Einfälle, die seinen Weltschmerz illustrieren, sondern vor allem Stereotypen. Dann aber kommt die Panik, sie heißt Doro (Lucie Hollmann), und mit ihr beginnt eine wilde Fahrt durch reißende virtuelle Fluten.

Obwohl Doros signalrote Haare schon von Weitem "Gefahr" ankündigen, lässt sich Karl auf Intimitäten mit ihr ein. Mehr noch: Er verliebt sich, und seine Welt wird ein Stück weit klarer. Was Karl noch nicht weiß: Wie fast jeder junge Mann in seinem Alter wird auch er von der Liebe enttäuscht. Aus Rache stellt er im Suff ein Sexvideo von sich und Doro ins Internet.

Die Konsequenzen überraschen Karl, der sich immer weiter in seiner virtuellen Welt verliert und schließlich wie ein Cyber-Zombie blind durch Berlin stolpert. Die Kontrolle über sein Leben gibt er an die Community ab, was mit beherztem Gestaltungswillen vor allem akustisch interessant umgesetzt wurde. Ein babylonisches Stimmengewirr aus dem Hintergrund konterkariert die Sprachlosigkeit von Karl, Doro, ihren Eltern und Freunden.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller
Peter Jordan als "Tatort"-Ermittler Uwe Kohnau
Peter Jordan
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