Regisseur Jeff Nichols ist kein Spezialist für ein spezielles Genre, aber er ist Experte darin, mit dem Merkmalskatalog bestimmter Gattungen zu brechen und ihnen seinen speziellen Stempel aufzudrücken. Sein neuestes Werk "Loving", das er in Cannes in den Wettbewerb schickte, bricht ebenso mit den Erwartungen des Publikums wie Nichols vorherige Arbeiten.

Eigentlich beruht das Werk auf dem gerichtlichen Streitfall "Loving Vs. Virginia", der sich Ende der 1960er-Jahre tatsächlich ereignet hat. Statt eines Bürgerrechtsdramas erwartet den Zuschauer aber ein Porträt einer Beziehung.

(K)eine Frage der Hautfarbe

Die Protagonisten Richard (Joel Edgerton) und Mildred (Ruth Negga) sind ein zufriedenes Paar. Sie wollen ihr Glück vor der Geburt ihres ersten Kindes mit einer Heirat krönen, doch in ihrem Heimat-Bundesstaat Virginia ist eine gemischtrassige Ehe verboten.

Auch eine Hochzeit in Washington, wo es das entsprechende Gesetz nicht gibt, hilft Richard und Mildred nicht weiter, denn die Heiratsurkunde wird in Virginia nicht anerkannt. Ihnen bleibt die Wahl zwischen einer Haftstrafe, oder nicht mehr in die Heimat zurückzukehren. Doch sie entscheiden sich zu klagen.

Starke Wirkung

Nichols gelingt es durch die Fokussierung auf die Beziehung der beiden, eine Natürlichkeit zu erzeugen, die Selbstverständlichkeit von gemischten Ehen ausdrückt. Dadurch transportiert er auch ohne die Darstellung offener Anfeindung die essentielle Botschaft des Werks.Die Hauptdarsteller unterstützen durch ihre natürliches, zurückgenommenes Spiel diese Intention.